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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

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Nordenskjöld’sche Expedition nach Grönland 1883, 
Tiefe in Meter 0 100 500 1000 2025 
Temperatur °C +86 +72 +56 +44 +12 
Salzgehalt in Proc. 3,5225 3,5260 3,5225 3,5215 3,5100 
9. Trotzdem die Temperatur des Polarstromes mit der Tiefe zunimmt, 
und der Salzgehalt des Irminger Stromes mit der Tiefe abnimmt, ist doch die 
Salzgehaltzunahme in dem einen Falle und die Abnahme der Temperatur in dem 
anderen genügend, um in beiden Strömen ein specifisches Gewicht zu schaffen, 
welches mit der Tiefe allmählich wächst (bei der herrschenden Temperatur). 
Folgende Tabellen zeigen dies: 
N-Br W-Lg 
69° 43‘ 43° 16’ 
Polarstrom, 
Tiefe in Meter 0 100 200 
Temperatur °C +01 0,0 +3 
Salzgehalt in Proc. 3,223 3,345 3,414 
Spec. Gew. Ss 1,02585 1,02683 1,02715 
N-Br W-Lg 
55° 17‘ 30° 30 
Irminger Strom, 
Tiefe in Meter 0 100 500 1000 2025 
Temperatur °C +86 +72 +56 +44 +12 
Salzgehalt in Proc, 3,5225 3,5260 3,5225 3,5215 3,5100 
Spec. Gew. 3 1,02734 1,02756 121,02774 1,02786 1,02805 
10. Das specifische Gewicht bei der herrschenden Temperatur ist bei 
derselben Tiefe im Polarstrom geringer als aufserhalb desselben. Der kalte 
Ost-Grönland-Strom fließt deshalb über einem kompakten Strom warmen Wassers 
aus dem Atlantischen Ocean.!) ; 
infolge des bedeutend geringeren specifischen Gewichts des kalten Stromes 
trägt und hebt der warme und schwerere Strom das polare Wasser. Die Hebung 
kann in dem südlichen Theil während des Herbstes (nach Beobachtungen in 
59° 43‘ N-Br und 43° 16‘ W-Lg) auf 0,15m angenommen werden. Da aber 
das Wasser des Polarstromes in seinem nördlichen Theil weniger salzhaltig zu 
sein scheint, als in dem südlichen, so mufs der erstere noch höher liegen, und 
der kalte Strom fließt in einer nach Süden geneigten Ebene, bleibt dabei aber 
natürlich kleinen Abweichungen und den Einflüssen des Festlandes ausgesetzt. 
Je geringer der Salzgehalt, desto gröfser mufs die Neigung und mithin auch die 
Geschwindigkeit des Stromes sein, die Veränderungen der letzteren müssen 
demnach auch den Veränderungen des Salzgehaltes entsprechen (somit auch 
nach 6. mit den Jahreszeiten wechseln). 
il. Die Eismassen, welche der polare Strom mit sich führt, scheinen 
zu keiner Jahreszeit die Küste ganz frei zu lassen, aber sehr wahrscheinlich ist 
ihre Ausdehnung gewissen, mehr oder weniger regelmäfsigen, von den Jahres- 
zeiten abhängigen Veränderungen unterworfen, Zur Klärung der Frage möge 
Folgendes dienen: 
a) Nach verschiedenen Berichten vermindern sich die Eismassen an der 
Ostküste während des Frühjahrs und Sommers. Dies geht besonders hervor 
aus einer von Dorst veröffentlichten Karte,*) welche das Zurückweichen des 
Eisgürtels während der Periode von März bis August auf den ersten Blick zeigt. 
b) Die auf der Nordenskjöld’schen Expedition nach Grönland ge- 
machten Beobachtungen ergeben, dafs die Eismenge in dem Polarstrom (zwischen 
60° und 66° N-Br) Mitte Juni viel gröfser ist als Aufangs September. 
ce) Th. Thoroddsen’s detaillirte Auseinandersetzung über die Eis- 
verhältnisse um /Zsland legen klar, dafs das Treibeis hier oft schon im Januar 
erscheint und bis zum Herbst bleibt. Während des September, Oktober, No- 
vember und Dezember ist jedoch sehr wenig Eis vorhanden. 
‘) Siehe oben I. 
7) „Pet, Mitth.“ 1877, S. 174, Tab. 10.
	        
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