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d) bei den Helgoländer Beobachtungsstationen.
In ausführlicher Weise wurde bereits früher in zwei Abhandlungen vom Verfasser über die hydrographischen
Vorstationen (einschließlich Helgoland-Reede) berichtet (siehe (23) und (24)). Die geographische Lage und die zu
gehörige Wassertiefe der Helgoländer Stationen ist auf einem Deckblatt zu einer vom Verfasser entworfenen Tie
fenkarte zu entnehmen ((23) Abb.2 auf Taf. 17). Von Helgoland-Reede sind nur Oberflächenbeobachtungen vor
handen, während bei den sogenannten Terminstationen halbmonatlich hydrographische Tiefenserien ausgeführt
wurden. Die zusammenfassende Übersicht der Temperaturverhältnisse bei allen Stationen stützt sich auf Beobach
tungen der Jahre 1927/36. In den Tabellen 30 und 31 sind Temperatur-Monats- und -Jahresmittel der Oberfläche
und der Tiefe von 5 Stationen aufgeführt: Helgoland-Reede, Hog Stean (Stat.I) Stat. Ha (westl. der Insel), Selle-
brunn (Stat. III) und Dune 0 2 (Stat. IV).
Der Jahresgang der Oberflächenwassertemperatur zeigt bei allen Stationen, daß das Jahresminimum im Febru
ar und das zugehörige Maximum im August auftritt. Diese Ergebnisse stimmen also mit denen der langjährigen
Feuerschiffsbeobachtungen überein. Bei Helgoland-Reede wurde die höchste Mitteltemperatur in dem 10jährigen
Beobachtungszeitraum 1927/36 im August 1932 mit 18.1 °C, die niedrigste mit -0.1 °C im Februar 1929 nachdem
voraufgegangenen sehr kalten Winter 1928/29 erreicht. Die mittleren Jahresschwankungen bei allen 5 Stationen
sind in der folgenden tabellarischen Übersicht zusammengefaßt:
Helgoland-Reede
13.6 °C
Hog Stean
13.8 °C
Ila
13.8 °C
Sellebrunn
13.8 °C
Düne 02
14.0 °C
Große Unterschiede zwischen diesen einzelnen Schwankungen sind nicht zu erwarten. Das Meeresgebiet öst
lich der Helgoländer Düne weist ungefähr dieselbe Größenordnung wie bei F.Sch. Vyl (14.1 °C) auf. Sonst liegen
fast alle Werte bedeutend niedriger als diejenigen der ostfriesischen und nordfriesischen Feuerschiffsstationen:
Helgoland-Reede übertrifft nur Terschellingerbank (um 1.1 °C) Borkumriff (um 0.1 5 C) und Homs Rev (um
0.3 °C). Auffällig ist, daß die Reede-Station im jährlichen Temperaturverlauf im Mittel stets geringere Schwan
kungen aufweist als die Randstationen der offenen See. Ferner ist das Oberflächenwasser zwischen der Insel und
Düne von Helgoland im Hochsommer kälter als in der offenen See, was auch schon Reichard festgestellt hat (siehe
(15) auf S.27). Dagegen ist es im Hochwinter umgekehrt.
Für das Tiefen- und Bodenwasser der Helgoland umgebenden Stationen gelten folgende Verhältnisse: Die Ein
trittszeit des Jahresminimum und -maximum verschiebt sich mit zunehmender Tiefe - wenn wir die Stationen ins
gesamt betrachten - um einen Monat. Es tritt eine Verspätung ein und zwar am auffälligsten beim Jahresminimum.
Während von 0 bis 10 m Wassertiefe die niedrigste Monatsmitteltemperatur bereits im Februar erreicht wird, tritt
ab 15 m bis zu der größten Tiefe hin (44 m bei der westlichen Stat. Ha) schon eine Verzögerung ein, so daß das
Minimum erst im März erscheint. Der entgegengesetzte Kulminationspunkt im Jahresgang wird in der ganzen Tie
fe von 0 bis 32 m (Düne 02, östlich Helgoland) im Augst erreicht. Erst in der am größten beobachteten Tiefe (44
m) westlich der Insel tritt das Jahresmaximum im September ein. Die Erwärmung der ganzen Wassersäule rund
um den Helgoland-Sockel geht anscheinend schneller vor sich als der entgegengesetzte Prozeß der Abkühlung im
Hochwinter. Das Phänomen der Schichtung scheint hier bei den mittleren Verhältnissen eine untergeordnete Rolle
zu spielen. Die Verschiebung der Eintrittszeiten der Jahresextreme mit wachsender Tiefe und die geringe Zu- bzw.
Abnahme der mittleren Extremtemperaturen in Abhängigkeit von der Tiefe soll die folgende tabellarische Zusam
menfassung veranschaulichen:
Tiefe
Jahresminimum [°C]
Jahresmaximum [°C]
00 m
3.28 Februar
17.08 August
10
3.40 Februar
17.00 August
15
3.60 März
16.80 August
20
3.60 März
16.70 August
22
3.60 März (Februar)
16.80 August
24
3.70 März
16.80 August
32
3.60 März
16.80 August
44
3.70 März
16.70 September