beitskreis hatte im März eine umfangreiche Stu
die zur Überlagerung von ECDIS mit Radar/AR-
PA-Informationen ausgearbeitet, in der erstmals
die Nutzung von ECDIS auch als Kollisionsverhü
tungssystem vorgeschlagen wurde. Diese Studie
wurde vom BSH über die IMO/IHO Harmonization
Group on ECDIS (HGE) der IMO vorgelegt; sie
löste ein äußerst lebhaftes internationales Echo
aus.
In der HGE-Arbeitsgruppe wurde der
Schlußstrich unter die seit 1989 eingegangenen
und in der Arbeitsgruppe bewerteten Verbesse
rungsvorschläge für die Provisional Performance
Standards für ECDIS gezogen. Es wurde eine
Drafting Group eingesetzt, die auf der Basis der
vorliegenden Vorschläge einen neuen Perfor
mance Standard entwarf (mangels Auslands
dienstreisemitteln konnte Deutschland an dieser
Arbeit nur durch schriftliche Vorschläge mitwir-
ken). Der vorgelegte neue Entwurf wurde auf der
zweiten Sitzung der HGE im September 1992
eingehend erörtert und verbessert. Es ist davon
auszugehen, daß die jetzt ausgearbeitete Fas
sung mit nur noch geringfügigen Änderungen der
IMO zur Beschlußfassung als endgültiger Stan
dard vorgelegt werden wird.
Ebenfalls einer umfassenden Revision un
terzogen wurden die zu den IMO Performance
Standards komplementären ECDIS-Spezifikatio-
nen der IHO. Hieran wirkte das BSH durch Teil
nahme an der Arbeitstagung der betreffenden Ar
beitsgruppe im März in Den Haag intensiv mit.
Auf der routinemäßig einmal im Jahr stattfin
denden gemeinsamen Sitzung des Committee on
ECDIS (COE) und des Committee on Exchange
of Digital Data (CEDD), die im November in Mo
naco stattfand, wurde die Tätigkeit der verschie
Seevermessung und Automation
denen Arbeitsgruppen koordiniert und ihre Ar
beitsergebnisse kritisch bewertet. Insbesondere
der Mangel an einem sichtbaren Fortschritt be
züglich digitaler ECDIS-Datenbasen in Verbin
dung mit den kritischen Vorschlägen des Ottawa-
Workshops führte zu einem erhöhten Druck auf
die Data-Base- und Control-Procedure-Working
Group, ihre Arbeit zu intensivieren und besser zu
organisieren.
Auf norwegische Initiative fand im Januar in
Stavanger ein Treffen von IHO-Mitgliedsstaaten
statt, in dem Vorbereitungen für die Einrichtung
einer internationalen ECDIS-Datenorganisation
erörtert wurden. Hierzu gehörte auch die Ausar
beitung eines Musters für bilaterale Vereinbarun
gen bezüglich der Abgabe digitaler Daten durch
einen hydrographischen Dienst an ein ECDIS-
Zentrum. Die Frage der Einrichtung einer spezifi
schen ECDIS-Organisation hatte auf der XIV. In
ternationalen Hydrographischen Konferenz (sie
he unten) zur Einrichtung eines neuen, speziellen
Ausschusses unter dem Namen „World Wide
Electronic Navigational Data Base Organization“
(WEND) geführt. In diesem Ausschuß sollen bis
1994 die Notwendigkeit und die in Frage kom
menden Optionen für eine solche ECDIS-Organi
sation untersucht werden. Auf Vorschlag der IHO
übernahm der Präsident des BSH den Vorsitz des
Komitees, das eine erste, vorbereitende Sitzung
im November in Monaco abhielt. Auf diesem Tref
fen wurde Norwegen zur Überarbeitung seiner
Vorschläge gebeten. Zugleich wurde deutlich,
daß einige Länder dem Gedanken einer weltwei
ten ECDIS-Organisation eher skeptisch gegen
über stehen.
Auch die EG-Kommission beschäftigte sich
im wissenschaftlich-technischen Arbeitspro-
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