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Ausdehnung des Küstenwassers und Einfluß wechselnder meteorologischer Faktoren auf die Wasseroberfläche so
wie Wasserstandsschwankungen im Küstengebiet, Gezeiten- und Restströme) macht sich in den Änderungen der
Salzgehaltsverteilung dadurch geltend, daß eine Lageverschiebung der Konvergenzzone, zu den friesischen Kü
sten hin oder weg, stattfindet und das Zusammentreffen der beiden Wasserkörper sich durch mehr oder weniger
starke Einwirbelung in der Frontalzone (Ausbiegungen und Auslappungen der Isohaiinen) äußert.
In den Wintermonaten Januar bis März sind derartige Verbiegungen der Isohaiinen im Oberflächenwasser der
Deutschen Bucht charakteristisch. Wechselhafte Windverhältnisse und anomaler Abfluß aus Elbe und Weser be
günstigen derartige starke Verwirbelungen. Es kommt dabei vor, daß abgeschnürte Inseln salzarmeren Wassers
entstehen ((16) Januar/Februar 1920). Auffallend in der Salzgehaltsverteilung sind besonders die Veränderungen
südwestlich und südlich der Insel Helgoland in einem Gebiet mit starken Salzgehaltsgradienten auf kleinem Raum.
Im großen und ganzen gesehen, ist aus der Anordnung der Isohaiinen in den Monatskarten zu entnehmen, daß das
schwachsalzige Wasser der Küstenregion sich vorwiegend an der nordfriesischen Seite nach Norden ausbreitet (s.
auch (20) Fig. 38, Taf. 7). Im März kann sich der Einfluß des Küstenwassers schon derart stark bemerkbar machen,
daß sich die zunehmende Salzgehaltserniedrigung durch sehr ausgeprägte Salzgehaltsgradienten im nordfriesi
schen Raum widerspiegelt (s. Abb. 53)*. Im März 1926 ((16) Fig. 53 auf Taf. 18) war eine außergewöhnlich starke
Ausbreitung des Küstenwassers vorhanden. Begünstigt durch vorherrschende Ostwinde über der Deutschen Bucht
dehnte sich das Küstenwasser (weniger als 31.0 %c) in vier Zungen nach Westen und Norden und in verstärktem
Maße nach Nordwesten (nördlich von Helgoland) aus.
In den Frühjahrsmonaten (April bis Juni) hat der Einfluß der abströmenden Wassermassen aus Elbe und Weser
auf die Salzgehaltsverteilung seinen Höhepunkt erreicht. Neuere Übersichtskarten, wie die in den Abb. 54 und 55
bestätigen dies sehr eindrucksvoll. Zorell hat in zwei analytischen Untersuchungen insbesondere die Salzgehalts
verhältnisse in der Übergangszeit April/Mai (1931 u. 1932 (16) die Fig. 70, 71 u. 74) bearbeitet. Dabei hat sich
herausgestellt, daß es Abschnitte in dieser Jahreszeit mit „normalen“ Abflußverhältnissen gibt, welche in der Kü
stenwasserregion, durch sehr starke Salzgehaltserniedrigung angezeigt, eine außergewöhnliche Aussüßung der
Deutschen Bucht vortäuschen. Zorell nimmt daher an, „daß die zufließenden Süßwassermengen bzw. das in den
Flußmündungen entstehende salzarme Mischwasser sich in verhältnismäßig engen Streifen längs der Küste ver
teilte“. Die Durchmischung mit dem salzreicheren Nordseewasser weiter seewärts war anscheinend sehr gering.
Zorell kommt daher zu dem wichtigen Schluß, daß aus der Höhe des Salzgehaltes bei den Feuerschiffen, welche
alle mehr oder weniger dem Küstenbereich angehören, nicht auf den Salzgehaltscharakter der ganzen Deutschen
Bucht geschlossen werden kann.
Abb. 54: Salzgehaltsverteilung [S%e] an der Oberfläche während der „Poseidon“-Fahrt im April/Mai 1932
(17.-25.4. 1932)