Brennecke, W.: Stündl, Änderungen d. hydrograph, u. biolog. Verhältnisse auf d. Reede v. Ostende. 119
schwarzen Schlammbank, Die Tiefe wurde stündlich festgestellt und schwankte
zwischen 5.50 m und 10.00 m, Es ist nun auch möglich aus den Aufzeichnungen des
Flutautographen in Ostende die Wasserhöhe über dem Nullpunkt (Niveau des
Niedrigwassers der Springzeit) zu entnehmen, Bringt man diese Beträge an die
geloteten Tiefen an, so muß sich die mittlere Tiefe ergeben, so daß man nur
einmal zu loten braucht und später die Höhe des Wassers für die verschiedenen
Beobachtungszeiten aus dem Flutautographen entnehmen kann. Um die Probe
auf das Exempel zu machen, sind von Gilson sämtliche geloteten Tiefen mittels
der Flutautographen-Angaben reduziert worden, und es ergab sich das über-
vaschende Resultat, daß die so reduzierten Tiefen Differenzen bis zu 1.3 m auf-
wiesen, Dieses ist auch aus dem beigefügten Diagramm (Taf, 6) ersichtlich,
wo die einzelnen Kurven wiedergegeben sind, Die Flutautographenkurve müßte
theoretisch parallel der Lotkurve gehen und die mittlere Tiefenkurve sowie die
reduzierte Lotkurve müßten zusammenfallen.
Die Differenz von 1,3 m ist so groß, daß Beobachtungsfehler nicht in Betracht
kommen, auch wird der Pegelmesser sowie seine Aufstellung ausdrücklich als gut be-
zeichnet. Das Nächstliegende ist, Unebenheiten des Meeresbodens zu mutmaßen, da
das Schiff an langer Kette mit Flut und Ebbe hin und her schwoijt. Es zeigt sich
aber, daß gerade die reduzierten Lotungen der Ebbe- und Flutlage des Schiffes
gut übereinstimmen, auch die auf rechtwinkligem Kurse zu diesen Lagen aus-
geführten Lotungen zeigen nur eine Differenz von 0.15 m, so daß die Ursache
für die großen Differenzen der reduzierten Tiefen überhaupt eine andere sein
muß, Man setzt nun im allgemeinen voraus, daß die Meeresoberfläche zwischen
der Küste und einem Punkte nahe der Küste horizontal ist, während sie in Wirk-
lichkeit Deformationen, Hebungen und Senkungen, unterliegt, welche sich jedoch
wahrscheinlich an zwei Beobachtungspunkten, wie sie hier in Betracht gezogen
worden sind, nicht gleichzeitig, und nicht mit gleicher Intensität geltend machen,
Gilson kommt daher zu dem Schluß, daß die wechselnde Höhe der Wasserschicht an
einem Punkt in Küstennähe im gegebenen Moment aus Flutautographen-Auf-
zeichnungen nicht mit Genauigkeit zu ermitteln ist. Um diese Verhältnisse
näher zu studieren, sollen später Beobachtungen auf einem vor vier Ankern
liegenden Schiff gemacht werden, — Diese haben nicht nur theoretisches Interesse,
sondern tragen auch einem praktischen Bedürfnis, der Genauigkeit der See-
karten, Rechnung.
Die Beobachtungen fanden vier Tage nach Springflut statt, so daß das
Ausmaß der Gezeiten im Abnehmen begriffen war. Dieses betrug zwischen erstem
Hoch- und Niedrigwasser 4.50 m, ebensoviel zwischen diesem und dem darauf
folgenden Hochwasser, nach welchem es auf 4.00 m herunterging. Das darauf
(olgende Hochwasser zeigte aber keine Abnahme, sondern eine Zunahme, so daß der
regelrechte Verlauf gestört erscheint — eine größere Störung hatte ebenfalls am
5. September mittags stattgefunden, wo statt Abnahme eine Zunahme des Hoch-
wassers um 1m eingetreten war (nach den Aufzeichnungen des Flutautographen).
Die Dauer des ersten Fallend-Wasser betrug 74 des zweiten 6b, des ersten
Steigend-Wasser 5b, des zweiten 6%, Da im Durchschnitt Fallend-Wasser bedeutend
länger dauert wie Steigend-Wasser, so ist das zweite Fallend-Wasser kürzer wie
beim durchschnittlichen Verlauf gewesen.
C. Die Änderungen der Strömungen.
Die Feststellung der Stromrichtung geschah mittels einer dünnen Leine
mit Schwimmer, welche vom Heck aus beobachtet wurde, diejenige der Ge-
schwindigkeit mittels des Ekmanschen Strommessers, Zur Feststellung der
Richtung eignete sich dieser nicht, da er durch die Bewegungen des Schiffes in
zu starke Schwingungen geriet; auch kann man den Strom nicht aus der Richtung,
in welche sich das Schiff einstellt, bestimmen, da diese eine Resultante der Wind-
und Stromwirkung ist. Die beobachteten Geschwindigkeiten und Richtungen sind im
Diagramm (Taf, 6) wiedergegeben; während der regelrechten Flut oder Ebbe
(definiert durch die Konstanz der Richtung) ändern sich die Geschwindigkeiten
(ausvyedrückt in Zentimeter p. Sek.) meist nicht erheblich — während der kreisenden