Beschreibung russischer Handelshäfen.
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1. Der Hafen von Mariupol.
Die Stadt Mariupol besitzt einen alten und einen neuen Hafen, Der in
der Stadt befindliche alte Hafen besteht aus einer Anlegestelle am Ufer des
Flusses Kalmius. Die Flußsmündung ist infolge einer vorgelagerten Barre für
Seeschiffe selten zugänglich. An derselben ist die allgemein nur geringe Wasser-
tiefe oft kleiner als 5 Fufßs (1,5 m), Aus dem alten Hafen wird ausschliefslich
Getreide in einem Umfange von etwa 10 Millionen Pud ausgeführt.
Der neue Hafen liegt 3'/» Werst (2 Sm) westlich von der Stadt, Nach
seiner Vollendung im Jahre 1889 ‘hatte derselbe eine Tiefe von 14 Fufs (4,3 m)
bei mittlerem Wasserstande und eine Grundfläche von 223521 Quadratfaden,
welche sich demnächst durch Ablagerungen von Schlamm etwas verkleinerte.
Die Kais sind 400 Faden lang; eine etwa 55 Faden lange geneigte Ebene dient
zum Heraufziehen von Booten und Holz. Eine 9,5 Faden breite gepflasterte Strafse
ist an den Kais angelegt, Die gesammte gepflasterte Fläche des Hafengeländes
umfafst 4550 Quadratfaden. Der Hafen ist durch einen inneren, zur Verminderung
des Wellenschlages angeordneten Wellenbrecher. und einen Damm in zwei Ab-
schnitte getheilt. Der Wasserstand schwankt zwischen 29 Zoll über Null und
31 Zoll unter Null. Gewöhnlich sinkt derselbe nicht tiefer als 1!/a Fufs (0,5 m)
unter Null. Die Schiffahrt dauert gewöhnlich von Mitte März bis Mitte November.
Der neue Hafen ist mit der Stadt durch eine 4,85 Werst lange, theilweise
gepflasterte Chaussee und mit der Eisenbahnstation der Stadt durch ein 3,85 Werst
langes Anschlufsgleis verbunden. Die Gleisanlagen am Hafen sind im Ganzen
9,5 Werst (5,5 Sm) lang. An den Molen, dem Wellenbrecher und den Kais
sind steinerne Treppen und auf den Kais in Zwischenräumen von 10 Faden Stein-
pfosten zum Festlegen der Schiffe angeordnet. Den Kais gegenüber, 50 Faden
von denselben entfernt, befinden sich sieben verankerte Bojen. Zwei Wasser-
druckkrähne dienen zum Verladen von Kohlen unmittelbar aus den Wagen in
das Schiff. Das Entladen eines Wagens kostet durchschnittlich 1 Rubel. Für
die Kohlenverladung ist ein 155 Faden langer Theil der Kais und als Kohlen-
lagerstelle ein entsprechender Theil des Geländes bestimmt. Am Hafeneingange
befinden sich Leuchtthürme 5. Ordnung; die inneren Hafenanlagen sind durch
gewöhnliche weilse und grüne Laternen bezeichnet.
Die Schiffahrt und der Güterverkehr haben sich in dem neuen Hafen seit
seiner Eröffnung im Jahre 1889 sehr rasch entwickelt. Der Güterumsatz betrug
im Jahre 1890 bereits 6700000 Pud, darunter 6253 000 Pud Ausfuhr (Stein-
kohlen und geringe Mengen von Steinsalz, Weizen, Gyps, Koaks und Schienen)
und 150 000 Pud Einfuhr. Von 360 in demselben Jahre eingelaufenen Schiffen
waren 66 Dampfer und 294 Segelschiffe. Die Steinkohlen sind hauptsächlich
nach Odessa und nur in geringen Mengen nach anderen Häfen des Schwarzen
Meeres verfrachtet.
12. Der Hafen von Taganrog.
| Der Hafen von Taganrog liegt im Azof’schen Meere am Vorgebirge Taganij
Rog unter 47° 12' N-Br und 38° 57‘ O-Lg von Greenwich. Auf der Nordseite
des Hafens befindet sich der im Jahre 1890 fertiggestellte Damm mit massiven
Kais von 247 Faden Länge und einer Wassertiefe von 7'/2 Fufs (2,3 m) unter
Null und. ein 224 Faden langer Theil des (in den dreilsiger Jahren hergestellten)
Vorontsöf-Kais mit einer Wassertiefe von 6 bis 7'/a Fufs. Die Köpfe der Spund-
pfähle dieses Bollwerkes liegen 0,21 Faden über Null. Der weitere, 445 Faden
lange Theil des Vorontsöf-Kais bis zur Zollniederlage hat nur eine Wassertiefe von
1 bis 2 Fufs und ist für den Schiffsverkehr unzugänglich. Nach erfolgtem Aus-
bau des Hafens wird eine neue Kailänge von 429 Faden verfügbar sein, ungerechnet
die inneren Seiten des nördlichen und südlichen Dammes. Von dem zum nörd-
lichen Hafen gehörigen Gelände sind 1140 Quadratfaden gepflastert. Die
Eisenbahngleislänge im Hafen beträgt 1 Werst 180 Faden. Der 20 380 Quadrat-
faden umfassende Hafenplatz liegt 0,70 Fufß bis 1,80 Faden über Null. Infolge
der Neubauten werden dazu 27000 Quadratfaden kommen, welche durch aus-
gebaggerte Erde längs des neuen Kais bis auf 1,50 Faden über Null aufgehöht
werden.