173
Elb« 4
Abb 106: Summenkurven der jährlichen Temperaturanomalien im Oberflächenwasser der Deutschen Bucht
(bei einzelnen Feuerschiffen) und im Nordost-Atlantischen Ozean (südöstlich Irland, Region H)
für die Periode 1920/1942
nicht näher eingegangen werden, da anzunehmen ist, daß die von Karsten aus aräometrischen Bestimmungen be
rechneten Salzgehaltswerte von vornherein zu hoch sind. Von 1893 bis 1936 ist bei Helgoland eine geringe Salz
gehaltszunahme festzustellen. Betrachten wir aber die Änderungen bei den einzelnen Monatsmitteln der Feuer
schiffsbeobachtungen, so ist in den Frühjahrsmonaten eine mehr oder weniger starke Salzgehaltserniedrigung und
in den übrigen Monaten eine um so größere Salzgehaltserhöhung zu verzeichnen. Ferner ist die mittlere Jahres
schwankung des Oberflächensalzgehaltes bei Borkumriff sowie vor allem in der Elbmündung größer und bei allen
übrigen Stationen der Deutschen Bucht kleiner geworden.
Diese Tatsachen stehen mit den auf meteorologischer Seite gewonnenen Ergebnissen nicht im Widerspruch.
Nach Lysgaard ((79) und (80)) haben sich die Druck- und Niederschlagsverhältnisse auf der Erde wie folgt geän
dert: Auf der Nord- und Südhemisphäre ist im Sommer über Wasser Druckanstieg, über Land Druckfall zu ver
zeichnen; dagegen macht sich im Winter auf beiden Hemisphären über Land zunehmender Druckanstieg und über
Wasser in entgegengesetzt gleichem Sinne Druckfall bemerkbar. Kurz gesagt, die atmosphärische Zirkulation auf
der Erdkugel ist intensiver und der Gegensatz der basischen Verhältnisse über Kontinent und Ozean aller Wahr
scheinlichkeit nach größer geworden. Diese Tatsachen bestätigen in wunderbarer Weise die grundlegenden For
schungen in dieser Richtung von Scherbag ((91) bis (94)). Hinsichtlich der Änderungen der Niederschlagsverhält
nisse auf der Erde hat Lysgaard folgende Feststellunen gemacht: Die positiven und negativen Änderungen in den
Regenkarten sind im allgemeinen weniger systematisch. Speziell für Europa ist im Januar eine positive Abwei
chung, im Juli dagegen eine negative Abweichung berechnet worden. Die Jahreskarte der Niederschlagsverteilung
zeigt im besonderen eine positive Anomalie über der Arktis und den nördlichen Teilen der gemäßigten Breiten.
Diese Untersuchungsergebnisse der basischen und pluvialen Verhältnisse während der Zeit der nachgewiesenen
säkularen Erwärmung, insbesondere auf der Nordhalbkugel, können als Erklärung der mit der Erwärmung verbun
denen anomalen hydrographischen Erscheinungen herangezogen werden. Durch die Zunahme der Intensität der at
mosphärischen Zirkulation ist zu bestimmten Zeiten des Jahres ein verstärkter Einstrom ozeanischen Wassers in
die Nordsee und von hier in die Deutsche Bucht vorherrschend geworden, so daß im Jahresmittel eine Salzgehalts
erhöhung festzustellen ist. Mit der Zunahme einer intensiveren atmosphärischen Zirkulation ist zu bestimmten Jah
reszeiten eine Erhöhung der Niederschlagsmenge (Wintermonate) gekoppelt, zu anderen Jahreszeiten ist eine Ab
nahme zu verzeichnen. Eine Erhöhung oder Abnahme der Niederschlagsmenge hat entweder verstärkten oder
verminderten Abfluß der Süßwassermassen im Küstengebiet der Nordsee, im besonderen aus den Flußmündungs
trichtern der Elbe und Weser, in die Deutsche Bucht zur Folge. Vermehrter Süßwasserabfluß ruft im Küstenwas
sergebiet eine bedeutende Salzgehaltserniedrigung im Meerwasser der südöstlichen Nordsee hervor. Verminderter