Bemerkungen über die Ansteuerung des Hafens von Mollendo.
Nach der englischen Segelanweisung: „The South America Pilot, Part II,
1886, Seite 372 soll man von Süden kommend Zambo valley auf 3 Sm. Abstand
ansteuern. Dieser Platz ist aber ebenso schwer auszumachen wie Mollendo. Von
Mollendo ist derselbe daran zu unterscheiden, daß er keinen Kirchthurm auf-
weist, während Mollendo dagegen eine Kirche mit zwei neben einander stehenden
Thürmen besitzt.
Bezüglich einer Landung empfiehlt es sich, zwischen der mit einer Flaggen-
stange versehenen Insel und einer westlich von dieser ausliegenden kleinen
rothen spitzen Tonne hindurch zu steuern. Die Landung selbst ist schwierig, oft
sogar gefahrvoll, ja unter Umständen unausführbar.
Die Rhede von Mollendo ist daher wohl mit Recht als eine der schlechtesten
an der ganzen südamerikanischen Küste zu bezeichnen.
Bemerkungen über die Insel Anno Bom, Banana und Mossamedes,
Westküste von Afrika.
Nach dem Reiseberichte S, M. Kreuzer „Habicht“ Kommandant Korv.-Kapt. v. Dresky.
Die Ansteuerung der Insel Anno Bom!) wird dadurch erschwert, dafs die
drei auf der Karte angegebenen Berge auf derselben fast immer von Wolken
umhüllt sind und der Ort selbst, seiner niedrigen Lage wegen, erst auf sehr
geringe Entfernung in Sicht kommt. Eine sehr gute Ansegelungsmarke ist
dagegen ein ösflich des genannten Ortes gelegener hoher, kahler Felskegel. An
Vorräthen sind in diesem Hafen nur geringe Mengen von Früchten, Geflügel
und Gemüse zu erhalten, welche gegen Tabak, alte Kleidungsstücke etc. ein-
getauscht werden müssen, da Geld bei den Eingeborenen unbekannt ist.
Die Ansteuerung der Kongo-Mündung ®) verursacht keine Schwierigkeiten,
da die Leuchtthürme von Padron Point und Shark Point schon auf gute Ent-
fernung in Sicht kommen, Die im Africa Pilot, Part II 1884, S. 98 angegebenen
Flaggenstangen der holländischen Faktorei auf Banana-Halbinsel markiren sich
schlecht, können bei der jetzigen guten Betonnung des Fahrwassers auch entbehrt
werden. Auch ist die Einfahrt in den Banana Creek so gut betonnt, daß ein
Lootse gut entbehrt werden kann. S. M. Kreuzer „Habicht“ hatte bei der An-
steuerung der Kongo-Mündung die Lootsenflagge geheifst, um für die Einsegelung
in den Banana Creek einen Lootsen zu erhalten, es lief sich jedoch keiner sehen.
Der Hafen von Banana bietet einen vorzüglichen, ruhigen Ankerplatz,
auch ist die Temperatur während des Monats September sehr angenehm kühl.
Eine fast beständig wehende, gute Seebriese macht den Aufenthalt im genannten
Hafen zu dieser Zeit noch angenehmer. Die Hülfsmittel, welche der Hafen
bietet, sind dagegen nur sehr gering. Kohlen werden nur von einer Gesellschaft,
der Firma de la Fontaine-Verwey, geliefert. Bei Ankunft S, M. Kr. „Habicht“
lagerten daselbst nur ungefähr 160 Tonnen. Dies soll jedoch nach Angabe
des Chefs des holländischen Handlungshauses ein Ausnahmefall gewesen sein,
für gewöhnlich lagert dort ein Vorrath von 1000 — 1500 Tonnen Kohlen.
Frischer Proviant ist nur in sehr geringer Menge vorhanden, Fleisch gar nicht.
Ebenso ist es nicht rathsam, frisches Wasser einzunehmen.
Das sehr bedeutende holländische Handlungshaus besitzt eine kleine Werk-
stätte zur Reparatur seiner Fahrzeuge. Dieselbe enthält Dreh- und Hobelbänke,
Stanzmaschinen sowie eine vollständige Schmiedewerkstätte. Mit den vorhandenen
Mitteln sind verschiedene grosse, eiserne Prähme sowie ein Schoner gebaut
worden, so dafs sich gegebenenfalls auch kleinere Reparaturen an Schiffen
dort ausführen lassen. Ein Theil der auf Banana-Halbinsel errichteten Faktoreien
I) Africa Pilot Part II 1884, Seite 68—69.
2?) Africa Pilot Part II 1884. Seite 97