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Die Dampfer der Pac. Ml.St. S. Comp. berührten früher aufser auderen Häfen
auch Mazatlan monatlich zweimal, nämlich einmal von San Francisco nach
Panama und zurück, und erhielten für jede Rundreise 2000 Dollars Subvention;
seit Ende Oktober dieses Jahres hat die letztere Linie ihre Fahrten eingestellt,
da der Kontrakt abgelaufen und bis jetzt noch nicht wieder erneuert ist, und
die Kompagnie nicht auf die Forderungen der mexicanischen Regierung ein-
gehen will. Die Verbindung mit dem Innern ist von Mazatlan aus nicht beson-
ders, innerhalb 30 bis 40 Meilen giebt es noch Fahrwege, wenn auch sehr
schlechte, darüber hinaus nur Pfade für Maulthiere, und in der Regenzeit ist die
Verbindung mit dem Innern sehr erschwert. Seit zwei Jahren ist Mazatlar
im Besitz einer meteorologischen Station und eines selbstregistrirenden Fluth-
messers; sonstige wissenschaftliche Anstalten sind nicht vorhanden.
Das Klima ist im Ganzen gesund. Wie in allen anderen derartigen Häfen
darf von einkommenden Schiffen keine Verbindung mit diesem Platze stattfinden,
ghe nicht der Hafenkapitän und die Zollvisite an Bord gewesen ist. Jedes mit
Ladung einkommende Schiff erhält einen Zollwächter an Bord, aufserdem werden
die Luken versiegelt. Jedes vom Auslande kommende Schiff, welches nach
einem mexikanischen Hafen bestimmt ist, mit Ladung oder auch in Ballast, mufs
im Besitz eines dreifach ausgefertigten Manifestes sein, welches von dem
mexikanischen Konsul des Abgangshafens beglaubigt ist, bezw. von einem Konsul
einer befreundeten Macht. Ueber diese Beglaubigung mufs wieder eine Quittung
vorgezeigt werden. .
Steinkohlen sowie frischen Proviant, ausgenommen Gemüse, kann man
hier erhalten; auf Dauerproviant ist jedoch nicht zu rechnen, und wenn vorhanden,
ist er ausnehmend theuer; ebenso sonstige Schiffshändlerartikel, da fast alles
importirt werden mufs, Kleine Zimmer- und Schmiedearbeiten können hier aus-
geführt werden. Der Tagelohn für gewöhnliche Arbeiter ohne Beköstigung
beträgt 2!/2 Dollars per Tag.
Es liefen ein in Mazatlan vom 1, Juli 1879 bis 30. Juni 1880: Segel-
schiffe von fremden Häfen 17 mit 5666 Reg.-tons, worunter 6 in Ballast mit
2647 Reg.-tons,- unter obigen 12 deutsche, 2 englische, 2 französische und
L dänisches; Dampfschiffe von Panama 13 mit 33 180 Reg.-tons; Dampfschiffe
von San Francisco 24 mit 37 810 Reg.-tons; Segelschiffe von San Francisco 20
mit 3665 Reg.-tons, worunter 1 deutsches.
Die hier vorsprechenden Dampfer hatten nur theilweise Ladung, für Mazatlan
oft garnichts und nur die Reg.-tons Gehalt angegeben. Von den deutschen Segel-
schiffen brachten 5 Ladung von Europa, wovon wieder 3 in südlicheren Häfen
theilweise etwas gelöscht hatten.
Victoria Harbour (Vancouver Island) und Burrard Inlet,
Bemerkungen des Kapitäns ) Früchtenicht vom Deutschen Schiffe
„Wilhelm“,
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
Am 23. April 1880 liefen wir gegen 12 Uhr Mittags in die Juan de Fuca-
Strafe ein, nachdem wir vor derselben 10 Tage durch Gegenwinde und
schlechtes Wetter aufgehalten worden waren. Wir steuerten bei auffrischender
SW-Briese nach Landmarken Ost bis 0zS und passirten um 7!% Uhr Abends
Race Island in einer Entfernung von 1 Sm. Hier geriethı das Schiff in eine
Stromkabbelung und war trotz der 10 Kn Fahrt, die dasselbe zur Zeit machte,
kaum auf dem Kurse zu halten. Doch wir kamen glücklich hindurch, steuerten
dann Nord für das Feuer von Fisgard Island und ankerten um 8'/2 Uhr Abends
in Royal Road (Victoria) nach einer 53tägigen Reise von Callao. Die Wasser-
tiefe war 22m auf guthaltendem Ankergrunde. Hier nahmen wir den für eine
Holzladung nöthigen Steinballast ein und setzten dann im Schlepptau eines
Dampfers um 2 Uhr Nachmittags des 1. Mai die Reise nach dem 84 Sm ent-
ernten Woodyville (Burrard Inlet) fort, woselbst wir am nächsten Tage an-
lJangten, Wir lagen hier unter den mit Schnee bedeckten 2400m hohen Bergen.