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II. Aufgabenstellung:
Wie die tabellarische Zusammenstellung (siehe Tab. 2) zeigt, hatte man schon bereits vor dem ersten Welt
kriege erkannt, daß die vor der deutschen Nordseeküste liegenden Feuerschiffe als feste hydrographische Beob
achtungsstationen einen sehr wesentlichen Beitrag zu der Erforschung der Hydrographie der Deutschen Bucht lei
sten würden (siehe Schulz (2$)). Die Bearbeitungen von Karsten (13), Wendicke (14) und auch diejenigen der
Helgoländer Terminstationen von Reichard (15) haben hier bedeutende Fortschritte erzielt. Zu gleicher Zeit (ab
1902) haben die sogenannten Terminfahrten der Internationalen Kommission für Meeresforschung weiterhin wert
volles Beobachtungsmaterial gesammelt (in die Deutsche Bucht fallen die deutschen Terminstationen Dl und D15;
siehe Zorell (16) auf S. 5). Nach dem ersten Weltkriege wurde von der Deutschen Seewarte (siehe (28) und (30))
der hydrographische Beobachtungsdienst auf den deutschen Nordseefeuerschiffen ab 1920 laufend und von Jahr
zu Jahr in verstärktem Maße wieder durchgeführt. Zu gleicher Zeit wurden von der Deutschen Wissenschaftlichen
Kommission für Meeresforschung und der Staatlichen Biologischen Anstalt auf Helgoland bis zum Beginn des
zweiten Weltkrieges gemeinsame hydrographischbiologische Forschungsfahrten in die Deutsche Bucht unternom
men, deren Beobachtungsergebnisse weitere Einblicke in die verwickelten meeresphysikalischen, -chemischen
und -biologischen Zusammenhänge ergeben haben (31). Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die meereskundliche
Beobachtungstätigkeit auf den deutschen Feuerschiffen und die planmäßige Erforschung der gesamten Nordsee
durch das Deutsche Hydrographische Institut mit den in den letzten Dezennien entwickelten, modernen hydrogra
phischen Meßgeräten fortgesetzt (siehe (44) auf S. 31).
Es war daher lobenswert, das gesamte anfallende hydrographische Beobachtungsmaterial zwischen den beiden
Weltkriegen nach modernen kritischen Gesichtspunkten einer zusammenfassenden Bearbeitung zu unterziehen.
Grundlegende Untersuchungsergebnisse wurden bereits von Zorell (16), v. Schubert (17), Böhnecke und Dietrich
(siehe (11) und (12)), sowie vom Verfasser (siehe (19) bis (27)) veröffentlicht. Da die „Beiträge zur Hydrographie
der Deutschen Bucht“ von Zorell (16) im wesentlichen nur eine Bearbeitung der Oberflächenbeobachtungen aus
dem 10jährigen Zeitraum 1923/1932 darstellen, wird in der vorliegenden Untersuchung ein weiterer, zusammen
fassender Beitrag, dem das Beobachtungsmaterial von 1920 bis 1942 zugrunde liegt, gegeben. Neben der Bearbei
tung der Öberflächenverhältnisse werden insbesondere die hydrographischen Beobachtungen in den Tiefen- und
Bodenwasserschichten der Deutschen Bucht herangezogen. Hierfür lagen bereits vor dem letzten Weltkriege vom
Verfasser entworfene, aber bisher noch nicht veröffentlichte Vertikalschnitte und Bodenwasserkarten für Tempe
ratur und Salzgehalt auf Grund der Beobachtungen der,.POSEIDON-“, „AUGUST A-“ und „MAKRF.LE-“Fahrten
vor. Einzelergebnisse hieraus werden ferner mit gleichzeitigen Unternehmungen meteorologischer, meereschemi
scher und -biologischer Beobachtungen in Zusammenhang gebracht. Weiterhin wird versucht, die neuen hydrogra
phischen Ergebnisse in den Rahmen der Untersuchungen über die in den letzten 20 Jahren dieses Jahrhunderts fest
gestellte Klimaänderung, der sogenannten säkularen Erwärmung der Nordhalbkugel (29) einzuordnen.
III. Das Beobachtungsmaterial:
Im folgenden wird zuerst ein kurzer Abriß über die Begrenzung und die Tiefenverhältnisse des Beobachtungsrau
mes der Deutschen Bucht, in welchem die hydrographischen Beobachtungen gewonnen worden sind, gegeben.
Auf Grund der bisher bekannten Tiefenkarten der Nordsee sowie der bereits gewonnenen hydrographischen
Kenntnisse über die thermohalinen und dynamischen Verhältnisse der Deutschen Bucht hat Zorell versucht, an Hand
der von ihm entworfenen Tiefenlinienkarte durch eine vergleichende morphologische und hydrographische Betrach
tungsweise die Deutsche Bucht als selbständiges Meeresgebiet der südöstlichen Nordsee herauszugliedem (siehe (16)
Fig. 1 auf S. 6; ferner S. 12 bis 15 und Taf. 1). Die Deutsche Bucht wird im Osten und Süden durch das Gebiet der
friesischen Küsten abgegrenzt (siehe Abb. 1). Im Norden folgt die Begrenzung dieses Meeresraumes einer Linie Blaa-
vandshuk-Homs-Rev-Doggerbank (bis zu dem Punkt 55° N und 05° E), im Westen von der Doggerbank bis Terschel-
ling. In der vorliegenden Untersuchung wird das Feuerschiff „TERSCHELLINGERB ANK“ vom Verfasser mit in den
Beobachtungszeitraum einbezogen. Es soll hier gleich betont werden, daß die nördliche und westliche Begrenzung der
Deutschen Bucht, so, wie sie von Zorell angegeben und auch vom Verfasser gebraucht worden ist, rein auf konventio
neller Basis geschieht. Neuerdings hat Dietrich (38) versucht, auf Grund des Jahresganges charakteristischer hydrogra-