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Full text: Jahresbericht 1998

Modellierung 
darauf basierende individuelle Routenberatung 
für Schiffe ist die Aufgabe des DWD, Geschäfts 
feld Seeschiffahrt. 
Die Modellergebnisse fließen täglich in das 
„operationeile Nord- und Ostseemodell“ des BSH 
ein, um seegangsinduzierte Effekte auf die Strö 
mung zu berücksichtigen. Die Energie der Wellen 
und ihr Impuls bewirken eine zusätzliche Strö 
mungskomponente, die insbesondere dann wirk 
sam wird, wenn der Seegang in die flacheren 
Küstengewässer einläuft, bis die Wellen schließ 
lich brechen. Bei hohem Seegang tritt eine erheb 
liche Wasserstandserhöhung auf, was im Strö 
mungsmodell zu beachten ist. Umgekehrt kann 
der Einfluß der Strömung und des variablen Was 
serstandes auf Veränderungen des Seegangs 
bisher noch nicht simuliert werden. 
Um die Güte der Modelle zu beurteilen, wer 
den die berechneten Seegangsdaten an einigen 
Punkten mit Messungen verglichen. Wie andere 
Messungen auf See sind Seegangsmessungen 
aber immer nur an wenigen Orten möglich, sie 
sind aufwendig und, wegen der schwierigen Ein 
satzbedingungen, meist auch lückenhaft. Den 
noch bleiben sie unentbehrlich. Ein Seegangs 
modell liefert dagegen einen (fast) kontinuier 
lichen und flächendeckenden Datensatz mit der 
modelleigenen zeitlichen und räumlichen Auflö 
sung. Dies ist Voraussetzung für statistische Aus 
sagen über das „Seegangsklima“, z. B. für mittlere 
und extreme Werte von Wellenhöhen, saisonale 
Unterschiede, Häufigkeiten bestimmter Wellen 
höhen und Periodenzustände. 
Damit stehen statistische Daten zur Verfü 
gung zur Planung von Baumaßnahmen an der 
Küste oder auf See, zur Berechnung der Bela- 
I 
stung, zur Abschätzung des möglicherweise nutz 
baren Energieangebots. So verlangt eine Richt 
linie der EU mit der Zielsetzung, die Sicherheit im 
Personenfährverkehr zu verbessern, besondere 
Sicherheitsmaßnahmen, wenn im Fahrtgebiet 
eine bestimmte Wellenhöhe häufiger als 10% im 
Jahr überschritten wird. Durch eine flächen 
deckende statistische Auswertung der Modellda 
ten (in der gegebenen räumlichen Auflösung) 
konnte eine entsprechende Eingrenzung von 
Seegebieten vorgenommen werden, was mittels 
punktueller Messungen allein unmöglich gewe 
sen wäre. 
Unterstützung biologischer Forschung 
Die Ergebnisse des Operationellen (Zirkula- 
tions-)Modells sind auch für meeresbiologische 
Fragestellungen relevant. Das BSH unterstützt 
das vom BMBF geförderte Vorhaben „Zooplank 
ton-Analyse und -Prognose (ZAP)“, das der Ent 
wicklung von Verfahren zur Prognose mariner 
Planktonpopulationen in der Deutschen Bucht 
dient. Datengrundlage bilden die seit 22 Jahren 
kontinuierlich entnommenen Zooplanktonproben 
an der Station „Helgoland Reede“ der BAH, sowie 
archivierte Strömungsdaten des Operationellen 
Modellsystems des BSH. Die Planktonproben 
werden mit Hilfe von Rückrechnungen (über 
2 Wochen) nach ihren Herkunftsregionen sortiert 
und Wasserkörpern und Wetterszenarien zuge 
ordnet. 
Die Modellrechnungen zeigen deutlich, daß 
bei der Interpretation der Helgoland-Reede-Daten 
die hohe Variabilität der Zirkulation in der Deut 
schen Bucht berücksichtigt werden muß. 
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