Organische Schadstoffe
eine hohe saisonale Abhängigkeit der Konzentra
tionen mit erhöhten Werten im Winter (Heizperi
ode) gegeben.
Sonstige Schadstoffe
In regelmäßigen Abständen wird eine er
weiterte Stoffpalette, die sich an den Schadstoff
listen der Europäischen Union, der Oslo-Paris-
Konvention und der Helsinki-Konvention orien
tiert, untersucht (Target Screening). Beispiele
hierfür sind endokrin wirksame Substanzen wie
alkylierte Phenole (Bisphenol A, Nonylphenol,
Nonylphenolethoxylate), Organozinnverbindungen
(Tributylzinn (TBT) u.a.) oder moderne Pestizide
(Triazine, Phosphorsäureester). Viele dieser Stoffe
kommen in der Deutschen Bucht in ähnlichen
Konzentrationen wie die HCH-Isomere vor, d. h. in
einem Konzentrationsbereich von 0,1 bis 3 ng/l.
Darüber hinaus werden die Untersuchungen
durch eine ungerichtete Suche nach potentiellen
Schadstoffen, deren Vorkommen und Wirkungen
im Meer weitgehend unbekannt sind, abgerundet
(Non-Target-Screening). Hierbei können oft über
1000 Substanzen in einer Probe unterschieden
und zum Teil auch Identifiziert werden, so dass es
schwerfällt, die Ergebnisse hier im einzelnen dar
zustellen. Zu den identifizierten Stoffen gehören
Industriechemikalien (Nitrobenzole, Chloraniline,
Phosphorsäureester, Chlorether u. v. m.), Mo
schusduftstoffe aus Waschmitteln oder Herbizide;
selbst Arzneimittel (z. B. der Lipidsenker Clofibrin
säure) konnten in der Deutschen Bucht in Konzen
trationen von bis zu 2 ng/l nachgewiesen werden.
Über die Wirkung dieser Chemikalien in der
Meeresumwelt ist z.Z. wenig bekannt. Zwar sind
die Konzentrationen meist so niedrig, dass wahr
scheinlich keine akuten Toxizitätsschwellen er
reicht werden (Ausnahme: TBT), doch können
subtoxische und synergetische Effekte nicht aus
geschlossen werden.
Zusammenfassung und Ausblick
Die vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass
nur großräumige und langfristig angelegte Unter
suchungen zu auswertbaren und interpretierba
ren Aussagen führen.
Die Untersuchungen haben gezeigt, dass
gesetzliche Beschränkungsmaßnahmen für den
Einsatz von Chemikalien inzwischen z. T. Wir
kung zeigen und dass Abnahmen in den Konzen
trationen im Meerwasser nachzuweisen sind.
Die Überwachung auf organische Schad
stoffe ist seit einigen Jahren im Umbruch. Neben
den klassischen Schadstoffen müssen vermehrt
neue Stoffe überwacht werden, da ständig neue
Stoffe entwickelt und in die Umwelt eingebracht
werden oder weil neue Erkenntnisse über Wir
kungen von Chemikalien gewonnen werden (z. B.
endokrine Wirkungen von Substanzen). Diese
erweiterten Untersuchungen (Target und Non-
Target-Untersuchungen) haben gezeigt, dass
auch im Meeresbereich eine Vielzahl künstlicher
Stoffe nachweisbar sind und dass deren Vorkom
men und Wirkungen zu beachten sind. Insbeson
dere auf dem Gebiet der polaren Stoffe sind z.Z.
noch große Wissenslücken vorhanden, die auf
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