64
b) ein Beispiel der Frühjahrs Schichtung (Mai 1933) in der Deutschen Bucht.
Da durch die Berechnung der mittleren Temperaturverhältnisse bei den Feuerschiffen der Deutschen Bucht
und den die Insel Helgoland umgebenden Terminstationen der Jahresgang der thermischen Schichtung in diesen
Gewässern wohl festgestellt werden konnte, so ist man aber nicht in der Lage, sich ein genaues Bild über die Größe
und die regionale Ausdehnung der Temperaturschichtung im gesamten Meeresgebiet der Deutschen Bucht zu ma
chen. Die Feuerschiffsstationen und auch die Helgoländer Terminstationen befinden sich mehr oder weniger in ei
nem Randgebiet der inneren Deutschen Bucht. Wie sich bereits herausgestellt hat, können ihre Temperaturbeob
achtungen die thermische Schichtung nur andeuten. Da die Schichtung im allgemeinen nicht jahreszeitlich bedingt
zu sein braucht, bei Betrachtung der mittleren Verhältnisse wohl aber besonders in den Frühjahrsmonaten auftritt,
ist es von erheblichem Interesse, einmal die Temperaturschichtung über den ganzen Raum der Deutschen Bucht
zu verfolgen. Das ist aber nur möglich auf Grund eines hydrographischen Momentanbildes. Zu diesem Zweck wur
den die Temperaturbeobachtungen der Poseidon-Fahrt im Mai 1933 ((27) s. S. 347/48) benutzt. Die Fahrt zeichnet
sich dadurch aus, daß ein relativ dichtes Netz von hydrographischen Tiefenserien angelegt wurde (eine Forderung,
welche gerade Zorell (16) auf seinen Poseidon-Fahrten 1930/32 mehrmals verwirklicht hat). In der Abb. 20 ist die
thermische Schichtung auf Grund der Temperaturdifferenzen Oberfläche minus Boden im Mai 1933 dargestellt.
Auf den ersten Blick erkennt man sofort, daß, um das Problem der Schichtung zu verfolgen, die Feuerschiffssta
tionen entlang der friesischen Küste hierfür ungeeignet sind. Die Feuerschiffe und, je nach der Wetterlage, auch
zum Teil die Helgoländer Terminstationen in dem Übergangsgebiet zwischen der Küstenwasserregion und dem
eigentlichen Konvergenzgebiet der Deutschen Bucht liegen. Das letztere stellt sich uns dar als eine Zone mit er
heblich höheren Temperaturunterschieden zwischen Oberfläche und Boden als wir es bisher von den hydrographi
schen Verhältnissen bei den Feuerschiffen gewohnt sind. Durch das Übereinanderschieben der beiden verschieden
temperierten Wasserkörper innerhalb der Konvergenzzone treten insbesondere südlich Helgoland zu dieser Jahres
zeit Temperaturdifferenzen von über 5 °C auf. Die Konvergenz der Deutschen Bucht stellt sich uns als eine von
Südost nach Nordwest gerichtete Zone mit Temperaturdifferenzen von mehr als 2 °C dar. Die maximalen Tempe
raturunterschiede (zwischen den Grenzwerten 3° und 5 °C) sind in dem Raum zu finden, wo die beiden Wasser
körper durch starke Einwirbelung aufeinander treffen. In den inneren Randgebieten der Deutschen Bucht, der Kü
stenwasserzone, herrscht fast Homothermie, also fast vollkommene thermische Durchmischung. Die geringen
Temperaturunterschiede - das Oberflächenwasser ist etwa 0 bis 0,5° wärmer als das Bodenwasser - sind wohl al
lein auf die Wirkung der zunehmenden Sonneneinstrahlung zurückzuführen. Blicken wir noch einmal auf die ther
mischen Verhältnisse bei den Feuerschiffen zurück, so wird sofort verständlich, warum die thermische Schichtung
in dem Übergangsgebiet zum Küstenwasser, in welchem doch die festen hydrographischen Stationen liegen, im
großen und ganzen jahreszeitlich unabhängig ist.
Schichtung tritt bei den Feuerschiffen und rund um Helgoland stets dann (im Frühjahr oder in den Sommer
monaten insbesondere) auf oder nicht, je nachdem wie sich die Konvergenzzone nach den Wetterverhältnissen und
den inneren Kräften auf Grund des Dichtegefälles zu der Lage der festen Beobachtungsstationen bewegt. Im vor
liegenden Falle wurde die Feuerschiffszone von dem Konvergenzgebiet gerade noch berührt, wie die Temperatur
monatsmittel vom Mai 1933 aussagen:
Feuerschiff
Oberfläche [°C]
Boden [°C]
0 minus B [°C]
Borkumriff
9.9
9.6
+0.3
Elbe 1
10.3
8.9
1.4
Vyl
10.1
7.6
2.5
Homs-Rev
9.4
7.4
2.0
Betrachtet man die Anordnung der Linien gleicher Temperaturdifferenzen in Abb. 20*, so wird einem die ne
benstehende tabellarische Übersicht der Mittelwerte verständlich.
Am aufschlußreichsten ist in dem folgenden Beispiel der Vergleich hydrographischer Oberflächen- und Bo
denwerte aus dem Gebiet der Helgoländer Tiefen Rinne (südlich der Insel Helgoland):