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Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1928.
eine Verfügung zur Schaffung der Karte erfüllte. Im Jahre 1903 erschienen die
Vierteljahreskarten für die Nord- und Ostsee, im Jahre 1908 die Monats
karten für den Indischen Ozean und 1928 die für den Südatlantischen
Ozean. Diese Karten werden nicht, wie die Nordatlantischen, zu bestimmten
Terminen herausgegeben, sondern erneuert, wenn der Bestand vergriffen ist, wie
es z. B. bei den Monatskarten für den Indischen Ozean bereits 1915 der Fall war.
Hier sei auch genannt der Atlas der StromverSetzungen auf den
wichtigsten Dampferwegen im Indischen Ozean und den Ostasiatischen
Gewässern, herausgegeben im Jahre 1905. Dieser Atlas bringt in anschau
licher Form zur Darstellung, mit welchen Stromversetzungen der Schiffsführer
unter Umständen zu rechnen hat, und warnt ihn.
Über die „Täglichen synoptischen Wetterkarten für den Nord
atlantischen Ozean und die anliegenden Teile der Kontinente“ wird
unter f gesprochen. Die 29 Jahrgänge dieser Karten umfassen die Jahre 1880 bis
1910 mit Ausnahme der Monate September 1882 bis August 1883, die von den
Engländern bearbeitet wurden.
Auch über die Zeitschrift „Der Pilote“ wird unter g berichtet werden. Zu der
geschichtlichen Entwicklung dieser Hefte sei folgendes erwähnt. Um die wert
vollen Beiträge der Kapitäne und Offiziere der Handelsmarine und der deutschen
Konsuln nicht veralten zu lassen, wurde beschlossen, sie in zwanglosen Heften
unter dem Titel „Der Pilote“, neue Folge, Beiträge zur Küstenkunde,
erscheinen zu lassen. Das erste Heft wurde hn April 1902 herausgegeben.
Während des Krieges ruhte die Arbeit; sie wurde erst im November 1923 wieder
aufgenommen. Jedoch konnten in der Nachkriegszeit die Hefte nicht in der
raschen Folge erscheinen wie früher, es sind von 1923 bis 1929 29 Hefte her
ausgegeben worden.
Zu diesen umfangreicheren Veröffentlichungen kommt eine große Anzahl
kleinerer Arbeiten und Einzeluntersuchungen, die von den Beamten der Ab
teilung teils amtlich, teils unter dem Namen der Verfasser hauptsächlich in den
Annalen der Hydrographie oder auf den Rückseiten der Monatskarten ver
öffentlicht worden sind. In der Zeit vor dem Kriege ist kaum eine Monatskarte er
schienen, deren Rückseite nicht bedruckt war mit Aufsätzen belehrenden Inhalts
über maritim-meteorologische, ozeanographisehe oder nautische Gegenstände.
Aber die wichtigste Arbeit ist diejenige, die eingangs mit „Kern“ der Auf
gaben der Abteilung bezeichnet wurde. Unsere Kenntnis der Ozeane beruht in
der Hauptsache auf die in unermüdlicher freiwilliger Arbeit Tag für Tag an-
gestellten Beobachtungen unserer Seeleute. Fast alle vorhergenannten Arbeiten
gründen sich auf der Auswertung dieser Beobachtungen. Wie aber eine Aus
wertung der in Tausenden von meteorologischen Tagebüchern verstreuten
Millionen von Beobachtungen vorgenommen werden muß, ist oder war ein Problem.
An Versuchen, dieses Problem zu lösen, hat es nicht gefehlt. In großzügiger Weise
hat Neumayer es angefaßt. Er schuf die sogenannte Quadratarbeit, die unter
dem Titel;* Resultate meteorologischer Beobachtungen von deutschen
und holländischen Schiffen für Eingradfelder des Nordatlantischen
Ozeans in den Jahren von 1876 bis 1901 herausgegeben wurde. 19 Quadrate von
je 10° Breite und Länge sind erschienen, die das Gebiet des Atlantischen Ozeans
zwischen den Breiten 20° und 50° N-Br umfassen. In Tabellenform sind für
jedes Quadrat Wind, Luftdruck, Temperatur usw. aus den Tagebüchern einge
tragen und innerhalb jedes Monats wiederum verteilt auf die vier 5°-Felder und
die 100 1"-Felder eines solchen Quadrates. Jedes der 19 Quadrate stellt ein
umfangreiches Buch dar und hat eine erhebliche Arbeit erfordert, die um so
langsamer vor sich gehen mußte, je mehr Tagebücher herangezogen wurden.
Für diese Arbeit standen damals etwa x / 2 Million Beobachtungssätze zur Ver
fügung; als aber die Arbeit 1901 vorläufig abgeschlossen wurde, war bereits
mehr als das Doppelte an Beobachtungen vorhanden, die nicht mehr berück
sichtigt werden konnten. Heute ist der Schatz der Beobachtungen auf 19 1 / 2 Mil
lionen angewachsen, die sich auf rund 36000 Tagebücher verteilen, und die
Zahl der freiwilligen Mitarbeiter zur See ist auf 1300 Kapitäne und Schiffs-