technik Einzug in den Seenotfunk gehalten. Als
Mindestausrüstung für die Variante INMARSAT
im Seegebiet A3 ist die Schiffserdfunksteile (SES)
des Standard-C-Systems vorgeschrieben. Von
diesen Anlagen können Seenotalarmierungen
überTelex von See nach Land ebenso übertragen
wie bei bekannten Adressaten in der entgegenge
setzten Richtung. Natürlich können auch SESs
des Standard-A-Systems benutzt werden, über
die auch Sprache und Daten übertragen werden
können. Um ähnlich wie bei NAVTEX MSI-lnfor-
mationen und Seenotalarmierungen in der Rich
tung von Land zur hohen See übertragen zu kön
nen, hat die INMARSAT auf der technischen Ba
sis des Standard-C-Systems das EGC (Enhan
ced Group Call) System entwickelt. Die Beson
derheit bei EGC ist, daß die Sendungen gezielt
in vorgewählte Seegebiete abgestrahlt werden
können.
Für die Alarmierung von See nach Land sind
zusätzlich zwei Systeme von Funkbaken entwik-
kelt worden, die in Bojen installiert im Seenotfall
selbstätig aufschwimmen und über Satelliten
Alarm auslösen können (Satelliten-Seenotfunk-
baken (Satelliten-EPIRBs)).
Das in Deutschland entwickelte DRCS-Sy-
stem ist von INMARSAT unter der Bezeichnung
INMARSAT-E als Bestandteil ins GMDSS einge
führt worden.
Die Baken übermitteln nach ihrer Aktivierung
auf Frequenzen im INMARSAT-Band (1,6 GHz)
in wenigen Minuten die Seenotmeldungen über
die INMARSAT-Satelliten an CESs, die mit spe
ziellen Empfangs- und Auswerteeinrichtungen
ausgerüstet sind. Von dort werden sie den den
CESs zugeordneten Seenotleitstellen (RCC)
übermittelt.
GMDSS
Das zweite Bakensystem wurde von den
USA, Frankreich, Kanada und der ehemaligen
UdSSR entwickelt und unter dem Namen COS-
PAS-SARSAT bekannt.
Es nutzt auf niedrigen Polarbahnen umlau
fende Satelliten, eigene Erdfunkstellen (Local
UserTerminals, LUT) und die Frequenz 406 MHz.
Die Weiterleitung der Seenotmeldungen von
den LUTs zu den RCCs erfolgt in einem sehr
komplizierten Nachrichtennetzwerk über eigene
Kontrollzentren (Mission Control Center, MCC).
Bei der Abwägung der Vor- und Nachteile
favorisiert Deutschland das INMARSAT-E System
wegen dessen kurzen Übertragungszeiten. We
gen der niedrigen Höhe der COSPAS-SARSAT-
Satelliten-Bahnen (800 bis 1000 Km) und dem
mit abnehmender geographischen Breite zuneh
menden Abstand der Projektionen dieser Bahnen
auf die Erdoberfläche kann es zwischen Aktivie
rung der Baken und dem Empfang der Seenot
meldungen durch die LUTs zu erheblichen zeitli
chen Verzögerungen kommen.
Auch bei System und Technik für Zielfahrt
und Zielanflug hat das GMDSS mit dem früheren
Seenotfunk-System gebrochen. Hierfür wurde
der 9-GHz-Search and Rescue-Radartranspon-
der (SART) entwickelt. Er wird sowohl auf den
Schiffen als auch in Überlebensfahrzeugen ein
gesetzt. Wenn Impulse von 9-GHz-Radaranlagen
den Empfänger des SART erreichen, sendet sein
Sender auf der gleichen Frequenz zwölf in glei
chen Abständen angeordnete Impulse, die auf
den Radarschirmen wie Perlenketten abgebildet
werden. An diesen Perlenketten kann bei Zielfahrt
und Zielanflug mittels Radar die Position von
Schiffbrüchigen erkannt werden.
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