30
b) bei Feuerschiff „Elbe 4"; ein Beispiel des Temperaturjahresganges auf Grund von Temperatur-Pentaden-
mittelwerten.
Frühere und auch die vorliegenden Ergebnisse der Untersuchung der Temperaturbeobachtungen der inneren
Deutschen Bucht, insbesondere im Oberflächenwasser bei den in den Flußmündungen der Elbe und Weser liegen
den Feuerschiffen zeigen, daß die örtlichen und vor allem die zeitlichen Unterschiede der Temperaturen des
Oberflächenwassers in erster Linie auf die periodisch wechselnden Einflüsse des Gezeitenstromes und auf die un
periodischen Einflüsse advektiver Wasserkörperbewegungen zurückzuführen sind. Stellt man den Temperatur
jahresgang des Oberflächenwassers z. B. Elbe 4 auf Grund langjähriger Monatsmittel dar, so bekommt man im
Mittel einen verhältnismäßig ausgeglichenen Gang, der einer Sinusschwingung von bestimmter Form gleich
kommt. Anders schon wird das Aussehen der Kurve des Temperaturjahresganges, wenn man diesen auf Grund von
Dekaden-, Pentadcnmitteln oder täglichen Mittelwerten berechnet. Im vorliegenden Fall wurden alle Temperatur
beobachtungen von Elbe für die Periode 1923/42 (20jährige Reihe) zu Pentadenmitteln und zugleich getrennt für
Hoch- und Niedrigwasser zusammengefaßt. Die 73 Pentaden des Jahres umfassen rund 4000 Einzelbeobachtun
gen, so daß auf jede Pentade getrennt für H.W. und N.W. 27 Beobachtungen fallen.^ Diese Pentadenmittel der
Temperatur (und zugleich des Salzgehaltes) mit den beobachteten Extremen während der betreffenden Pentade
sind in Tabelle 28* zusammengestellt und in Abb. 6* graphisch dargestellt. Die Kurven der beobachteten Tempe
raturextreme schließen den Raum ein, in welchem die Einzelwerte streuen und von dem mittleren Jahresgang ab
solut abweichen können. Der mittlere Jahresgang zeigt gegenüber dem sinusförmigen Gang auf Grund der Monats
mittel einen unruhigen Verlauf, besonders zur Zeit des Jahresmaximums und -minimums. Sehr deutlich kommt
zum Ausdruck, daß das Wasser zur Niedrigwasserzeit - die Stromkenterungszeiten werden hier den extremen
Wasserständen gleichgesetzt - im Winter kälter, im Sommer wärmer ist. Während der Ebbe - also während der
Zeit des verstärkten Abfließens der Elboberwassermassen in die Deutsche Bucht - werden aus dem Mündungsge
biet im Winter bedeutende Kältemengen, im Sommer bedeutende Wärmemengen abgefiihrt. Während der Früh
jahrserwärmung und der herbstlichen Abkühlung der Festlandsmassen bestehen gleichfalls bedeutende Wärmege
gensätze im Oberflächenwasser der Elbmündung. Diese thermischen Gegensätze sind nicht beständiger Natur. Im
Winter wie im Sommer, aber vor allem im Frühling und Herbst, gibt es im Jahresgang der beiden Temperaturkur
ven kurze Zeitabschnitte, während der die thermischen Gegensätze bei H.W. und N.W. fast völlig verschwinden,
d.h. es hat nahezu vollkommene Vermischung der beiden Wasserarten stattgefunden.
Dieser Vermischungsprozeß wird sofort unterbrochen, sobald wieder stärkere Abkühlung oder Erwärmung
eintritt. Sehr genau können aus diesen Kurven die Eintrittszeiten des Jahresminimums und des Jahresmaximums
abgelesen werden. Das primäre Temperaturminimum (Pentadenmittel für H.W. und N.W. von 1.5 °C) tritt zwi
schen 21. bis 25. Januar (23.1.) ein, das sekundäre Minimum am 12. Februar (zwischen 10. und 14.11.). Sehr nied
rige negative Wassertemperaturen können aber schon am 29.XII., 18.1., 2.II. und 27.11. (Mittelwerte der Pentaden-
längen) beobachtet werden. Negative Wassertemperaturen können frühestens am 9.XII. auftreten, spätestens am
24.III. beobachtet werden. Der erste Einsatz der Frühjahreserwärmung beginnt am 14. März. Ab 23. April ist das
abfließende Wasser, von den oben erwähnten Unterbrechungszeiten der Vermischung abgesehen, immer wärmer
als das einströmende. Dieser Zustand bleibt bis zum 26. August erhalten. Nach diesem Datum kehren sich die ther
mischen Verhältnisse um. Ebenfalls im Sommer gibt es ein primäres und sekundäres Maximum. Das erste Maxi
mum tritt am 17. Juli und am 11. August das zweite ein. Absolut höchste Wassertemperaturen können frühestens
am 12. Juli, spätestens nochmals am 11. August und spätestens am 26. August auftreten. Auffallend hohe maximale
Wassertemperaturen können im Winter am 12. und 22. Februar auftreten, entsprechend minimale Wassertempera
turen im Sommer am 7. Juni und am 6. August, im Herbst besonders am 10. September und 14. November. Diese
f* Eine weitere oder andere Ein- oder Unterteilung der Einzelwerte war nicht möglich. Diese Grenze war durch das Beob
achtungsschema auf den deutschen Nordseefeuerschiffen bedingt: Beobachtet wurde an bestimmten Tagen zur Zeit der
Spring-, Mittel- und Nipplide auf allen Feuerschiffen gleichsinnig. Ferner wurden an den betreffenden Tagen beim Kentern
des Flut- zum Ebbstrom und dem darauffolgenden Kentern des Ebb- zum Flutstrom die Temperatur gemessen. Um den Ein
fluß der Gezeiten auf den Jahresgang zu untersuchen, wäre es von vornherein zweckmäßiger gewesen, wenn man wie zu
anfangs in den Jahren 1920 bis 1922 (zeitweise bis 1925) zu einer bestimmten Uhrzeit (z. B. 08 h wie auf den dänischen Feu
erschiffen) beobachtet hätte, so könnte man die Temperatur-Einzelwerte einer bestimmten H.W. - oder N.W. Zeit oder auch
den einzelnen Mondaltem zuordnen.