Wie Schiffe zukünftig die
Luftqualität beeinflussen
Alternative Treibstoffe können andere Treib-
hausgase als Kohlenstoffdioxid sowie Luft-
schadstoffe freisetzen. Diese belasten Klima,
Mensch und Umwelt. Die Schadstoffe verbrei-
ten sich weit in der Luft und gelangen durch
Regen ins Meer und auf das Land. Dennoch
werden Schiffe künftig die Luft weniger belas
ten, wie die Studie „SeAir“ zu Auswirkungen
der schifffahrtsbedingten Emissionen im Auf-
trag des BSH zeigt.
Ein Team des Helmholtz-Zentrums Hereon
untersuchte, wie Schiffe 2015 die Luftqualität
und den Schadstoffeintrag in deutschen Küs-
tengebieten beeinflussten. Basierend darauf
erstellte das Team verschiedene Zukunftssze-
narien: Wie entwickelt sich die Schiffsflotte?
Wie ändert sich der Treibstoffmix? Welche
Regelungen gelten für Schiffe? Das Team hat
sich in der Studie für einen Treibstoffmix ent-
schieden, der hauptsächlich auf Flüssiggas und
Ammoniak setzt, um die Kohlenstoffdioxid-
emissionen der Schifffahrt bis 2050 um die
Hälfte zu reduzieren.
BSH-Projektleiter Dr. Torben Kirchgeorg
betont:
„Zukunftsszenarien für 2040 und 2050
zeigen, dass die Schifffahrt ihren Beitrag
zur Reduzierung von Stickoxid- und Schwe-
‘elemissionen durch alternative Treibstoffe,
technische Lösungen und gesetzliche
Regelungen leisten kann. Die Einführung
klimafreundlicher Treibstoffe könnte jedoch
neue Herausforderungen mit sich bringen.“
Dazu zählen die Freisetzung von Treibhausga-
sen wie Methan und Lachgas sowie von Luft-
schadstoffen wie Ammoniak und Feinstaub.
Ammoniak als Treibstoff könnte zu partikulä-
rem Ammoniumnitrat und erhöhten Feinstaub-
konzentrationen führen. Weniger Stickoxide
könnten weniger bodennahen Ozonabbau
bedeuten, was die Ozonkonzentrationen in
Hafenstädten steigen lässt. Die Ergebnisse
zeigen, dass die Schifffahrt ihren Beitrag zum
Klima- und Umweltschutz leisten kann.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
berechneten die Emissionen der wichtigsten
Gase und Partikel von Schiffen. Sie verknüpf-
ten diese mit Landemissionen und speisten
die Daten in ein Chemietransportmodell ein,
Jm die Konzentrationen und Ablagerungen
von Schadstoffen zu ermitteln. Abschließend
modellierten sie die Verteilung der Luftschad-
stoffe mit und ohne Schiffe, um deren Einfluss
zu bestimmen.
Eine bekannte Reederei nutzt bereits heute Hybrid-
Fähren, die deutlich weniger Emissionen verursachen
als herkömmliche Fähren. Das Hybridsystem funktio-
niert ähnlich wie bei Hybridautos, indem es Benzin
oder Diesel mit Strom kombiniert.
(Quelle: Lisett Kretzschmann)