Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1924,
Die meereskundlichen Ergebnisse dieser zwei Weltreisen sind von Brennecke
in seinen zwei wichtigsten Veröffentlichungen niedergelegt, in Band III des Werkes
„Forschungsreise S. M. S. »Planet«“, Ozeanographie, Berlin 1909, und in „Die
ozeanographischen Arbeiten der Deutschen Antarktischen Expedition 1911—12%
erst nach dem Kriege 1921 in Hamburg erschienen. Beiden Werken ist gemeinsam
die absolute Zuverlässigkeit und Genauigkeit aller Einzeldaten; niemals wollte
er durch etwaige glänzende Theorien oder phantasievolle Darstellung über den
sicheren Boden der Tatsachen hinausgehen, nüchtern fast und einfach, aber
gerade dadurch wertvoll sind diese seine großen Berichte, Wenn man heute
— und der Verfasser dieses Nachrufes hat schon oft Veranlassung dazu gehabt —
einem Forscher, sei er Chemiker, Physiker, Biologe u. a. m, das neueste und beste
Material zur Ozeanographie der atlantischen Tiefsee geben soll, so werden es
Brenneckes zwei Arbeiten sein. Mit seinem Namen wird beispielsweise immer
die nunmehr gesicherte Erkenntnis verknüpft bleiben, daß ein mächtiger, hemi-
sphärischer, horizontaler Wasseraustausch in mittleren Tiefen dieses Ozeans (und
wohl aller Ozeane) von Süd nach Nord und umgekehrt stattfindet; damit aber
ist der Anfang zu einer wesentlichen Umgestaltung früherer Anschauungen und
die Unterlage für spätere Arbeiten gegeben. Auch seine Versuche zu Strom-
messungen auf offenem Meere von verankertem Boote aus sind beachtenswert,
In morphologischer Hinsicht ist Brennecke ein Hauptanteil an der Entdeckung
der merkwürdigen Doppel-Tiefseerinne vor Java und der Philippinen-Rinne, in
der schon er über 8000 m lotete, zuzuschreiben.
Die Weddellmeerreise brachte es mit sich, daß er, nach mehrfachem Kom-
mando zum Reichs-Marine-Amt für Gezeitenstromarbeiten während des Krieges,
in den letzten Jahren der gesamten Polargeographie immer umfassender sich
widmete, ihr sachkundiger Referent in zahlreichen Einzelaufsätzen besonders in
den „Annalen der Hydrographie“ werdend. So wurde es auch verständlich, daß
er im vorigen Sommer, im Juni und Juli 1923, eine Reise auf dem norwegischen
Fangschiff „Polarbjörn“, das Herrn Tietgens-Hamburg zur Verfügung stand,
in die Barentssee und die Gewässer von Spitzbergen mitmachte behufs Gewinnung
meereskundlichen Materiales; eine Reise, über die er uns noch im Januar 1924
einen lebendigen Vortragsbericht gegeben hat,
Brennecke war also auf dem Weltmeere zu Hause wie wenige Forscher.
Aber auch in der ganz anders gearteten Tätigkeit als Schriftleiter für die wissen-
schaftlichen periodischen Veröffentlichungen der Deutschen Seewarte, die er 1920
mit seiner Ernennung zum Abteilungsvorstand übernahm, hat er Hervorragendes
geleistet, leider nur wenige Jahre; dabei waren es die furchtbar schweren Jahre
der Nachkriegszeit, und besonders das letzte Jahr 1923 mit seinen bekannten
Schwierigkeiten, überhaupt etwas zu drucken, hat wohl an seinen Kräften arg
gezehrt. Aus fast täglichen Gesprächen mit ihm weiß ich, wie die Sorge um die
Aufrechterhaltung der Publikationen ihn nicht verließ. Wenn gleichwohl die
Deutsche Seewarte sowohl die „Annalen“ als auch das „Archiv“ hat durchhalten
können, so dankt sie dies in hohem Maße ihrem unermüdlichen Schriftleiter
Brennecke.
Auch der Geographischen Gesellschaft versagte er sich nicht, erst als
Beirats-, dann als Vorstandsmitglied. Hier, wie überall, auch in allen Fragen
der Beamtenschaft, war er der mit seinem ruhigen, klugen Rat gesuchte Kollege.
Kämpfe, die auch ihm nicht erspart geblieben sind, focht er mit offenem Visier
aus. Sein Leben ist, obwohl es nach menschlichem Ermessen kurz war, reich
und glücklich gewesen. Die Deutsche Seewarte zu Hamburg aber und in weitem
Kreise die neuzeitliche Meeresforschung wird Dr. Brennecke stets mit Dankbarkeit
für seine Tätigkeit zu ihren tüchtigsten Mitarbeitern zählen.
1. März 1924.
G. Schott.