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Full text: Jahresbericht 1998

Nordatlantik 
zesse zur Verfügung und beeinflußt die Zusam 
mensetzung und Stärke der später in den Atlantik 
zurückkehrenden Overflowbeiträge. Im zweizeili 
gen Fall läuft die Umwälzbewegung überwiegend 
südlich Island innerhalb des Atlantiks ab. Dann ist 
das Europäische Nordmeer von der globalen ther 
mohalinen Zirkulation weitgehend abgekoppelt. 
Durch die umfangreichen Feldarbeiten der 
90er Jahre sind diese unerwartet starken Verän 
derungen im nördlichen Nordatlantik gut doku 
mentiert. Die zeitlich engen Aufnahmen während 
der WOCE-Periode haben auch den sehr schnel 
len Übergang von der zweizeiligen zur einzelligen 
Meridionalzirkulation abgedeckt. Innerhalb von 
ein, zwei Jahren reagiert der Nordatlantik auf Ver 
änderungen der atmosphärischen Zirkulation, 
dargestellt durch den NAO-Index, nicht nur in den 
Veränderungen einzelner Wassermassen. Die 
Menge an Wärme, die Europa erreichen kann, 
wird um bis zu 50% verringert. Mechanismen der 
Steuerung von dekadischen Schwankungen der 
thermohalinen Zirkulation wurden theoretisch 
untersucht. Sie reichen von dem stark veränderli 
chen Frischwasserbeitrag aus polaren Gebieten 
über die extreme Abkühlung über der Labrador 
see bis zu unterschiedlichen Vermischungsfor 
men bei der Konvektion als Folge der Abkühlung. 
Eine Überprüfung dieser in Modellen gefundenen 
Mechanismen anhand von Beobachtungen steht 
jetzt an. 
Fazit 
Die Arbeiten während der WOCE-Feldphase 
haben eine enge Kopplung der für den Ozean 
zirkulationsrelevanten Prozesse mit dekadischen 
atmosphärischen Antriebsschwankungen erge 
ben. Überraschend hohe Schichtungs- und Zirku 
lationsveränderungen wurden nicht nur in der 
Deckschicht sondern auch im mittleren und tiefen 
Stockwerk des Nordatlantischen Ozeans beob 
achtet, die in dem sich entwickelnden Post- 
WOCE-Bild vom Ozean angemessen berücksich 
tigt werden müssen. Entsprechend wichtig für 
ein vertieftes Verständnis wird ihre dynamisch 
konsistente Beschreibung unter Einbeziehung 
atmosphärischer Antriebe in hochauflösenden 
Modellen des Nordatlantiks. Erst durch die Ver 
knüpfung von aktuellen Messungen des Wärme 
transports mit Klimamodellen können Versuche 
beginnen, die für Europa wichtigen Klimaverän 
derungen vorherzusagen. 
Ausblick 
Systematisch und langfristig angelegte Be 
obachtungen des Wärmetransports im Nordatlantik 
haben neben der beträchtlichen Schwankungs 
breite auch die schnelle Reaktion des Ozeans auf 
Veränderungen des atmosphärischen Antriebs 
gezeigt. Für ein Verständnis der Schwankungen 
des europäischen Klimas sind diese Beiträge aus 
dem Atlantik unabdingbar. Ihre Konsequenzen für 
die westeuropäischen Gewässer und das Eu 
ropäische Nordmeer sind Ziel weiterer Untersu 
chungen. Die Nordatlantikarbeiten haben von 
dem engen Zusammenspiel von langfristig an 
gelegten Beobachtungsprogrammen und klaren 
wissenschaftlichen Fragestellungen profitiert. Aus 
der intensiven Phase dieser teils vom BMBF als 
Beitrag zum Weltklimaprogramm geförderten und 
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