Organische Schadstoffe
Bei den zeitlich höher aufgelösten Daten ist auch
sehr gut ein jahreszeitlicher Gang mit ansteigen
den Lindan-Konzentrationen im Frühjahr zu beob
achten. Bemerkenswert ist ferner, dass in den
Jahren 1996 bis 1998 in der Deutschen Bucht ein
Maximum auftrat (bzw. 1994 und 1995 ein Mini
mum).
Die gleichen Fluktuationen sind zum großen
Teil in der ganzen Deutschen Bucht festzustellen,
so dass auch die küstenfernere Station T1 oder
die vor der ostfriesischen Küste liegende T36
keine geringeren Variationen aufweisen. Die Kon
zentrationen korrelieren nicht mit dem Salzgehalt
- d. h. die hohen Fluktuationen kommen nicht nur
durch unterschiedliche Süßwasseranteile zu
stande. Weitere Einflussgrößen sind wechselnde
Einträge aus den Quellen Elbe und Weser sowie
der Wasseraustausch zwischen der Deutschen
Bucht und der zentralen Nordsee.
Auch für die größeren Seegebiete sind einige
langfristige Daten vorhanden. Daher können die
Daten des Zeitraums um 1995 mit Daten aus der
Zeit um 1984 verglichen werden. Für das a-HCH
sind in allen Seegebieten deutliche Abnahmen
festzustellen. Die größten Abnahmen mit 89 bis
78% sind im Kanal, in der südlichen Nordsee und
in der westlichen Ostsee zu beobachten - in Ge
bieten mit raschem Wasseraustausch also. Eine
leicht abnehmende Tendenz von 75 bis 64%
Reduktion ist in der nördlichen Ostsee, der nörd
lichen Nordsee, dem NO-Atlantik und dem Mittel
meer zu beobachten. Die geringste Abnahme ist
im Nordmeer zu beobachten. Die Gründe hierfür
dürften in den dort vorherrschenden langsamen
Austausch- und Transportvorgängen liegen und im
langsameren Abbau durch niedrige Temperaturen.
Für das y-HCH sind für den betrachteten
Zeitraum deutlich schwächere Abnahmen als
beim a-HCH festzustellen. Die größte Reduktion
ist in der westlichen Ostsee mit 75% zu beob
achten, während im Kanal, im Nordmeer und im
Mittelmeer keine signifikante Reduktion, sondern
eher eine leichte Zunahme festzustellen ist. Hier
bei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die
Daten aus dem Mittelmeer aufgrund der geringen
Datenmenge eingeschränkt signifikant sind. Bei
den Daten aus dem Nordmeer wurde die räum
liche Struktur bei der Mittelwertbildung nicht
berücksichtigt, so dass auch diese Zunahme nicht
signifikant ist.
Besonders interessant ist die Entwicklung
in der südlichen Nordsee: während im Kanal
zwischen 1984 und 1995 keine Veränderung
stattgefunden hat, und dort immer noch eine
starke Lindan-Quelle vorhanden war, haben die
Konzentrationen in der südlichen Nordsee abge
nommen. Dies lässt sich dadurch erklären, dass
hier die Einträge vom Land und über die Flüsse
Rhein, Ems, Weser und Elbe abgenommen ha
ben.
Zusammenfassend kann also festgestellt
werden, dass für a-HCH immer noch relativ hohe
Werte in der Ostsee und im Nordmeer gefunden
werden, obwohl technisches HCH (die Quelle von
a-HCH) seit 1974 in Europa mit Anwendungsver
boten belegt ist. Beides sind Altlasten, die die
hohe Persistenz des a-HCH verdeutlichen. Aller
dings ist in allen untersuchten Seegebieten - ins
besondere auch in Nord- und Ostsee - in den
letzten 15 Jahren eine deutliche Abnahme der
a-HCH-Konzentrationen festzustellen. Beim -y-HCH
liegt die Situation ganz anders; hier sind höhere
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