Technische Schiffssicherheit
See-Erprobung einer Anlage für die Ortung fremder Schall
signale zur Unterstützung des Ausgucks in geschlossenen
Brücken
Um die Aufgaben des herkömmlichen Aus
gucks nach Regel 5 der Kollisionsverhütungsre
geln auf Schiffen mit geschlossener Brücke oder
auf Schiffen, die an der Erprobung des Ein-Mann-
Brückenwachdienstes teilnehmen, wahrnehmen
zu können, ist von einem deutschen Hersteller
eine Schallortungsanlage entwickelt worden, die
Schallsignale fremder Schiffe im geschlosssenen
Brückenbereich hörbar und auf einer optischen
Anzeige zusätzlich richtungsabhängig sichtbar
machen soll.
Eine Erprobung dieser Anlage fand auf
VWFS ATAIR in der Nähe der Fährlinie Putt-
garden-Rödby mit Unterstützung der Fähren
THEODOR HEUSS, KARL CARSTENS und
DEUTSCHLAND im Oktober statt. Hierbei sollte
u. a. Im Vergleich zum konventionellen Ausguck
die Leistungsfähigkeit der Schallortungsanlage
festgestellt werden.
Die Schallortungsanlage bestand aus vier
außerhalb der Brücke angebrachten Mikrofonen,
vier Brückenlautsprechern, einem Verstärker und
einer optischen Anzeigeeinheit (s. Abb. 42).
Die Fähren gaben nach Absprache regelmä
ßig Schallsignale ab, die von der Schallortungs
anlage auf ATAIR empfangen und In der Brücke
angezeigt wurden. Zusätzlich wurden von einem
herkömmlichen Ausguck die Signale außerhalb
der Brücke erfaßt und protokolliert. Um die nauti
sche Eignung beurteilen zu können, wurden die
Schallsignale auf ATAIR bei verschiedenen Ge
schwindigkeiten und Windrichtungen empfangen,
während die Fähren mit Dienstgeschwindigkeit
(13 bis 16 kn) fuhren und ca. jede Minute ein
langes Schallsignal abgaben. Ferner wurden un
terschiedliche Anordnungen der Mikrofone er
probt.
Im Vergleich zum konventionellen Ausguck
konnte die Schallortungsanlage nicht in jedem
Fall eindeutige Ergebnisse liefern. Insbesondere
waren bei zunehmender Schiffsgeschwindigkeit
die Windgeräusche an den Mikrofonen und somit
in den Brückenlautsprechern derart störend, daß
nur wenige Signale erkannt werden konnten.
Auch auf der optischen Anzeige waren bei starken
Windgeräuschen keine Schallsignaie zu erken
nen, da eine Trennung zwischen dem Schallsi
gnal und den Umweltgeräuschen nicht möglich
war. In unmittelbarer Nähe (0,5 sm) zum signalge
benden Fahrzeug oder bei bestimmten Windver
hältnissen war die optische Anzeige durch das
ankommende Schallsignal übersteuert, so daß
keine Richtungszuordnung möglich war. Über die
Brückenlautsprecher war eine eindeutige Rich
tungszuordnung der Schallsignale nur im Zen
trum der 4 Lautsprecher möglich.
Zusammenfassend wurde festgestellt, daß
die Schallortungsanlage verbesserungsbedürftig