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Kapitel 1: Transportgrößen im Ozean
In der Grenzschicht zwischen Wasser und Luft findet sowohl die Übertragung von Energie
in diversen Formen statt, als auch der Austausch von Impuls und Stoff (z.B. von Süßwasser
durch Verdunstung, Kondensation und Niederschlag, sowie durch den kontinentalen Abfluss
oder von Mineralien und Gasen). Bei einigen Prozessen findet eine gleichzeitige Übertragung
statt, beispielsweise von Wärme und Stoff, wie bei der Verdunstung. Im wesentlichen bestim
men drei Prozesse die Wechselwirkung zwischen Ozean und Atmosphäre, die in ihrer Summe
die Erhaltung der Energie und Masse innerhalb dieses Systems gewährleisten.
Der Antrieb der Wechselwirkungen innerhalb des gekoppelten Systems Ozean-Atmosphäre
erfolgt durch ca. 70% der totalen kurzwelligen Sonnenstrahlung. Die vom Ozean absorbier
ten 50% verteilen sich anschließend auf folgende Prozesse: mit annähernd der Hälfte dieses
Betrags (~24%) erwärmt der Ozean die Atmosphäre indirekt durch freiwerdende Verdamp
fungswärme bei der Verdunstung, der Übertragung sogenannter latenter Wärme (1). Gleich
zeitig wird durch die Verdunstung, zusammen mit dem Niederschlag, der Wasserkreislauf
zwischen Ozean und Atmosphäre bestimmt, die globale Süßwasser- bzw. Salzbilanz im Ozean
gebildet.. Die direkte Erwärmung der Atmosphäre (~6%) durch die Übertragung sensibler
(fühlbarer) Wärme (2) wird eher von der Impulsübertragung des Windfeldes kontrolliert als
von der direkten Wärmeleitung. Der restliche Betrag (~20%) wird zur Erwärmung der Ozea
noberfläche verwendet und damit zum Antrieb der internen Dynamik des Ozeans (3), wie
der Advektion, der vertikalen Konvektion und der Vermischung von Wärme. Diese transpor
tierte Wärmemenge wird später in Form langwelliger Strahlung an die Atmosphäre (~14%)
und direkt in den Weltraum (~6%) abgegeben [Peixoto und Oort, 1992]. Die Wärmeabgabe
des Ozeans an die Atmosphäre erhöht die innere und potentielle Energie der Atmosphäre,
welche sie wiederum in Form langwelliger Strahlung in den Weltraum (~64%) abgibt. Damit
schließt sich die globale Energie- bzw. Strahlungsbilanz; der Netto-Wärme- und Süßwasser
umsatz zwischen Ozean und Atmosphäre ist annähernd gleich Null.
Die funktionale Abhängigkeit der solaren Einstrahlung von der geographischen Breite führt
zur bekannten klimatischen Zonierung der Erde, dem Wärmeüberschuss in den Tropen und
dem Wärmemangel in den polaren Regionen. Im globalen Mittel existiert eine maximale
Abgabe latenter Wärme vom Ozean an die Atmosphäre in den Subtropen und eine mini
male Abgabe sensibler Wärme in den Tropen. Der Wärmeverlust des Ozeans in den Tropen
durch die Abgabe sensibler und latenter Wärme an die Atmosphäre reicht nicht aus, um
die Erhöhung der innere Energie aufgrund der einfallenden Strahlung zu balancieren und
sie wird der Zirkulation in den Subtropen und den polaren Gebieten des Weltozeans zu
geführt [Dietrich et «/., 1975]; die regionalen Unterschiede der Wärrnebilanz zwischen Ozean
und Atmosphäre werden also durch horizontale Wärmeströmungen im Ozean ausgeglichen.
Der Ozean besitzt demnach die Aufgabe, den Wärmeumsatz zu lokalisieren. Durch Wärme
strömungen von niederen zu höheren geographischen Breiten soll ein stationärer Zustand
erreicht werden, bei dem die lokale mittlere Temperatur konstant, bleibt [Gurtemicht und
Schott, 1997]. Durch natürlich vorhandene Treibhausgase der Atmosphäre, wie Wasserdampf
und Kohlendioxid, aber auch durch anthropogene Spurenstofle. wie Fluorchlorkohlenwasser
stoffe, wird ein Teil der langwelligen Ausstrahlung absorbiert. Die Atmosphäre erwärmt sich
und emittiert selbst langwellige Strahlung [Gill, 1982]. Durch diesen “Treibhauseffckt” ändert
sich das Strahlungsgleichgewicht bzw. das Klima der Erde, ebenso wie sich die prozentuale
Wärmemenge erhöht, die dem Ozean zur “Umverteilung” zur Verfügung steht.
Die direkte Wärmeübertragung vom Wasser an die Luft ist wesentlich begünstigt gegenüber
dem umgekehrten Prozess, denn die physikalischen Eigenschaften von Wasser und Luft wei