Internationales Jahr des Ozeans
Scheidungen im Interesse der Meere getroffen.
Dazu gehört das am 1. Oktober 1998 in Kraft
getretene Seeschiffahrtsanpassungsgesetz, mit
dem für Schiffahrt unter deutscher Flagge wieder
bessere Perspektiven eröffnet werden. Die Um
weltminister der Ostseestaaten haben 1998 in der
für den Schutz der Ostsee zuständigen Helsinki-
Kommission wegweisende Beschlüsse gefaßt,
die insbesondere die Reduzierung von Schad
stoffeinträgen durch die Landwirtschaft und die
Schiffsentsorgung in den Häfen betreffen. Für
den Nordostatlantik haben die Umweltminister
der Anrainerstaaten die Reduzierung der Ablei
tung radioaktiver Stoffe, die Landentsorgung von
stillgelegten Offshore-Anlagen und Vorgaben zur
Reduzierung der Einleitung von Schad- und Nähr
stoffen beschlossen.
Dies alles macht deutlich, daß das Interna
tionale Jahr des Ozeans auch in Deutschland zur
Werbung für die Meere genutzt worden ist. Viel
fach ist in diesem Jahr darauf hingewiesen wor
den, wie wichtig es ist, die Kenntnisse über die
Prozesse im Meer zu verbessern. Hier leistet ge
rade die deutsche Meeresforschung wertvolle
Beiträge, ist aber auf eine angemessene und aus
reichende Förderung angewiesen. Über einzelne,
zeitlich befristete und inhaltlich begrenzte For
schungsprojekte hinaus sind zusätzlich auf Dauer
angelegte internationale Langzeitprogramme er
forderlich, wie sie in der Meteorologie seit langem
üblich sind. Ein entsprechendes Programm unter
der Bezeichnung Global Ocean Observing Sy
stem wird international gegenwärtig entwickelt.
Wann und wie es realisiert wird, hängt von der
Bereitschaft der Staaten ab, sich langfristig an
solchen Programmen zu beteiligen. Das BSH hat
hierzu einen ersten deutschen Beitrag entwickelt
und wird ihn der IOC vor der nächsten Vollver
sammlung im Sommer 1999 präsentieren. Auch
in der Meerestechnik muß der Gefahr entgegen
gewirkt werden, daß Forschungs- und Entwick
lungsaktivitäten auf den deutschen Werften, aber
auch im Hochschulbereich im Zuge von Spar
maßnahmen mehr und mehr zum Erliegen kom
men. In Deutschland heute noch vorhandenes
Know how in der Meeresforschung und -technik
darf nicht verlorengehen. Mit Bedauern muß man
zur Kenntnis nehmen, daß die Meere für die
deutsche Wirtschaft offenbar keine große Rolle
spielen. Abgesehen vom Schiffbau gibt es im
produzierenden Bereich kaum nennenswerte
Aktivitäten und Entwicklungen. Das ist vielleicht
ein Grund dafür, daß Staat und Politik das Jahr
des Ozeans nicht zu einem wirklich großen natio
nalen Thema gemacht haben.
IV.
Angesichts dieser Situation stellt sich die
Frage nach den Folgerungen, die aus dem Inter
nationalen Jahr des Ozeans zu ziehen sind. Auch
für ein eher kontinental ausgerichtetes Land
wie Deutschland haben die Meere elementare
Bedeutung. Klimageschehen, Welthandel, Ener
gieversorgung, die Sicherung eiweißhaltiger Nah
rung betreffen die Menschen an der Küste
genauso wie im Binnenland. Der Schutz der
natürlichen Lebensgrundlagen, und dazu ge
hören die Meere als größtes Ökosystem, hat
Verfassungsrang. Eine umweltverträgliche, nach
haltige Nutzung der Meere verlangt modernste
Technologien; hier eröffnen sich neue Chancen.
Genausowenig wie in anderen Ländern darf das
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