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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

1392 
Gewitter- und Hagelbildung. 
gerader Richtung sich erstrecken, so ist jegliche Erklärung dieser Erscheinung 
ohne Zuhülfenahme einer solchen dirigirenden oberen Luftströmung unmöglich, 
Ja selbst wenn nur dieses eine Beispiel vorhanden wäre, mülste man zu diesem 
Schlusse kommen, da es an ein Wunder grenzen würde, wenn eine solche sym- 
metrische Erscheinung ohne eine einheitliche dirigirende Kraft blofs durch das 
zufällige günstige Zusammenwirken verschiedener Faktoren zu Stande gekommen 
wäre. Wie will man z. B. eine mittlere Fortpflanzungsgeschwindigkeit von 
73 km per Stunde, wie sie bei den Gewitterstürmen von 1788 und 1881 (Aug. 9) 
stattfand, anders erklären, als durch eine mit dieser Geschwindigkeit fort- 
schreitende obere Luftströmung? Als am 24. November 1870 Rollier das 
belagerte Paris in einem Luftballon verliefs, langte er nach 14 Stunden in den 
Bergen Norwegens an. Die mittlere Geschwindigkeit der Fahrt betrug ca 34m 
per Sekunde, und im südlichen Theile Norwegens erreichte diese Geschwindig- 
keit in einer Höhe von 4000m die enorme Gröfse von 120 km per Stunde! 
Man hat vielfach Einwände gegen die Existenz solcher scharf begrenzten 
Luftströme erhoben. Ich führe daher noch eine Thatsache an zur Bestätigung 
der Möglichkeit, dafs solche Luftströme sich scharf abheben können von der 
sie rundum umgebenden Luftmenge. Herr Alluard gerieth einmal bei seinen 
wiederholten Besteigungen des Puy-de-Dome in einer gewissen Höhe plötzlich, 
d. h. ohne allen allmählichen Uebergang, in eine Luftströmung, die nach seiner 
Schätzung mindestens 15m Geschwindigkeit besafs, während die unmittelbar 
darunter liegende Luftschicht nur eine ganz mäfsige Geschwindigkeit hatte. 
Man sieht also, dafs die Atmosphäre durchaus nicht so regelmäßig geschichtet 
ist, wie man anzunehmen geneigt ist, und dafs dieselbe von wahren Luftflüssen 
nach allen möglichen Richtungen durchfurcht wird, wie ja auch Hunderte von 
Ballonfahrten auf das Evidenteste dargethan haben. Ebenso kann die Möglich- 
keit des laugsamen Herabsteigens resp. Herabsinkens der Luft durch die zwei 
folgenden Beobachtungen bewiesen werden. In der „Nature“ wird folgende 
merkwürdige Thatsache berichtet: 
„Ein Luftballon sinkt plötzlich ohne alle sichtbare Veranlassung bis zur 
Erde herab, trotz schnellen Auswerfens von Ballast; nachdem der Ballon wieder 
aufgestiegen, tritt dieselbe Erscheinung zum zweiten Male in derselben Weise 
ein“, Ferner, an dem Vormittag eines trüben Novembertages (1882) macht 
mich plötzlich Herr Lieut. z. See Rollmann auf eine merkwürdige Natur- 
erscheinung aufmerksam. Ueber einer der beiden grofsen ca 800—900 m vom 
Observatorium entfernten Kasernen sieht man eine dichte Nebelmasse schnell 
herabsinken und in ganz kurzer Zeit dieselbe vollständig einhüllen, während 
die andere Kaserne und auch die weitere Umgebung nebelfrei blieb. Der Ein- 
üruck des Herabfallens war so stark, dafs wir beide in hohem Mafse er- 
ataunten. Von der Seite her konnte der Nebel nicht kommen, wie zu deutlich 
erkennbar war. Der Luftdruck war hoch, über 770mm. 
Das von mir schon früher hervorgehobene und durch die oben an- 
yeführten Beobachtungen mehrfach bestätigte Herabsteigen der kalten Luft aus 
der Höhe nach der Tiefe (als Folge der Wirbelbewegung) während und nach 
dem Gewitter hat ebenfalls Dr. Ferrari!) beobachtet und hervorgehoben. Die 
mittlere Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Gewitter beträgt nach demselben im 
Po-Thale 33,6, in Ligurien und Mittelitalien 38,9 km per Stunde. Mit der 
Gröfse der Fortpflanzungsgeschwindigkeit nimmt die Intensität der elektrischen 
Entladungen und die Stärke des Windes zu, die Zeitdauer der Gewitter ab. 
Ferrari behauptet ferner (gleichfalls in Uebereinstimmung mit mir), dafs die 
Oertlichkeit (Gebirge) auf die Zugrichtung von geringem Einfluls sei, und daf[s 
die Form der Gewitterstriche für Oberitalien (worauf sich seine Untersuchungen 
aur erstrecken) ebenso wie anderwärts in den meisten Fällen als lang ge- 
atrecktes Band sich darstelle. Er hat ferner gefunden, dals, abgesehen von 
den kühleren Monaten, alle Gewitter von Hagelschlag begleitet waren, 
der zumeist in Parallelschichten zur Gewitterfortpflanzungsrichtung 
und dabei je nach der Oertlichkeit mit sehr verschiedener Intensität auftrat. 
Diese auch anderwärts sich bestätigende Beobachtung macht jede Hageltheorie 
hinfällig, die sich ausschließlich auf die Vorgänge in den untersten Schichten 
I) Observazioni dei temporali raccalte nel 1880.
	        
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