Untersuchungen
Dabei wurden durch die Boje signifikante Wellen
höhen bis zu 6 m registriert. Der Vergleich der
Bojenmeßdaten mit den Modelldaten des nächst
gelegenen Gitterpunktes zeigt eine gute Über
einstimmung zwischen Modell und Messung
(Abb. 26). Die gute Übereinstimmung kam auch
dadurch zustande, daß die von den Modellen des
DWD vorhergesagten Windverhältnisse sowohl in
Stärke als auch in Richtung die Realität sehr gut
getroffen hatten.
Im Rahmen von Überwachungsaufgaben
waren im Meßgebiet bei 60 m Wassertiefe in 1,5 m
Abstand über dem Meeresboden Trübungsmeß
geräte im Einsatz. Mit diesen Geräten sollte die
Resuspension von Schwebstoffen bei Sturmer
eignissen erfaßt werden. Nur wenige Spitzen
werte der Trübungszeitreihe konnten mit Hilfe der
Daten der Seegangsboje den Sturmereignissen
zugeordnet werden. Im Vergleich dazu lieferte
das numerische Vorhersagemodell Zeitreihen
der Dünung, mit der fast alle starken Trübungser
eignisse gut erklärbar wurden. Das Vorhersage
modell hat sich im geschilderten Fall als gutes
Hilfsmittel zur Interpretation von Naturbeobach
tungen erwiesen.
Neue empirische Windstauformeln für die
Deutsche Bucht
In einem Tidegebiet wird unter Windstau die
Differenz zwischen eingetretenem und astrono
misch vorausberechnetem Wasserstand verstan
den. Nach dieser Definition gehören zum Wind
stau auch Störungen, die außerhalb der Deut
schen Bucht entstehen, wie z. B. Fernwellen.
In den Jahren 1965 bis 1969 wurden im Deut
schen Hydrographischen Institut (DHI) umfangrei
che Untersuchungen durchgeführt, mit dem Ziel,
„die aus Gezeiten und Windstau durch nichtli
neare Superposition resultierende Wasserstands
änderung in einem umfassenden Ansatz darzu
stellen” (DHI, Jahresbericht 1966). Es wurde ein
Ansatz abgeleitet, der den Windstau durch Wind
stärke, -richtung, Luftdruck sowie Luft- und Was
sertemperatur ausdrückt. Basis waren stündliche
Pegeldaten Cuxhavens 1951 bis 1969 sowie die
zugehörigen meteorologischen Daten aus den
2stündlichen Beobachtungen der zu dieser Zeit in
der Deutschen Bucht vorhandenen Feuerschiffe.
Nach erfolgreichem Abschluß der Analysen sind
die Ergebnisse in die Praxis des Wasserstands
und Sturmflutwarndienstes eingeflossen.
Weitergehende Anforderungen insbeson
dere der Schiffahrt auf der Elbe erforderten nun
eine Ergänzung der bislang verwendeten Ansätze
und eine Neuberechnung der Koeffizientensätze
anhand von Daten aus dem Zeitraum 1988 bis
1993. Eine Neuberechnung war auch notwendig,
da mittlerweile Wettermeldungen von den be
mannten Feuerschiffen in der Deutschen Bucht
durch automatische Meßsysteme ersetzt worden
waren.
Im neuen Ansatz wurden Fernwellen und die
Persistenz des Windstaus zusätzlich berücksich
tigt. Fernwellen, die von der schottischen Ostkü
ste bis in die Deutsche Bucht laufen, treten her
vor, wenn gleichzeitig Windstille in der Deutschen
Bucht herrscht. Auf der Basis einiger Fälle aus
dem Zeitraum 1988 bis 1993 konnte eine Laufzeit
von etwa 12 h abgeschätzt werden. Eine weitere
Verbesserung des Modells wurde durch Berück
sichtigung der Persistenz des lokalen Staus
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