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geschlossene Wasserkörper und liegen als isolierte Gebilde innerhalb der Deutschen Bucht oder stehen in locker
Verbindung mit einem weiter im Süden gelegenen großräumigen Warmwasserkörper. Im September 1925 konnte
Zorell (16) derartige Wärmeinseln im Oberflächenwasser nachweisen. Ferner wies er nach, daß die Abkühlung in
dieser Zeit vorwiegend vom Festland beeinflußt wurde, da sie sich vorwiegend an der nordfriesischen Küste am
stärksten in der Fanö-Bucht bemerkbar machte.
In den Herbstmonaten Oktober bis Dezember schreitet die Abkühlung weiter voran und ist am stärksten zwi
schen Oktober und November. Im südlichen und westlichen Teil der offenen Deutschen Bucht dringen zungenför
mige Gebilde wärmeren Wassers in dieses Meeresgebiet ein. Diese stehen mit dem Warm wasserkörper der Hoof-
den und des Englischen Kanals in enger Verbindung. Die thermischen Gegensätze zwischen den beiden friesischen
Küstengebieten bleiben erhalten: die nordfriesische Küstenregion ist stets kälter als die ostfriesische. Zeitweise tre
ten beträchtliche Abweichungen vom „normalen“ Zustand der hydrographischen Verhältnisse während dieser Jah
reszeit auf. So fand Zorell (16) im Oktober 1931 heraus, daß auf Grund der sehr schlechten Wetterverhältnisse
während der Poseidon-Fahrt (WSW, später NW bis NNW mit einer durchschnittlichen Stärke größer als 5 Beauf.)
und der Abflußverhältnisse im Küstengebiet die Wassertemperatur der Oberfläche bei den seewärts gelegenen Feu
erschiffen negative Anomalien, bei den in den Flußmündungen gelegenen Feuerschiffen positive Anomalien auf
wies. Ein anderes Beispiel aus den Monaten November/Dezember 1928 deutet den Elbeeinfluß durch eine Zunge
stark abgekühlten Wassers südlich der Insel Helgoland an, welches sich weit nach Westen vorschiebt. Die bisher
auf den Forschungsfahrten gewonnenen hydrographischenDaten lassen deutlich erkennen, daß eine Vielzahl mög
licher Fälle von unter sich abweichenden Bildern der Temperaturverhältnisse der Deutschen Bucht Vorkommen
kann. Sie haben weiter gezeigt, daß die Monatskarten selbst nur einen ersten Überblick der mittleren Temperatur
verhältnisse innerhalb der Deutschen Bucht wiedergeben.
b) im Bodenwasser.
Auf Grund des weit geringeren Beobachtungsmaterials der Bodenwassertemperatur ist es bis jetzt noch nicht
möglich, für die Deutsche Bucht Monatskarten der Temperatur des Bodenwassers zu entwerfen. Um die Verhält
nisse in dieser Wasserschicht kennen zu lernen, ist man vorläufig noch auf die hydrographischen Momentanbilder,
welche auf den Forschungsfahrten der Poseidon und der Makrele gewonnen worden sind, angewiesen. Im folgen
den werden einige Beispiele aus den verschiedenen Jahreszeiten und verschiedener Jahre gegeben. Da die zeitlichen
und örtlichen Temperaturschwankungen im Bodenwasser nicht dieselben Ausmaße wie im Oberflächenwasser er
reichen, ist es etwas leichter, für diese Wasserschicht Karten der regionalen Temperaturverteilung zu zeichnen. Es
soll aber hierbei nicht unterdrückt werden, daß auch die folgenden Karten von einer streng synoptischen Übersicht
noch weit entfernt sind. Ihr Wert ist also rein qualitativ zu bezeichnen (Abb. 24 bis 33) (Abb. 24,32)*
- 11, bis 21. Februar 1936 ('Poseidon'): Zur Zeit des Minimums im Temperaturjahresgang des Oberflächenwassers
besteht in der untersten Wasserschicht noch ein erhebliches Temperaturgefälle von West nach Ost, insbesonde
re im südlichen Teil der Deutschen Bucht. Im westlichen Teil dringt zungenförmig das relativ wärmere Hoof-
den-Wasser in die Deutsche Bucht ein. Temperaturgegensätze sind weiterhin zwischen der nord- und
ostfriesischen Küste vorhanden.
- März 1935 fPoseidonl und 1937 fMakrele): Auf beiden Darstellungen kommen die thermischen Gegensätze
zwischen den beiden friesischen Küsten zur Geltung. Starke Einwirbelung der verschieden temperierten Was
serkörper in der von SE nach NW gerichteten Konvergenzzone ist vorhanden. Während der Dekade 4. bis
13.3.35 herrschten vorwiegend Ost- bis SSE-Winde (über 50 % aller beobachteten Winde) mit Stärke 4/5 vor.
Im März 1937 östliche Winde (63 % Häufigkeit in der Dekade 1 ./10.3.) mit durchschnittlicher Stärke 3 Beauf.,
später südliche Winde (51 % in der Dekade 11./20.3.) von mittlerer Stärke 1 bis 2.
- 30. April bis 3. Mai 1936 und April/Mai 1932 (Poseidon): Während des Beginns der Frühjahrserwärmung
(April/Mai) kommt deutlich der thermische Gegensatz zwischen der ostfriesischen und nordfriesischen Küsten
region zum Ausdruck (1932). Ferner ist wie im Oberflächenwasser eine Kaltwasserinsel in dieser Jahreszeit
vorhanden. Dieser Kaltwasserkörper wird durch die zunehmende Erwärmung in den Küstenwasserregionen und
die langsamere im nordwestlichen Teil der Deutschen Bucht von allen Seiten angegriffen und eingeengt.
- Mai 1938 (Makrele): Die Erwärmung ist so weit vorgeschritten, daß der Kaltwasserkörper nunmehr die tieferen
Lagen einnimmt. Somit bildet sich im großen und ganzen eine zu den friesischen Küsten parallele Anordnung
der Isothermen im Bodenwasser heraus. Die starke Erwärmung der Küstenregion gegenüber dem offenen Mee
resgebiet ist weiterhin ein hervorstechendes Merkmal im Mai.