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Beschickungsverfahren
tung zu bestimmen ist. Zu diesem Zweck werden
in der Vermessungszone Stützpegel eingerichtet,
bei denen der Betrag der Beschickung zu jeder
Zeit ermittelt und abgelesen werden kann. Bei
einer Echolotung in der Nähe eines Pegels (wie
z.B. in Häfen, Flüssen oder in beschränkten Ge
bieten) kann der Beschickungswert am Pegel un
mittelbar angewandt werden, da vorausgesetzt
wird, dass die Korrektur am Lotungsort gleich ist.
Bei den meisten Seevermessungen, die weit ent
fernt von Pegeln stattfinden, ist die obige Voraus
setzung nicht erfüllt. Der Hauptgrund dafür ist der
Verlauf der Gezeiten, der eine Verschiebung der
Tidekurve und der gleichzeitig unterschiedliche
Wasserstände am Lotungsort und am Pegel ver
ursacht. Hier entsteht die Beschickungskorrektur
aus Interpolation der an den Stützpegeln ermittel
ten Gezeitengrundwerte und Wasserstände. Dies
erfolgt üblicherweise mit Hilfe von angepassten
Karten (wie z. B. Gezeiten- oder sogenannte
Wasserstandserrechnungskarten) oder von ab
geleiteten Methoden, die nur eine Abschätzung
der Korrektur liefern können. Wie im folgenden
erklärt wird, ergeben sich daraus signifikante Feh
leranteile.
Bei den konventionellen Beschickungsver
fahren wird u. a. vorausgesetzt, dass die Tidekur
ven am Lotungsort und am Stützpegel ähnlich
sind, d.h. dass das Verhalten der Gezeiten im
Vermessungsgebiet nicht gestört ist. Aufgrund
verschiedener Einflussfaktoren in der Deutschen
Bucht und in den Wattgebieten (Windstau, Flach
wassertopographie, lokale hydrodynamisch-mor
phologische Effekte) werden oft die Tidekurven
verformt, die die Berechnung der Beschickung
verfälschen. Andererseits hängen indirekte Ver
fahren je nach der Konfiguration der Bodentopo
graphie unmittelbar von der Dichte und Stel
lenauswahl der Stützpegel ab, die das Ergebnis
der Interpolation stark beeinflussen. Zur optima
len Modellierung der Wasseroberfläche wird eine
geeignete Verteilung und ausreichende Anzahl
von Pegeln benötigt, was Im Vermessungsgebiet
nicht immer praktikabel ist und oft aufwendige
Maßnahmen erfordert.
Eine satellitengestützte Beschickungsmethode
Diese Methode ermöglicht eine direkte Mes
sung der Beschickung im gesamten Vermessungs
gebiet und ergibt folglich eine höhere Genauigkeit
bei der Tiefenbestimmung. Sie beruht auf den
derzeitigen Entwicklungen der Satellitengeodäsie
unter Verwendung hochpräziser satellitengestützter
Höhenbestimmungsverfahren, die im kinematischen
Modus auf Gewässern eine Subdezimetergenauig
keit erreichen.
Die Methode nutzt das NAVSTAR Global
Positioning System (GPS) als Höhenmesssystem
und ein Referenzellipsoid (z. B. das Referenzellip-
soid des Satellitensystems) als festes Höhenbe
zugsniveau. Die Berücksichtigung eines ellipsoi-
dischen Horizonts als Höhenbezug hydro
graphischer Daten wurde nach gründlicher Unter
suchung vorgeschlagen und ist ein aktuelles
Diskussionsthema der IHO. Diese einfache ma
thematische Fläche besitzt mehrere Vorteile, u. a.
ihre Unveränderlichkeit und absolute Festlegung
gegenüber einem globalen geodätischen Bezugs
system.