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Full text: Jahresbericht 1998

Modellierung 
serstandes an den Küsten eines Randmeeres wie 
der Nordsee geben die Möglichkeit, die Ergeb 
nisse einer derartigen Theorie systematisch zu 
prüfen, und damit das Vertrauen in die dynami 
schen Methoden der Ozeanographie zu festigen.“ 
Die Modellprognosen des Deutschen Wet 
terdienstes sind nur hinreichend genau, um mit 
dem Windstaumodell gute Wasserstandsvorher 
sagen zu erzielen. So wichen im Mittel über das 
Jahr 1998 nur 15% der Hochwasservorhersagen 
für Cuxhaven um mehr als 20 cm von den beob 
achteten Wasserständen ab (Abb. 35). Lediglich 
0,6% waren um mehr als 50 cm falsch. Die Was 
serstandsvorhersagen werden bis dato „mit der 
Hand gemacht“, die Modellprognosen fungieren 
als ein wichtiges Hilfsmittel. Eine weitgehende 
Automatisierung kann erst eingeführt werden, 
wenn die Ursachen für die gelegentlich größeren 
Abweichungen der Modellvorhersage von den 
eingetretenen Wasserständen erkannt und besei 
tigt sind. 
Drift- und Ausbreitungssimulation 
Die Simulation von Ausbreitungsprozessen 
im Meer hat in den letzten Jahren immer mehr an 
Bedeutung gewonnen, sei es um die Ausbreitung 
eines Schadstoffs abzuschätzen, sei es um den 
Driftweg von Menschen in Seenot zu berechnen. 
In der Vergangenheit waren Stromatlanten 
bzw. einfache Parametrisierungen der Winddrift 
die einzigen Hilfsmittel, um die Drift von Gegen 
ständen oder Stoffen zu bestimmen. Vor allem in 
Gebieten mit starkem Gezeiteneinfluß, wie der 
Nordsee, war die Berechnung des Driftweges 
sehr zeitaufwendig und fehleranfällig. Mit Hilfe 
des operationeilen Modellsystems können nun 
Drift- und Ausbreitungsrechnungen in wenigen 
Minuten durchgeführt werden und als Entschei 
dungshilfe an die für die Bekämpfung von Ver 
schmutzungen zuständige Stelle oder an die See 
notrettungsleitung verschickt werden. 
Im BSH stehen für Ausbreitungssimula 
tionen zwei Werkzeuge zur Verfügung. Zur 
Berechnung der Konzentration wasserlöslicher 
Substanzen wird ein sogenanntes Eulersches 
Transportmodell verwendet. Dieses Modell wurde 
während des Oderhochwassers im Sommer 1997 
entwickelt, um die Ausbreitung und Verdünnung 
von verschmutztem Flußwasserzu untersuchen. 
Für den Fall, daß Drift und Ausbreitung 
durch Partikel dargestellt werden können, gibt es 
als Alternative ein Verfahren, in welchem die 
untersuchte Substanz als eine Wolke von Teil 
chen angesehen wird, die einzeln durch Strö 
mung und Turbulenz transportiert werden (La- 
grangesches Verfahren). An der Oberfläche 
treibende Substanzen werden zusätzlich mit 
einem bestimmten Prozentsatz der Windge 
schwindigkeit verdriftet. Bei der Simulation der 
Ausbreitung von Öl wird außerdem das physika 
lische Verhalten unterschiedlicher Ölsorten auf 
der Wasseroberfläche und in der Wassersäule 
berücksichtigt; dies sind z. B. Verdunstung, 
„Spreading“, Emulsionsbildung, vertikale Vermi 
schung, Stranden und Ablagerung am Meeresbo 
den. 
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