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Full text: Jahresbericht 1998

Modellierung 
Modells nicht nur davon abhängt, wie gut man 
den modellierten Prozeß versteht, sondern auch 
davon, wie gut man den Modellprozeß versteht 
und beherrscht. 
Ein Modell ist ein Werkzeug, um ein Objekt 
bzw. einen Prozeß zu studieren. Doch ist auch die 
Modellierung selbst ein Prozeß, der erst durch 
Versuch und Irrtum nach und nach zum Ziel führt. 
Die Resultate sollten Rückschlüsse auf das Mo 
dell selbst liefern, bis hin zu Konsequenzen für 
seine Überarbeitung. Daher entfaltet (auch in der 
Ozeanographie) die Modellierung ihr Potential nur 
Schritt für Schritt. 
Im Sinne dieser Vorbemerkungen soll nun 
auf das operationeile Modellsystem des BSH ein 
gegangen werden. Operationen bedeutet in die 
sem Zusammenhang, daß das Modell routi 
nemäßig aktuelle Prognosen unter wechselnden 
Umweltbedingungen (Meteorologie, Gezeiten etc.) 
berechnet. 
Die folgenden Abschnitte bilden keine Be 
schreibung des Modells selbst, sondern den Ver 
such einer Bewertung seiner Leistungsfähigkeit. 
Hierzu werden exemplarisch Anwendungsfälle 
des Modells herausgegriffen und im Hinblick auf 
die Anforderungen der Praxis diskutiert. Dazu soll 
vom Problem ausgegangen werden, um zu zei 
gen, in welcher Weise Modellierung nützlich ist. 
Numerische Modellierung ist auch ein Ratio 
nalisierungsprogramm. Man führt eine Vielzahl 
von Erscheinungen auf ein und dasselbe Prinzip 
zurück. In diesem Sinne sind ozeanographisch 
durchaus verschiedene Ereignisse lediglich Bei 
spiele für ein und denselben Vorgang, unter 
verschiedenen Bedingungen an verschiedenen 
Orten zu verschiedener Zeit. Verschiedene Pra 
xisfälle unterstreichen die vielseitige Anwendbar 
keit des BSH-Modellsystems. 
Wasserstandsvorhersagen 
Die Idee eines operationeilen Modells für 
Wasserstandsvorhersagen ist nicht neu. Bereits 
in den 50er Jahren, als leistungsfähige elektro 
nische Rechenanlagen auch für Geophysiker 
zugänglich wurden, konnten theoretisch hergelei 
tete hydrodynamisch-numerische Verfahren prak 
tisch angewendet werden. So führte Hansen ab 
1955 Simulationsrechnungen am Rechner des 
„International Meteorological Institute Stockholm“ 
durch. Mit dem damals für die Nordsee erstmals 
verwendeten Konzept, speziell zur Nachrechnung 
der Sturmflut während des Holland-Orkans 1953, 
wurden wichtige Grundlagen geschaffen. Hansen 
schreibt 1956: 
„Es ist zu hoffen, daß es mit der Entwicklung 
von Methoden zur numerischen Vorausberech 
nung des atmosphärischen Druckfeldes In 5 km 
Höhe, und später an der Meeresoberfläche, für 
24, 48 und unter Umständen auch 72 Stunden, 
möglich sein wird, die Schubspannung an der 
Meeresoberfläche von Rand- und Nebenmeeren 
vorauszusagen. In Verbindung mit einer rationel 
len Theorie der Wasserbewegungen eröffnet sich 
damit erstmalig die Möglichkeit zum Aufbau eines 
theoretisch begründeten Verfahrens zur Vorher 
sage von Wasserständen und Strömungen in 
Rand- und Nebenmeeren. Die zahlreichen rou- 
tinemässig ausgeführten Beobachtungen des Was 
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