Modellierung
Strandung von Paraffin auf Norderney
Zur Zeit der Bergung des Öls aus der Pal
las trat eine andere Verschmutzung der Nord
seeküste auf. Am 7.12.98 wurde an der Küste
von Norderney Paraffin angespült. Die Ausbrei
tungsrechnungen im Zusammenhang mit dieser
Verschmutzung zeigen weitere Beispiele für den
Einsatz des Driftmodells. Da mit dem Modell der
Driftweg einer schwimmenden Substanz zurück
gerechnet werden kann, ist es auch geeignet, um
das Herkunftsgebiet einer Verunreinigung näher
einzugrenzen. Die Abbildung 37 zeigt den zurück
gerechneten Driftweg des Paraffins. Demnach
endet der zurückverfolgte Driftweg am 27.11.98
20:00 Uhr in der Elbmündung, so daß nach der
Modellrechnung als mögliche Verursacher der
Verschmutzung nur Schiffe in Betracht kommen,
die sich zwischen dem 27.11.98 und dem
7.12.98 in der südöstlichen Deutschen Bucht
aufgehalten haben.
Strandung von Fässern in Nordfriesland
Während der Zeit von Mitte Juli bis Anfang
August wurden an einem langen Abschnitt der
nordfriesischen Küste mehrere Fässer aufgefun
den, die offensichtlich von See aus angespült
worden waren. Zustand und Inhalt der (schwimm
fähigen) Fässer deuteten darauf hin, daß es sich
um illegal entsorgten Müll handelte, der auf See
über Bord gegeben wurde.
Das vom Staatlichen Umweltamt Schleswig
aufgeworfene Problem war, den Vorgang mit Hilfe
von Simulation zu rekonstruieren. Von besonde
rem Interesse war die Frage, ob und, falls ja, wie
die Funde miteinander zusammenhingen, d.h.
ob sie vom selben Schiff stammten. Dafür wa
ren die Driftwege der einzelnen Fässer zurückzu
rechnen, um so nach einer Schiffsroute zu su
chen, auf der die Fässer hätten ins Wasser
geworfen worden sein können. Jedoch bestand
bei einigen Fässern Unklarheit hinsichtlich der
Strandungszeit; sie hätten auch schon länger vor
dem Auffinden angekommen sein können, und zu
jeder Ankunftszeit gehört ein anderer Driftweg. Es
waren also viele Hypothesen zu untersuchen.
Hierzu wurde auf die vom operationeilen Modell
simuliert Strömung und die vom DWD bekannten
Wetterverhältnisse (für Winddrift) zurückgegrif
fen. In umfangreichen Tests wurden die bruch
stückhaften Informationen zu einem vollständigen
Bild zusammengefügt, welches noch Platz ließ für
eine kleinere Zahl hypothetischer Szenarien, die
mit allen Strandungen verträglich waren. Es war
gelungen, die Driftwege derart miteinander in Ein
klang bringen, daß sie ihren Anfang auf dem Kurs
eines Schiffes durch die Deutsche Bucht nahmen.
Seegangsmodellierung
Seit 1991 wird vom Deutschen Wetterdienst
(DWD) gemeinsam mit dem BSH ein numeri
sches Seegangsmodell im täglichen Routinebe
trieb eingesetzt. Dieses Modell errechnet für drei
Gebiete (Nordatlantik, Nordsee, Ostsee) für meh
rere Tage im voraus aus dem von den Atmo
sphärenmodellen des DWD vorhergesagten Wind
die Wellenhöhen, -perioden und Ausbreitungs
richtungen. Die Seegangsvorhersage und die
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