accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 27: Gezeitenströme und Tidekurven im Nahfeld von Helgoland

1 
Einleitung 
Das dominierende Signal in allen Strömungs- und Wasserstandsmessungen aus der 
Deutschen Bucht ist die halbtägige Gezeit. Die Gezeit in der südlichen Nordsee hat die Form 
einer Amphidromie (Drehtide) mit einem hubfreien Knotenpunkt bei ca. 55,5°N und 5,3°E. 
Um diesen Punkt läuft die Gezeit in Form einer Kelvinwelle gegen den Uhrzeigersinn durch 
die südliche Nordsee. Mit Hilfe von numerischen Modellen, in-situ Strömungsmessungen, 
Satellitenmessungen und Analysen von Hochsee- und Küstenpegeln, konnte das räumliche 
Fortschreiten der Gezeitenwelle durch die Deutsche Bucht im Laufe der Zeit immer genauer 
vorausberechnet und, z. B, in Form von Linien gleichen Tidenhubs und Linien gleichen 
Hoch- und Niedrigwasser-Zeitunterschieds gegen den Durchgang des Mondes durch den 
Nullmeridian, dargestellt werden (siehe z.B.: BSH, 2000). Derartige Darstellungen 
repräsentieren jedoch nur die mittleren Spring- und Nipptiden. Messungen zeigen, dass die 
einzelnen Tiden in der Form ihrer individuellen Tidekurve und im räumlichen Fortschreiten 
durch die Deutsche Bucht erheblich von den mittleren Verhältnissen abweichen können. Dies 
gilt insbesondere für Gebiete mit starken topographischen Gradienten, z.B. vor den 
küstennahen Watten und im Umfeld der Inseln. 
Die Insel Helgoland mit der Östlich vorgelagerten Düne ist ein topographisch 
markanter Punkt in der Deutschen Bucht und bildet für die Gezeitenwelle einen Störkörper, 
den diese umströmen muss. Neben der eigentlichen Insel als lokale Erhebung, treten südlich 
der Insel, im Bereich des bis zu 57 m tiefen Helgoländer Lochs, starke Gradienten mit Tiefen 
unterschieden von bis zu 30 m pro V* sm auf. Die durch einen etwa 700 m breiten und 5 bis 
10 m tiefen Kanal von der Insel getrennte Düne sitzt auf einem ca. 4 sm langen Riffbogen, der 
sich östlich der Insel in Nordwest-Südost-Richtung erstreckt (siehe Abb. 1). Der Riffbogen 
setzt sich aus verschiedenen Bereichen zusammen, die in der Seekarte als Wittkliffbrunn, 
Seilebrunn und Robenbrunn bezeichnet sind, wobei „Brunn“ eine alt-friesische Bezeichnung 
für ein Riff ist. Im Umfeld der aus Buntsandstein bestehenden Insel ist der Untergrund meist 
felsig oder sehr steinig. 
In den vergangenen Jahrzehnten haben das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydro 
graphie (BSH), bzw. dessen Vorgänger, das Deutsche Hydrographische Institut (DHI), wie 
derholt Strömungs- und Wasserstandsmessungen im Umfeld von Helgoland durchgeführt. 
Viele dieser Messungen erstreckten sich jedoch nur über einen Zeitraum von 10 bis 14 Tagen 
und waren für eine zuverlässige Auflösung des Spring-Nipp-Zyklus bei der Gezeitenanalyse 
nur bedingt geeignet. Auch gab es bei den älteren Messungen gelegentlich Probleme mit der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.