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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

400 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1906. 
Hausterrasse gesehen, als ein Scheinwerfer aus 9 km Entfernung auf dieselbe 
schien. Dieselben bewegten sich im Sinne der Luftbewegung. Bei schwachem 
Wind (aus S) erschienen sie als dicht gedrängte in unregelmäßigen Wellenzügen 
sich hinschlängelnde Schattenzüge, bei starkem Wind (aus N). boten sie den An- 
blick einer von konträren Windströmungen lebhaft bewegten Wasserfläche dar, 
die in regellos gebrochenen und interferierenden kleinen Wellen zitterte und 
flimmerte, 
Die Erscheinung ist hier, wie im Falle der Sonnenfinsternis, auf fort- 
schreitende Unregelmäßigkeiten in der Dichtigkeit der von den Strahlen einer 
starken, nahezu punktförmigen Lichtquelle durchsetzten Luftschichten, also auf 
bewegte »Luftschlieren« zurückzuführen. Mittels des Lichtkegels einer Bogen- 
lampe kann man (ohne Linsen) derartige Schlierenbildungen auf einem gegenüber 
stehenden weißen Schirm hervorrufen, indem man die heißen Flammengase eines 
Bunsenbrenners in dem Strahlenbündel aufsteigen läßt. Auch nach der Totalität 
wurden die fliegenden Schatten wieder beobachtet, wobei sie, was bemerkenswert 
sein dürfte, im gleichen Sinne wie vorher dahin zu eilen schienen, 
2, Noch ehe die eigentliche Totalität eingetreten war, sah man 
plötzlich um die ganze Mondscheibe herum einen silberweißen Schimmer auf- 
leuchten: die Korona. Es scheint mir wichtig zu sein und für die enorme 
Lichtentwickelung der auf ein Aktivitätsmaximum der Sonne fallenden diesmaligen 
Koronaerscheinung zu sprechen, daß dieselbe bereits sichtbar war, noch ehe die 
letzte Sichel der eigentlichen Sonnenscheibe verschwand, sogar noch ehe das 
eigentliche »Perlschnurphänomen« beobachtet wurde. Dasselbe stellte sich 
unmittelbar danach mit großer Deutlichkeit ein und konnte mit einem Zeiß- 
schen, achtfach vergrößernden Binokularfernstecher gut beobachtet werden. So- 
gleich aber nahm schon ein anderes Phänomen die volle Aufmerksamkeit in 
Anspruch: eine große Säulen-Protuberanz ragte links oben mit blaßrosaroter 
Farbe aus der Sonnenscheibe heraus. Wir möchten ausdrücklich bemerken, daß 
auch diese Protuberanz, — nach unserer Schätzung sogar um einige Sekunden — 
vor der eigentlichen Totalität sichtbar wurde, Man konnte deutlich ver- 
folgen, wie die schwarze Mondscheibe vor dieser Protuberanz vorbeizog, immer 
mehr und mehr von ihr abschneidend und dadurch zugleich dokumentierend, 
daß dieselbe ein der Sonne selbst angehöriges Phänomen ist. 
Noch ehe diese Protuberanz völlig verdeckt war, erschien plötzlich am 
rechten oberen Rande der Sonne eine Reihe von Protuberanzen, Fast ein ganzer 
Quadrant des Sonnenrandes war von dicht gedrängten rosenrot gefärbten Licht- 
zungen besetzt, die zwar durchweg von viel geringerer Höhe wie die große 
Protuberanz links waren, aber scheinbar ein zusammenhängendes Ganzes bildeten. 
3. Das Hauptinteresse nahm natürlich die Korona in Anspruch, welche 
mit dem Zeißfernstecher genauer studiert, und auf einem Kartonblatt mit vorher 
eingezeichnetem schwarzem Kreise und markierter Horizontal- und Vertikal- 
Richtung in ihren Hauptzügen skizziert wurde, Zunächst hatte es den Anschein, 
als ob der Lichtschein rings um die Sonne gleichmäßig ausgebreitet sei und 
überall gleich weit hinausreiche. Jene auffallend langen Strahlen, oder jene 
deutliche Differenzierung zwischen Äquatorial- und Polarregionen des Sonnen- 
körpers, wie sie bei so vielen Korona-Erscheinungen beobachtet worden sind, waren 
dieses Mal nicht zu sehen; sie scheinen das dem Minimum eigentümliche Korona- 
phänomen zu charakterisieren; vielmehr schien die Korona rings um die ganze 
Sonne herum in gleich starker Entwickelung begriffen zu sein. In unmittelbarster 
Nähe des Sonnenrandes waren an einigen Stellen — z.B. links unten — auf- 
fallend helle Stellen zu sehen, die ebenso gut für sog. »weiße Protuberanzen« 
hätten gelten können. Jedenfalls war das ganze Innere von überraschendem 
Glanze. Nach außen nahm die Helligkeit ab, doch nicht sehr rasch, und hier 
zeigte sich nun die so sehr charakteristische »strahlige Struktur« der Ko- 
rona sehr deutlich. Sie scheint demnach aus zwei sich übereinander lagernden 
Gebilden zu bestehen. Auch die Krümmung einzelner Koronastrahlen fiel sofort 
auf, besonders der Umstand, daß sie nicht genau radiär angeordnet sind, d. h. bei 
ihrer Verlängerung nach innen nicht den Sonnenmittelpunkt treffen würden.
	        
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