Nordatlantik
zesse zur Verfügung und beeinflußt die Zusam
mensetzung und Stärke der später in den Atlantik
zurückkehrenden Overflowbeiträge. Im zweizeili
gen Fall läuft die Umwälzbewegung überwiegend
südlich Island innerhalb des Atlantiks ab. Dann ist
das Europäische Nordmeer von der globalen ther
mohalinen Zirkulation weitgehend abgekoppelt.
Durch die umfangreichen Feldarbeiten der
90er Jahre sind diese unerwartet starken Verän
derungen im nördlichen Nordatlantik gut doku
mentiert. Die zeitlich engen Aufnahmen während
der WOCE-Periode haben auch den sehr schnel
len Übergang von der zweizeiligen zur einzelligen
Meridionalzirkulation abgedeckt. Innerhalb von
ein, zwei Jahren reagiert der Nordatlantik auf Ver
änderungen der atmosphärischen Zirkulation,
dargestellt durch den NAO-Index, nicht nur in den
Veränderungen einzelner Wassermassen. Die
Menge an Wärme, die Europa erreichen kann,
wird um bis zu 50% verringert. Mechanismen der
Steuerung von dekadischen Schwankungen der
thermohalinen Zirkulation wurden theoretisch
untersucht. Sie reichen von dem stark veränderli
chen Frischwasserbeitrag aus polaren Gebieten
über die extreme Abkühlung über der Labrador
see bis zu unterschiedlichen Vermischungsfor
men bei der Konvektion als Folge der Abkühlung.
Eine Überprüfung dieser in Modellen gefundenen
Mechanismen anhand von Beobachtungen steht
jetzt an.
Fazit
Die Arbeiten während der WOCE-Feldphase
haben eine enge Kopplung der für den Ozean
zirkulationsrelevanten Prozesse mit dekadischen
atmosphärischen Antriebsschwankungen erge
ben. Überraschend hohe Schichtungs- und Zirku
lationsveränderungen wurden nicht nur in der
Deckschicht sondern auch im mittleren und tiefen
Stockwerk des Nordatlantischen Ozeans beob
achtet, die in dem sich entwickelnden Post-
WOCE-Bild vom Ozean angemessen berücksich
tigt werden müssen. Entsprechend wichtig für
ein vertieftes Verständnis wird ihre dynamisch
konsistente Beschreibung unter Einbeziehung
atmosphärischer Antriebe in hochauflösenden
Modellen des Nordatlantiks. Erst durch die Ver
knüpfung von aktuellen Messungen des Wärme
transports mit Klimamodellen können Versuche
beginnen, die für Europa wichtigen Klimaverän
derungen vorherzusagen.
Ausblick
Systematisch und langfristig angelegte Be
obachtungen des Wärmetransports im Nordatlantik
haben neben der beträchtlichen Schwankungs
breite auch die schnelle Reaktion des Ozeans auf
Veränderungen des atmosphärischen Antriebs
gezeigt. Für ein Verständnis der Schwankungen
des europäischen Klimas sind diese Beiträge aus
dem Atlantik unabdingbar. Ihre Konsequenzen für
die westeuropäischen Gewässer und das Eu
ropäische Nordmeer sind Ziel weiterer Untersu
chungen. Die Nordatlantikarbeiten haben von
dem engen Zusammenspiel von langfristig an
gelegten Beobachtungsprogrammen und klaren
wissenschaftlichen Fragestellungen profitiert. Aus
der intensiven Phase dieser teils vom BMBF als
Beitrag zum Weltklimaprogramm geförderten und
34