Nährstoffe
175
und organischen Stickstoffverbindungen. Während ein Großteil der löslichen Stickstoffkom-
ponenten durch Remineralisierung der Wassersäule wieder zugeführt wird, lagert sich das
freiwerdende Phosphat u. a. als Eisen(lll)komplex am Meeresboden ab und wird erst durch
steigende Temperaturen und bei vorherrschenden anoxischen Verhältnissen, meist im Spät
sommer/Herbst, wieder als lösliche Eisen(ll)Verbindung freigesetzt (VAN BEUSEKOM et al.
1999). Ein Teil des Phosphats wird auch als Calcium-Apatit im Sediment eingelagert und steht
dem Phosphatkreislauf viele Jahre nicht zur Verfügung.
Die winterlichen Silikatkonzentrationen unterliegen von Jahr zu Jahr starken Änderungen.
Während die Ergebnisse von 1993 bis 1996 im Bereich des Vergleichswertes von 1936
(18,5 pmol/L) liegen, wird dieser Wert in den Folgejahren deutlich überschritten.
Insgesamt hat sich die Nährstoffsituation gegenüber derjenigen der Vorjahre nur im Rahmen
der natürlichen Variabilität verändert. Die im Winter durch Algenwachstum kaum beeinflussten
Phosphatgehalte liegen in der zentralen Nordsee und in der mittleren Deutschen Bucht auf
dem Vergleichsniveau von 1936, im Küstenbereich etwas darüber. Die Gesamtphosphorkon
zentration befindet sich im Küstenbereich deutlich über dem angestrebten Orientierungswert.
Die Konzentrationen der Stickstoffverbindungen sind zwar seit einigen Jahren rückläufig;
diese Verbindungen leisten jedoch nach wie vor den höchsten Beitrag zur Gesamtnährstoff
belastung. Silikatkonzentrationen sind durch industrielle und landwirtschaftliche Aktivitäten
kaum beeinflusst, sodass zwischenjährige Schwankungen biologische und auch geologische
Veränderungen anzeigen.
4.2.5 Bewertung der Nährstoffsituation in der Deutschen Bucht
4.2.5.1 Bewertungsgrundlage
Im Rahmen der BLMP - Arbeitsgruppe Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wurde im Novem
ber 2006 ein Papier „Eutrophierung in den deutschen Küstengewässern von Nord- und Ost
see“ verabschiedet, in dem Hintergrund- und Orientierungswerte für Nährstoffkonzentrati
onen in Übergangs- und Küstenwassertypen und für die Deutsche Bucht angegeben sind
(BROCKMANN et al. 2007). Die Orientierungswerte, die zur Diskussion und Bewertung der
vorliegenden Nährstoffergebnisse heran gezogen werden, berechnen sich aus den Hinter
grundwerten, die gemäß den Verfahren von OSPAR und HELCOM mit einem Aufschlag von
50 % versehen werden. Daraus ergibt sich bei einem Salzgehalt von 28-34,5 für die löslichen
anorganischen Stickstoffverbindungen (DIN) ein Orientierungswert von 11-12 pmol/L und für
Phosphat (DIP) ein Orientierungswert von 0,6 pmol/L. Für TN wird ein Orientierungswert von
17-18 und für TP ein Wert von 1-1,1 pmol/L festgelegt.
4.2.5.2 Bewertung 2011
Die in diesem Bericht durchgeführte Bewertung der Nährstoffsituation in der Deutschen Bucht
bezieht sich auf Winterkonzentrationen, die auf definierte Salzgehalte normiert wurden. Die
Ergebnisse sind von Jahr zu Jahr vergleichbar, da sie im Winter zur Zeit geringster biologischer
Aktivität und fast abgeschlossener Remineralisierung aufgenommen wurden. Die salzgehalt
normierten Ergebnisse werden mit o. g. Orientierungswerten verglichen und diskutiert.
Für die löslichen Stickstoffverbindungen (DIN) wurde im Winter 2011 für einen Salzgehalt 30
(küstennaher Bereich) eine mittlere Konzentration von 34,6 pmol/L berechnet. Dieser Wert liegt
noch deutlich über dem Orientierungswert von 12 pmol/L. Die für die offene Deutsche Bucht
(S = 34) berechnete mittlere Konzentration von 6,8 pmol/L hat inzwischen den Orientierungs
wert erreicht. Ähnliche Ergebnisse ergeben sich für die Gesamtstickstoffkonzentrationen. Für