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Full text: Jahresbericht 1992

Meereskunde 
mungsrichtung auf, die von etwa gleich langen 
Zeiträumen mit Geschwindigkeiten von 1 cm/s 
bis 3 cm/s und weniger abgelöst werden. In Ein 
zelfällen sind auch hier schwache „benthische 
Stürme“ registriert worden. 
Die Meßergebnisse dienen u.a. als Ein 
gangsdaten für numerische Modelle, mit deren 
Hilfe die turbulenz- und strömungsbedingten 
Ausbreitungsvorgänge von Suspensionen im 
Meerwasser in einem Tiefseebergbau-Gebiet 
und dessen weiterer Umgebung simuliert wer 
den. Diese Arbeiten werden von Wissenschaftler 
gruppen anderer Institutionen im Forschungsver 
bund und TUSCH durchgeführt. 
Horizontale Veränderlichkeit des Seegangsfeldes 
Während der GAUSS-Fahrt Nr. 215 (Novem 
ber/Dezember 1992) wurden, abgestimmt mit den 
Überflügen des Erderkundungssatelliten ERS-1, 
in Zusammenarbeit mit der GKSS Seegangs 
messungen in der nördlichen Nordsee zur Erfor 
schung der horizontalen Veränderlichkeit des 
Seegangsfeldes gemacht. Untersucht wurde die 
Refraktion der Wellen an Stromscherungen, die 
sich entlang der Norwegischen Rinne ausbiiden 
und die Fokussierung der Wellenenergie auf das 
Ekofisk-Feld, das den dort vorhandenen Ölplatt 
formen besondere Probleme bereitet, da sie ver 
bunden mit der Bodensenkung immer weniger 
aus dem Wasser herausragen. Außerdem war 
Ziel der Untersuchung, die Refraktion der Wellen 
um die Shetland-Inseln und die Abschattung der 
Wellenenergie in Lee dieser Inseln zu erfassen. 
Die Ergebnisse dienen dazu, das operationeile 
Modell des Seegangsvorhersagedienstes des 
BSH zu überprüfen und zu verbessern. 
Die Seegangsmessungen erfolgten mit 
mehreren Richtungsmeßbojen des BSH, dem in 
zwischen ausgereiften Seegangsradar der GKSS 
und dem abbildenden SAR, Scatterometer und 
Altimeter des ERS-1, dessen großer Vorteil ge 
genüber den schiffsgestützten Punktmessungen, 
ein großes Seegebiet synoptisch erfassen zu 
können, demonstriert werden sollte. 
Seegang im Flachwassergebiet 
Das BSH unterstützte nach einem Hilfeersu 
chen des Instituts für Seenforschung, Langenar 
gen, zusammen mit GKSS und Universität Karls 
ruhe ein Seegangsprojekt im Bodensee, das die 
Ursachen für eine verstärkte Erosion der wenigen 
verbliebenen naturbelassenen Uferzonen finden 
soll. Für das BSH sind die Ergebnisse insofern 
von Interesse, als der Bodensee ein ideales Test 
gebiet für die Erforschung des Flachwassersee 
gangs ohne den störenden Einfluß von Gezeiten 
und Dünungen darstellt. 
Tatsächlich ergeben die bisherigen Messun 
gen bei sich sehr schnell entwickelnden Sturmfel 
dern ein ebenso rapides Anwachsen der Wellen, 
das mit den bisherigen theoretischen Vorstellun 
gen und den Erfahrungen in der Nordsee nicht 
erklärt werden kann. Ein weiteres wichtiges und 
möglicherweise für die Landverluste der Insel Sylt 
bedeutungsvolles Ergebnis ist die Beobachtung, 
daß im Bodensee bei Sturm in einem schmalen 
Bereich vor dem Ufer starke küstenparallele Strö 
mungen auftreten. Sie verursachen offensichtlich 
die Erosion, indem sie das durch direkte See 
gangseinwirkung aufgewirbelte Sediment weg
	        
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