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Modellierung
vom BSH bearbeiteten verschiedenen regionalen
Einzelaspekte zeigen, daß der nördliche Nordat
lantik mit deutlichen Schichtungsumstellungen
und damit Transportvariationen auf Veränderun
gen des durch die Nordatlantische Oszillation
charakterisierten atmosphärischen Antriebes im
interannualen bis dekadischen Bereich reagiert.
Die gute Kenntnis der relevanten Prozesse und
ihrer Raum- und Zeitskalen erlaubt jetzt die Defi
nition der Minimalausstattung eines weiterführen
den Beobachtungssystem. Sie besteht aus einer
der Fragestellung entsprechenden und bereits
erprobten Mischung an Methoden, Instrumenten
und Zeitvorstellungen. Die zusammenhängende
Bearbeitung der Ursachen und Auswirkungen
sind Gegenstand des Folgeprojekts OLIVAR (Cli
mate Variability and Predictability), während die
systematische Überwachung des Ozeanklimas
unter GOOS (Global Ocean Observing System)
organisiert wird.
Die numerische Modellierung von
Nordsee und Ostsee am BSH -
Anwendungen des operationeilen
Systems
Wie in vielen anderen wissenschaftlich-tech
nischen Disziplinen hat auch in der Meereskunde
die numerische Simulation in letzter Zeit einen
enormen Aufschwung genommen. Während in
der traditionellen Meereskunde hauptsächlich
mittels Beobachtungen und Theorie gearbeitet
wurde, hat sich in der modernen Ozeanographie
die (numerische) Modellierung als gleichwertige
Arbeitsweise hinzugesellt. Dies ist der Fall auf
grund
1. der Unvollständigkeit von klassischen
Lösungsansätzen und Messungen,
2. des allgemeinen Fortschritts in der
numerischen Modellierung selbst,
3. von Fortschritten in der Informatik und der
Leistungskraft von Rechenmaschinen,
4. von Rückwirkungen der Simulation auf die
Entwicklung der Wissenschaft.
Kurzum, die Modellierung ist ein (nicht mehr
ganz) neues Werkzeug in der Meereskunde. Es
mag dahingestellt bleiben, ob die numerische
Modellierung selbst Wissenschaft oder Kunst ist.
Fraglos ist allerdings, daß eine erfolgreiche Simu
lation mehrerer Voraussetzungen bedarf, zu de
nen - außer der Technik - folgende gehören:
- gründliches Verständnis des Problems,
- Geschick in Konzeption und Umgang mit
Modellen und
- Erfahrungen in der Interpretation der Re
sultate.
Von der Modellierung geht eine gewisse
Faszination aus, und nicht etwa nur auf die Mo
dellierer selbst. Es wird Immer wieder gefragt:
Was ist das überhaupt? Was soll das? Was
kommt dabei heraus? Was hat das mit der Rea
lität zu tun? Kann ein Modell Messungen erset
zen?
Dies wird zur Frage: Kann man das Gesche
hen durch ein Zahlenwerk beschreiben, und wenn
ja, wie? Diese Fragen sind keineswegs trivial,