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Gewitter- und Hagelbildung.
gerader Richtung sich erstrecken, so ist jegliche Erklärung dieser Erscheinung
ohne Zuhülfenahme einer solchen dirigirenden oberen Luftströmung unmöglich,
Ja selbst wenn nur dieses eine Beispiel vorhanden wäre, mülste man zu diesem
Schlusse kommen, da es an ein Wunder grenzen würde, wenn eine solche sym-
metrische Erscheinung ohne eine einheitliche dirigirende Kraft blofs durch das
zufällige günstige Zusammenwirken verschiedener Faktoren zu Stande gekommen
wäre. Wie will man z. B. eine mittlere Fortpflanzungsgeschwindigkeit von
73 km per Stunde, wie sie bei den Gewitterstürmen von 1788 und 1881 (Aug. 9)
stattfand, anders erklären, als durch eine mit dieser Geschwindigkeit fort-
schreitende obere Luftströmung? Als am 24. November 1870 Rollier das
belagerte Paris in einem Luftballon verliefs, langte er nach 14 Stunden in den
Bergen Norwegens an. Die mittlere Geschwindigkeit der Fahrt betrug ca 34m
per Sekunde, und im südlichen Theile Norwegens erreichte diese Geschwindig-
keit in einer Höhe von 4000m die enorme Gröfse von 120 km per Stunde!
Man hat vielfach Einwände gegen die Existenz solcher scharf begrenzten
Luftströme erhoben. Ich führe daher noch eine Thatsache an zur Bestätigung
der Möglichkeit, dafs solche Luftströme sich scharf abheben können von der
sie rundum umgebenden Luftmenge. Herr Alluard gerieth einmal bei seinen
wiederholten Besteigungen des Puy-de-Dome in einer gewissen Höhe plötzlich,
d. h. ohne allen allmählichen Uebergang, in eine Luftströmung, die nach seiner
Schätzung mindestens 15m Geschwindigkeit besafs, während die unmittelbar
darunter liegende Luftschicht nur eine ganz mäfsige Geschwindigkeit hatte.
Man sieht also, dafs die Atmosphäre durchaus nicht so regelmäßig geschichtet
ist, wie man anzunehmen geneigt ist, und dafs dieselbe von wahren Luftflüssen
nach allen möglichen Richtungen durchfurcht wird, wie ja auch Hunderte von
Ballonfahrten auf das Evidenteste dargethan haben. Ebenso kann die Möglich-
keit des laugsamen Herabsteigens resp. Herabsinkens der Luft durch die zwei
folgenden Beobachtungen bewiesen werden. In der „Nature“ wird folgende
merkwürdige Thatsache berichtet:
„Ein Luftballon sinkt plötzlich ohne alle sichtbare Veranlassung bis zur
Erde herab, trotz schnellen Auswerfens von Ballast; nachdem der Ballon wieder
aufgestiegen, tritt dieselbe Erscheinung zum zweiten Male in derselben Weise
ein“, Ferner, an dem Vormittag eines trüben Novembertages (1882) macht
mich plötzlich Herr Lieut. z. See Rollmann auf eine merkwürdige Natur-
erscheinung aufmerksam. Ueber einer der beiden grofsen ca 800—900 m vom
Observatorium entfernten Kasernen sieht man eine dichte Nebelmasse schnell
herabsinken und in ganz kurzer Zeit dieselbe vollständig einhüllen, während
die andere Kaserne und auch die weitere Umgebung nebelfrei blieb. Der Ein-
üruck des Herabfallens war so stark, dafs wir beide in hohem Mafse er-
ataunten. Von der Seite her konnte der Nebel nicht kommen, wie zu deutlich
erkennbar war. Der Luftdruck war hoch, über 770mm.
Das von mir schon früher hervorgehobene und durch die oben an-
yeführten Beobachtungen mehrfach bestätigte Herabsteigen der kalten Luft aus
der Höhe nach der Tiefe (als Folge der Wirbelbewegung) während und nach
dem Gewitter hat ebenfalls Dr. Ferrari!) beobachtet und hervorgehoben. Die
mittlere Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Gewitter beträgt nach demselben im
Po-Thale 33,6, in Ligurien und Mittelitalien 38,9 km per Stunde. Mit der
Gröfse der Fortpflanzungsgeschwindigkeit nimmt die Intensität der elektrischen
Entladungen und die Stärke des Windes zu, die Zeitdauer der Gewitter ab.
Ferrari behauptet ferner (gleichfalls in Uebereinstimmung mit mir), dafs die
Oertlichkeit (Gebirge) auf die Zugrichtung von geringem Einfluls sei, und daf[s
die Form der Gewitterstriche für Oberitalien (worauf sich seine Untersuchungen
aur erstrecken) ebenso wie anderwärts in den meisten Fällen als lang ge-
atrecktes Band sich darstelle. Er hat ferner gefunden, dals, abgesehen von
den kühleren Monaten, alle Gewitter von Hagelschlag begleitet waren,
der zumeist in Parallelschichten zur Gewitterfortpflanzungsrichtung
und dabei je nach der Oertlichkeit mit sehr verschiedener Intensität auftrat.
Diese auch anderwärts sich bestätigende Beobachtung macht jede Hageltheorie
hinfällig, die sich ausschließlich auf die Vorgänge in den untersten Schichten
I) Observazioni dei temporali raccalte nel 1880.