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Full text: Jahresbericht 1998

Nordatlantik 
Intensität der LSW-Produktion an den Status der 
Nordatlantischen Oszillation. Eine Periode ver 
stärkter Produktion herrschte von 1988 bis 1995 
und erzeugte eine Folge besonders kalter LSW- 
Jahrgänge („1988er LSW-Kaskade“), deren Aus 
breitung entlang der Hauptpfade nach Nordosten 
in die Irmingersee, nach Osten in das Island 
becken und Westeuropäische Becken und nach 
Süden in das Neufundlandbecken erstmalig direkt 
verfolgt werden konnte (Abb. 31). Die Charak 
teristik dieser Kaskade zeigt sich durch jahr 
gangsweise Abkühlung, Vertiefung sowie Dichte 
zunahme des örtlichen LSW-Kerns. Diese mehr 
stufige verstärkte tiefe Konvektion lieferte das 
Signal, mit dessen Hilfe die Ausbreitung der 
neuen LSW-Jahrgänge verfolgt und dem Jahr sei 
ner Entstehung zugeordnet werden konnte. Die 
mit 1,5 bis 2 cm/s abgeschätzte mittlere transat 
lantische Ausbreitungsgeschwindigkeit erwies 
sich um etwa 3-4 mal höher als bisher angenom 
men. Diese Ergebnisse konnten durch unabhän 
gig durchgeführte Messungen mit Spurenstoffen 
bestätigt werden. Die Ausbreitung der „1988er 
LSW-Kaskade“ als interdekadisches Klimasignal 
ist inzwischen abgeschlossen: gegenwärtig liegt 
der Kern des LSW im gesamten Nordostatlantik 
ca. 300 m bis 600 m tiefer und ist bis zu 0,5 °C 
kälter als in den 80er Jahren. 
Die polwärts gerichtete Umwälzbewegung und der 
Nordatlantische Oszillationsindex (NAO-Index) 
Ab Winter 1995/96, markiert durch den Über 
gang von einem hohen zu einem niedrigen 
NAO-Index - der Luftdruckdifferenz zwischen dem 
Azorenhoch und dem Islandtief als Maß für die 
Intensität der Westwinde - und anomal hohen 
Lufttemperaturen über dem gesamten nördlichen 
Nordatlantik, wurde die intensive Konvektion der 
Labradorsee beendet. Gleichzeitig wurden von 
der Irmingersee bis in das Rockall-Gebiet vor den 
Britischen Inseln eine Erwärmung und Vertiefung 
der Deckschichtwassermassen und eine west- 
wärtige Verschiebung der subarktischen Front 
beobachtet. Damit weist der nördliche Nordatlan 
tik seit 1996 eine gegenüber 1991 stark geän 
derte Schichtungsstruktur auf. 
Diese Veränderungen haben direkte Auswir 
kungen auf die nordwärts gerichteten Transporte. 
In den Jahren mit hohem NAO-Index (1993 bis 
1995) betragen die Wärmetransporte bei A2 0,5 
bis 0,65 PW (10 15 Watt). Kurz nach dem Zusam 
menbruch des NAO-Index im Winter 1995/96 ver 
ringerte sich der Wärmetransport auf 0,25 PW 
(Abb. 33). Die Schwankungen des nordwärts ge 
richteten Wärmetransports folgen dem NAO-In 
dex und gehen einher mit der Stärke des Volu 
mentransports. 
Ein Vergleich der nordwärts gerichteten 
Transporte der WOCE-Phase zu den Jahren 
1956/57 und 1982/83 zeigt, daß die Veränderun 
gen zwischen zwei Extremen schwanken: Die 
80er Jahre sind durch eine „einzellige“, die 50er 
und die 90er Jahre durch eine „zweizeilige“ Um 
wälzbewegung (Overturning-Zirkulation) gekenn 
zeichnet (Abb. 34). Diese Zirkulationsmoden 
scheinen ebenfalls mit der Nordatlantischen Os 
zillation korreliert zu sein. Im einzelligen Fall, der 
bislang als Normalfall im Nordatlantik angesehen 
wurde, dringt warmes, salzreiches Atlantikwasser 
in der Deckschicht weit in das Europäische Nord 
meer vor. Es steht dort für Transformationspro- 
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