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Einleitung
Das dominierende Signal in allen Strömungs- und Wasserstandsmessungen aus der
Deutschen Bucht ist die halbtägige Gezeit. Die Gezeit in der südlichen Nordsee hat die Form
einer Amphidromie (Drehtide) mit einem hubfreien Knotenpunkt bei ca. 55,5°N und 5,3°E.
Um diesen Punkt läuft die Gezeit in Form einer Kelvinwelle gegen den Uhrzeigersinn durch
die südliche Nordsee. Mit Hilfe von numerischen Modellen, in-situ Strömungsmessungen,
Satellitenmessungen und Analysen von Hochsee- und Küstenpegeln, konnte das räumliche
Fortschreiten der Gezeitenwelle durch die Deutsche Bucht im Laufe der Zeit immer genauer
vorausberechnet und, z. B, in Form von Linien gleichen Tidenhubs und Linien gleichen
Hoch- und Niedrigwasser-Zeitunterschieds gegen den Durchgang des Mondes durch den
Nullmeridian, dargestellt werden (siehe z.B.: BSH, 2000). Derartige Darstellungen
repräsentieren jedoch nur die mittleren Spring- und Nipptiden. Messungen zeigen, dass die
einzelnen Tiden in der Form ihrer individuellen Tidekurve und im räumlichen Fortschreiten
durch die Deutsche Bucht erheblich von den mittleren Verhältnissen abweichen können. Dies
gilt insbesondere für Gebiete mit starken topographischen Gradienten, z.B. vor den
küstennahen Watten und im Umfeld der Inseln.
Die Insel Helgoland mit der Östlich vorgelagerten Düne ist ein topographisch
markanter Punkt in der Deutschen Bucht und bildet für die Gezeitenwelle einen Störkörper,
den diese umströmen muss. Neben der eigentlichen Insel als lokale Erhebung, treten südlich
der Insel, im Bereich des bis zu 57 m tiefen Helgoländer Lochs, starke Gradienten mit Tiefen
unterschieden von bis zu 30 m pro V* sm auf. Die durch einen etwa 700 m breiten und 5 bis
10 m tiefen Kanal von der Insel getrennte Düne sitzt auf einem ca. 4 sm langen Riffbogen, der
sich östlich der Insel in Nordwest-Südost-Richtung erstreckt (siehe Abb. 1). Der Riffbogen
setzt sich aus verschiedenen Bereichen zusammen, die in der Seekarte als Wittkliffbrunn,
Seilebrunn und Robenbrunn bezeichnet sind, wobei „Brunn“ eine alt-friesische Bezeichnung
für ein Riff ist. Im Umfeld der aus Buntsandstein bestehenden Insel ist der Untergrund meist
felsig oder sehr steinig.
In den vergangenen Jahrzehnten haben das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydro
graphie (BSH), bzw. dessen Vorgänger, das Deutsche Hydrographische Institut (DHI), wie
derholt Strömungs- und Wasserstandsmessungen im Umfeld von Helgoland durchgeführt.
Viele dieser Messungen erstreckten sich jedoch nur über einen Zeitraum von 10 bis 14 Tagen
und waren für eine zuverlässige Auflösung des Spring-Nipp-Zyklus bei der Gezeitenanalyse
nur bedingt geeignet. Auch gab es bei den älteren Messungen gelegentlich Probleme mit der