Querschnittsaufgaben
Statistische Zusammenhänge zwischen Solarzy
klus, Nordatlantischer Oszillation und Ostsee-Eis:
1879-1998
Um Voraussetzungen für saisonale Eiswin
tervorhersagen zu schaffen, wurden historische
Veränderungen studiert und nach ihren Ursachen
gefragt. Für eine solche Untersuchung der Eis
klimatologie der westlichen Ostsee wurde ein
saisonaler Eis-Index gebildet und seine Variabilität
in den vergangenen 120 Jahren betrachtet.
Insbesondere wurden die zeitlichen und
spektralen Charakteristika verschiedener Zeitse
rien untersucht: Nordatlantischer Oszillationsindex
(NAO-Index), flächenbezogene Eisvolumensum
me (EIS) als Maß für die Stärke eines Eiswinters,
Lufttemperatur in Schleswig (LTS), solarer Akti
vitätszyklus (SAZ). Die Abhängigkeit der Eiswin
terstärke und der regionalen Lufttemperatur vom
Phasenzustand der NAO ist nicht nur statistisch
hoch signifikant, sondern auch physikalisch plau
sibel. Ein signifikanter Zusammenhang besteht
daneben in der Abhängigkeit der drei geophysika
lischen Variablen (NAO-Index, EIS, LTS) vom
Phasenzustand des Sonnenzyklus. Diese statisti
sche Beziehung zeigt sich einerseits in einer Häu
fung starker Westwinde bei abnehmender Solar
aktivität (NAO-Index positiv), und andererseits in
einer Häufung schwacher Westwinde in Phasen
minimaler Solaraktivität (NAO-Index negativ). Die
Konsequenzen für EIS und LTS sind offensicht
lich: verstärkte Eisproduktion in solaren Minima
und häufig eisfreie Winter bei abnehmender Solar
aktivität. Die fragliche physikalische Realität dieser
kuriosen statistischen Beziehung läßt sich mit sta
tistischen Methoden nicht beantworten. Ein indi
rekter physikalischer Mechanismus könnte seinen
Ursprung in der möglichen Einwirkung des SAZ
auf die stratosphärische Zirkulation haben. Die
Ergebnisse der Studie wurden 1998 veröffentlicht.
Die radiologische Situation bei den Atollen
Mururoa und Fangataufa
Auf Einladung der Internationalen Atomener
gie-Behörde (IAEO) in Wien hat sich das BSH an
einer internationalen Bewertung der französischen
Kernwaffenversuche in Französisch-Polynesien
beteiligt. Im Rahmen der Bewertung wurde von
einer internationalen Arbeitsgruppe unter der Lei
tung des BSH die potentielle Ausbreitung der
Kernwaffentest-Radioaktivität im Pazifik simuliert.
Die Untersuchungsergebnisse zeigen, daß die zu
erwartenden gegenwärtigen und zukünftigen ma
ximalen radioaktiven Konzentrationen im Ozean
aufgrund der Tests deutlich geringer sind als die
Hintergrundradioaktivität im Meerwasser infolge
des „global fallout“ in der Vergangenheit.
Querschnittsaufgaben
Wahrnehmung meereskundlicher Aufgaben
durch das IOW
Im Auftrag des BSH führt das Institut für
Ostseeforschung Warnemünde (IOW) meeres-
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