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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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und seine Leute ihre Aussagen machen können (eine gerichtliche Vernehmung 
derselben vor Anhängigmachung der Klage wird nicht gestattet). Um endlich 
segeln zu können, hat der Kapitän vorher noch eine Kaution für die Gerichts- 
kosten zu stellen, Immer verliert das Schiff mindestens zwei Tage Zeit, 
angerechnet die Kosten der Arrestlegung (50 Doll.), des Advokaten und der 
Beschaffung der Kaution. Vielleicht nach Monaten erst kommt der Fall zur 
Verhandlung, und die Aussicht, dafs das Urtheil zu Gunsten des Schiffes sein 
wird, ist bei dem Einflufs, den die Theilhaber der Dampfergesellschaften be- 
sitzen, eine sehr geringe. Man sieht, dafs Rechtszustände, welche ein solches 
Verfahren ermöglichen, dem Gelingen von Erpressungen sehr günstig sind, denn 
mit diesen Aussichten auf Zeit- und Geldverlust wird der Kapitän lieber die 
Forderungen, selbst wenn sie ihm ganz unberechtigt erscheinen, freiwillig ent- 
richten, als es auf einen Prozess ankommen lassen. 
Die Lotsen arbeiten stets im Interesse der Schleppdampfer und geben 
dem einkommenden Kapitän in keiner Weise bündige Auskunft. 
Da es für manchen meiner Kollegen lehrreich sein wird, unterlasse ich 
nicht, über meine eigenen unangenehmen Erfahrungen in San Francisco hier zu 
berichten: 
In der Neujahrsnacht um 2!/2 Uhr Morgens sahen wir das Feuer von den 
Farallones. Der Wind war steif, westlich, mitunter von leichten Nebelschauern 
begleitet, und es lief eine hohe Dünung von West und WSW. Um 4% Uhr 
passirten wir die Inseln. Der Wind wurde nun flauer, wir setzten nach und 
nach alle Segel und gewahrten mit Tagesanbruch mehrere mitsegelnde Schiffe 
und später einen Lotsenschoner eben außerhalb der Barre. 
Um 81% Uhr kam der Lotse an Bord. Bald darauf wurde es windstill. 
Gegen 9 Uhr sahen wir mehrere Schleppdampfer, von denen einer ein vor uns 
segelndes amerikanisches Schiff ins Schlepptau nahm, ein anderer hielt nach 
einem nordwärts stehenden Schiffe zu und ein dritter kam später auf uns ab, 
Er verlangte für Einschleppen 150 Doll., worauf ich ihm 80 Doll. anbot. Der 
Dampfer ging darauf wieder fort, und der Lotse erging sich in vielen drohender 
Schilderungen der Brandung auf der Barre und der vielen Oberwasser in den 
Flüssen, welche zur Zeit der Ebbe die Barre sehr gefährlich machen sollen. 
Der Dampfer kam alsbald wieder, und ich bot ihm 100 Doll. Der Dampfer- 
kapitän erwähnte, dafs er alle übrige Arbeit für „english contract-rates“ thun 
wolle, worauf ich ihm erwiderte, dafs ich dieselben nicht kenne und mich nicht 
dazu verpflichten wolle; nur wolle ich ihm den Vorzug für weitere Arbeit 
geben, falls er ebenso billig wie Andere wäre. Der Dampfer wollte aber für 
100 Doll. nicht schleppen und ging wieder fort. 
Wir trieben mit der Fluth bis nahe an die Barre, es blieb windstill und 
wir hatten keine Steuergewalt. Ich sah, dafs eine hohe Dünung auf der Barre 
lief, und dafs die See vielleicht bei der Ebbe brechen könnte. - 
Der Lotse antwortete mir auf mein Befragen über die englischen Raten, 
dafs diese seit 1'/a Jahren in Gebrauch seien, dafs die englischen Rheder sich 
kontraktlich für die Dauer von zwei Jahren verpflichtet hätten, nach denselben 
zu bezahlen, dafs die Forderungen sehr mäfsig seien und alle Schiffe zu den- 
selben annähmen u. 8. w. Als nun der Dampfer zum drittenmal wieder kam, 
bewilligte ich ihm die 150 Doll., und es wurde weiter nichts von den englischen 
Raten erwähnt. Mittlerweile war es 11 Uhr geworden, 1/2 Stunde vor Hoch- 
wasser und die höchste Zeit, wenn wir hinein wollten. Wir nahmen also den 
Dampfer, fanden auf der Barre höheren Seegang, als ich erwartet hatte, 
schleppten ein und gelangten um 2!/4 Uhr vor der Stadt zu Anker. | 
Der Kapitän des Dampfers kam noch an Bord; ich sagte ihm, dafs ich 
weitere Kontrakte mit seinem Agenten machen würde, und wir gingen von 
einander, ich mit der Ueberzeugung, dafs 150 Doll. eigentlich viel Geld für das 
Einbringen sei, ich aber in diesem Falle nicht gut anders hätte.handeln können, 
wenn ich mich nicht der Gefahr aussetzen wollte, auf den Strand zu treiben. 
Aufserdem hatte ich die feste Ueberzeugung, den Dampfer-nur für das Ein- 
bringen, nicht aber für weitere Arbeit angenommen zu haben, . 
Am 2. Januar war Sonntag. Am 3. bemühte ich mich vergebens, einen 
Löschplatz zu erlangen, und wurde mir dieser erst für den 4. Mittags zugesagt. 
Am 3. wollte ich mit dem Dampfer-Agenten für weiteres Schleppen unter-
	        
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