Gewitter- und Hagelbildung.
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(Haselnufs bis Welschnufs) erwarten lief. Ferner führt Prof, Faye folgende
Stelle aus einem Berichte von Rozet an die Akademie‘) an:.,Wenn die Cirrus-
wolken oder. vielmehr die Cirrocumuli der höheren Regionen eine mehr oder
weniger kontinuirliche Schicht bilden, während gleichzeitig eine gewisse Menge
von Haufenwolken über der untersten Dampfschicht liegt, kann man schlechtes
Wetter oder die Bildung von Regenwolken voraussagen. In der That, die
Wolken in der Höhe steigen bald herunter, die in der Tiefe erheben sich,
indem sie sich zu Säulen verlängern, die sich nach oben hin erweitern.
Beim Vereinigen entstehen häufig elektrische Entladungen und die Regenwolke
bildet sich sofort. Mehr oder weniger heftige Bewegungen geben sich in der
unteren Wolkenschicht kund; die regelmäfsige Form ihrer unteren Oberfläche
hört auf, sie senkt sich beträchtlich und die Wolken werden zu Regenwolken,
welche fast den Boden berühren, Blitze und Regen aus sich herausschleudernd.“
{u den „Naturwissenschaftlichen Abhandlungen“, Wien, Jahrgang 1847
(Seite 93—100), befindet‘ sich ein bemerkenswerther Artikel von Göth und
Haidinger?) über einen am 1. Juli 1846 stattgefundenen Gewitter- und Hagel-
sturm in Steiermark. Die Hagelkörner flogen nämlich bei jenem Sturm von unten
herauf durch die geschlossenen Bretter der Jalousien, Baumäste wurden in
grofse‘ Höhe hinaufgerissen. und war der Wind an vielen Stellen wirbelnd,
Nachdem Göth diesen Sturm ausführlich beschrieben, versucht Haidinger eine
Erklärung der dabei aufgetretenen Erscheinungen, speciell der Hagelbildung,
zu geben. Verschiedene Hagelkörner untersuchend, sagt er: „Die Struktur
dieses vollkommen klaren Eises war im Ganzen excentrisch strahlig. Die Kugel
selbst war von zwei koncentrischen, weifsen, undurchsichtigen Flächen ein-
gefafst.. Die Undurchsichtigkeit wurde nicht durch etwas Fremdartiges, sondern
durch die Krystallepitzen hervorgebracht, welche die Kugeln begrenzten; die
undurchsichtige Oberfläche ist ein unwiderlegbarer Beweis dafür, dafs ein
innerster Wassertropfen in höchst verdünnter, trockener Luft von niedriger
Temperatur plötzlich zu Eis erstarrte (s. die spätere Erklärung für diese Er-
scheinung nach Prof. Luvini), und zwar mufste ein solches Eintauchen in
trockene, kalte, verdünnte Luft, abwechselnd mit feuchter, zweimal goschehen
sein, — ‚Für die Bildungsgeschichte des fraglichen Hagelkorns läfst sich etwa
folgender Vorgang denken: Ein Tropfen Wasser, infolge allseitiger Pressung
auf eine Wolke entstanden, geräth plötzlich in eine Schicht der Atmosphäre,
in. welcher er sich nicht nur nicht weiter durch Ansatz von Wassertheilchen
vergrößern kann, sondern diese Schicht ist trocken, sehr kalt, Verdunstung
drückt die Temperatur des Tropfens herab, er friert zu einer klaren Eiskugel,
aber ‚von einer Seite beginnend, während er rasch durch die trockene Schicht
geschleudert wird,. bis ihn veränderte Verhältnisse festhalten. Unterhalb der
Regenwolken sind wir nicht vorbereitet, dergleichen kalte Regionen zu finden,
wohl aber über derselben. Ein Steigen zu einer bedeutenden Höhe, etwa durch
wirbelnde Bewegung der Luft hervorgebracht, kann das erste Gefrieren ver-
anlassen, : wobei das .Eis des Tropfens weit unter den Gefrierpunkt erkaltet.
Er bedeckt sich dann beim Herabfallen einfach mit einer, dem Kältegrade ent-
sprechenden, dickeren oder dünneren klaren Schicht, doch bleibt die ursprüng-
liche krystallinische Oberfläche der Bildung im trockenen Raum immer noch
erkennbar, als Beweis, dafs nichts von dem Kern abgeschmolzen ist, als er in
die feuchtere Schicht hinabfiel, in der sich das Eis unmittelbar aus Dampf
niederschlug.: Bei einem Wirbel ist es nicht zu verwundern, wenn ein einziges
Korn mehrmals ergriffen. und aufwärts geschleudert wird, wodurch sich eine
neue krystallinische Oberfläche bildet. Endlich wurde das Korn zu schwer und
fiel. durch die schon Wassertropfen enthaltende Schicht hindurch gegen die
Erde. Nur dem Begegnen gebildeter Tropfen läfst sich wohl die unregelmäfsige
Oberflächengestaltung zuschreiben. Die Aufsenseite ist begreiflich im Zustande
des Schmelzens. ; Die zapfenförmigen Erhöhungen waren bei den in Gratz- ge-
fallenen Schlossen aber nicht ganz unregelmäfsig vertheilt. Sie bildeten eine
1) Comptes rendus tome XXX, pag. 197. Rozet beobachtete die oben erwähnte Erscheinung
in den Pyrenäen, .
2%) Herr Prof. Dr. Baumgarten in Wiener-Neustadi hatte die Güte, mich auf diesen Auf-
satz aufmerksam zu machen, indem er bemerkt, dafs die von mir aufgestellte Hageltheorie durch die
bei jenem Gewitter. und Hagelsturm beobachteten Thatsachen bestätigt werde.