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Über einige Häfen etc. an der Nordküste von Süd-Amerika,
(„Notice hydrographiqgue*, No. 12, Paris, 1879.)
Der Kommandant des französischen Schiffes „Dupetit-Thouars“, Kapitän
M. Lefevre, hat über die Bucht von Barcelona, den Hafen von Cumana, die
Küste von Paria und die Rhede von Gwiria Nachstehendes berichtet.
Bucht von Barcelona.!) Die Wassertiefen im nördlichen Teil der
Bucht haben sich bedeutend verändert; in NNO von dem Gipfel des Morro von
Barcelona wurden nur 5,5m Wasser gefunden, :wo in den Karten 7 bis 8m an-
gegeben sind.
Der Ankerplatz befindet sich im Süden der Bucht, und man peilt von
demselben das Zollamt in Ost. Letzteres ist ein grofßses Gebäude mit zwei
Seitenflügeln und steht am Ufer, etwas südlich von der Mündung des südlichen
Flufsarmes, an derselben Stelle, an welcher früher zwei Strohhütten standen.
Jetzt befinden sich mehrere Häuser am Ufer. .
Sobald man 9m Wasser erhält, mufs man ankern, denn die Tiefe nimmt
darauf gleich bis auf 6 und 7m ab. Man liegt ungefähr 2 Sm vom Zollamte
entfernt, Ein eigentlicher Landungsplatz ist nicht vorhanden, man mufs am
Sandstrande neben dem Zollamte mit den Booten landen; dies macht aber,
da die See gröfstenteils ruhig ist, keine Schwierigkeit.
Durchfahrt zwischen den Chimana-Inseln und dem Festlande.?)
Es soll sich eine vorzügliche Durchfahrt für Schiffe jeder Gröfse zwischen den
Chimana-Inseln und dem Festlande befinden. Der „Dupetit-Thouars“ hat die-
selbe jedoch nicht benutzt, sondern passierte zwischen der Insel Barracha und
den Chimana-Inseln, indem er kaum 5 Kblg östlich von letzteren abblieb. Diese
Durchfahrt ist ganz rein, jedoch mufß man beim: Verlassen der Bucht von
Barcelona Sorge tragen, dem westlichen Abhange des Hügels bei Barcelona
nicht zu nahe zu kommen, da. dieser von einer Bank umgeben ist, die sich
ca 3 Kblg nach See zu erstreckt.
Hafen von Cumana.®) Wenn-man sich dem Hafen von Cumana nähert
und den Berg, an dessen Fufs die Stadt liegt, in Ost peilt, erblickt man auf
halber Höhe das Fort San Antonio, welches von dunkelgelber Farbe ist, und
oberhalb desselben zwei Glockentürme mit spitzen weiflsen Dächern, die aus
dem Grün, welches. den ganzen. Berg bedeckt, deutlich hervorragen.
_ Um auf den Ankerplatz zu gelangen, mufßs man diese beiden Glocken-
türme etwas südlich frei von dem Fort und in Deckpeilung mit einer deutlich
zu erkennenden Vertiefung des Bergrückens halten, Auf dem Ankerplatz,
welcher ca 2 bis 2!/2 Kblg vom Strande entfernt ist, sind 28 bis 30m Wasser.
Man peilt von dem Ankerplatz: den Kirchturm von Cumana vw N 87° O,
die Nordspitze des Hafens rw N 16° O, ein weifßses Haus etwas rechts: vom
Fort de la Boca rw N38°O, den rothen Gipfel des nördlichsten Abhanges
rw S2°O und den Aussichts-Turm auf dem neuen Zollamte rw N 71° 0.
Das neue Zollamt. besteht aus zwei Gebäuden, welche durch eine Terrasse
mit einander verbunden sind, und auf dieser steht der Aussichts-Turm.
Das Fort de I@ Boca ist in Verfall, und es ist deshalb das etwas rechts
davon stehende weifse Haus als Marke vorzuziehen, Die Stadt Cumana wurde
zuletzt im Jahre 1853 durch ein Erdbeben beinahe vollständig zerstört.
__ Beim Ansteuern des Ankerplatzes mufs man auf den zuweilen sehr starken
Strom Acht geben; letzterer folgt der Küste, wechselt aber, so dafs er bald
nach Nord, bald nach Süd setzt.
Nach Angabe der Lotsen erreicht die Flut gewöhnlich eine Höhe von
ca 0,6m und nur in Ausnahmefällen von 1,2 bis 1,5m.
Beim Verlassen des Hafens mufs man gut weit von der Spitze Araya
abbleiben, da dieselbe sich nach Angabe der Einheimischen. viel weiter nach
West und WNW. erstreckt, als es auf der Karte angegeben ist. Im Jahre 1878
sind mehrere Schiffe, welche 3 Sm weit von dem auf der Karte angegebenen
Rande die die Spitze umgebende Untiefe passiert. haben sollen, gestrandet,
i) S. „West India Pilot“, Part I, London, 1872, pag. 117.
3) a. a. O. pag. 118:
3) a. a. OO. pag. 113.