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Full text: Jahresbericht 1998

135 
Modellierung 
vom BSH bearbeiteten verschiedenen regionalen 
Einzelaspekte zeigen, daß der nördliche Nordat 
lantik mit deutlichen Schichtungsumstellungen 
und damit Transportvariationen auf Veränderun 
gen des durch die Nordatlantische Oszillation 
charakterisierten atmosphärischen Antriebes im 
interannualen bis dekadischen Bereich reagiert. 
Die gute Kenntnis der relevanten Prozesse und 
ihrer Raum- und Zeitskalen erlaubt jetzt die Defi 
nition der Minimalausstattung eines weiterführen 
den Beobachtungssystem. Sie besteht aus einer 
der Fragestellung entsprechenden und bereits 
erprobten Mischung an Methoden, Instrumenten 
und Zeitvorstellungen. Die zusammenhängende 
Bearbeitung der Ursachen und Auswirkungen 
sind Gegenstand des Folgeprojekts OLIVAR (Cli 
mate Variability and Predictability), während die 
systematische Überwachung des Ozeanklimas 
unter GOOS (Global Ocean Observing System) 
organisiert wird. 
Die numerische Modellierung von 
Nordsee und Ostsee am BSH - 
Anwendungen des operationeilen 
Systems 
Wie in vielen anderen wissenschaftlich-tech 
nischen Disziplinen hat auch in der Meereskunde 
die numerische Simulation in letzter Zeit einen 
enormen Aufschwung genommen. Während in 
der traditionellen Meereskunde hauptsächlich 
mittels Beobachtungen und Theorie gearbeitet 
wurde, hat sich in der modernen Ozeanographie 
die (numerische) Modellierung als gleichwertige 
Arbeitsweise hinzugesellt. Dies ist der Fall auf 
grund 
1. der Unvollständigkeit von klassischen 
Lösungsansätzen und Messungen, 
2. des allgemeinen Fortschritts in der 
numerischen Modellierung selbst, 
3. von Fortschritten in der Informatik und der 
Leistungskraft von Rechenmaschinen, 
4. von Rückwirkungen der Simulation auf die 
Entwicklung der Wissenschaft. 
Kurzum, die Modellierung ist ein (nicht mehr 
ganz) neues Werkzeug in der Meereskunde. Es 
mag dahingestellt bleiben, ob die numerische 
Modellierung selbst Wissenschaft oder Kunst ist. 
Fraglos ist allerdings, daß eine erfolgreiche Simu 
lation mehrerer Voraussetzungen bedarf, zu de 
nen - außer der Technik - folgende gehören: 
- gründliches Verständnis des Problems, 
- Geschick in Konzeption und Umgang mit 
Modellen und 
- Erfahrungen in der Interpretation der Re 
sultate. 
Von der Modellierung geht eine gewisse 
Faszination aus, und nicht etwa nur auf die Mo 
dellierer selbst. Es wird Immer wieder gefragt: 
Was ist das überhaupt? Was soll das? Was 
kommt dabei heraus? Was hat das mit der Rea 
lität zu tun? Kann ein Modell Messungen erset 
zen? 
Dies wird zur Frage: Kann man das Gesche 
hen durch ein Zahlenwerk beschreiben, und wenn 
ja, wie? Diese Fragen sind keineswegs trivial,
	        
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