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Atmosphärische Zirkulation
und 2011 (10.6 °C). Der starke Temperaturanstieg um 4.9 K gegenüber März ist konsistent mit
einem Überschuss im Globalstrahlungsfluss von 29 Witt 2 (1.5 StdAbw, Abbildung 2-21). Zwar
wurden in den Folgemonaten ähnlich erhöhte Strahlungsflüsse gemessen, die Lufttemperatur
fiel jedoch bis Juni aufgrund kompensierender Kaltlufttransporte aus N (Abbildung 2-12, Ab
bildung 2-17) fast auf den Normalwert von 14.3 °C zurück.
(JAS) Im Sommerquartal unterlag die Nordsee einer recht stabilen Anströmung, die in Rich
tung (WSW) und Stärke (4.6 m/s) mit derjenigen des vorausgegangen Winters übereinstimmte
(Tabelle 2-21). Zuströme subtropischer Warmluft und frischer Meeresluft aus dem NE-Atlantik
befanden sich im Juli in ständigem Wechsel, wie aus der zyklonal geprägten Abfolge der
täglichen Wetterlagen (Tabelle 2-4) oder der zonal gestreckten Tiefdruckrinne des Luftdruck
musters ersichtlich ist (Abbildung 2-12). Der August war im Rahmen eines positiv verstärkten
Ostatlantikmusters durch eine kräftige SW-Zirkulation charakterisiert (Abbildung 2-12). Erst
nach Durchzug des Ex-Tropensturms Danny am 3. und 4. September (Tabelle 2-4) konnten
sich mit der NE-Ausdehnung des Azorenhochs (Abbildung 2-12) längere Episoden sommer
lichen Hochdruckwetters einstellen. Während die Globalstrahlung auf Norderney die klima-
tologischen Werte in den Sommermonaten nur geringfügig übertraf (Abbildung 2-21), vollzog
sich der monatliche Temperaturgang auf einem stabilen, etwa 1.3 K erhöhten Niveau (Abbil
dung 2-2). Auch die Meeresoberflächentemperatur der DB war mit beständigen 1.4 K erheb
lich zu warm (Abbildung 2-23). Die saisonale Mitteltemperatur (JAS) gehörte in beiden Fällen
zu den höchsten im Zeitraum 1971-2013 (Rang 7).
(OND) Kennzeichnend für das 4. Quartal war eine gut ausgeprägte Meridionalzirkulation, die
sich u. a. in der SSW-Orientierung des resultierenden Nordseewindes zeigt (Abbildung 2-15).
Dabei kamen im Oktober, in dem Hochdruckeinfluss weiter vorherrschte (Tabelle 2-13; Ab
bildung 2-12), gerade SW-Lagen eher selten vor (Abbildung 2-17). Deren Häufigkeit stieg je
doch gemeinsam mit derjenigen von C-Lagen im November auf Jahreshöchstwerte von 15
respektive 9 an (Abbildung 2-3). Auch die sehr hohe Richtungsstabilität (79 %) des SW-lichen
Nordseewindes (Tabelle 2-22), das mit 11 Sturmtagen zweithöchste Sturmaufkommen seit
1948 (Tabelle 2-24) sowie der damit einhergehende massive Einstrom milder Meeresluft in
den Nordseeraum ergaben sich als Konsequenzen eines tiefen quasistationären Trogs über
dem NE-Atlantik (Abbildung 2-12). Die ebenda wiedergegebene Luftdruckverteilung für De
zember illustriert die mit -2.95 bis dahin negativste Phase der Nordatlantischen Oszillation in
irgendeinem Dezember seit 1899 (vgl. HURREL et ah 2013) und gleichzeitig eine schwache,
relativ stabile S-liche Anströmung über der Nordsee (s. a. Abbildung 2-17). Für die Tempera
turentwicklung auf Norderney ergaben sich zirkulationskonforme Änderungen, nämlich: eine
Normalisierung im Oktober, eine auf 1 / 3 der normalen Rate reduzierte Abkühlung und so die
nach 2006 zweithöchste Novembertemperatur (8.8 °C) seit 1971 und schließlich eine 2,5-fach
verstärkte Abkühlung auf 2.2 °C im Dezember (Abbildung 2-22). Das im letzten Punkt abwei
chende Verharren der Meeresoberflächentemperatur der DB auf anomal hohem Niveau im
Dezember (Abbildung 2-23) resultierte aus dem andauernden Transport von Meerwasser aus
der südlichen Nordsee durch den W-Rand der DB (Abbildung 3-4 und Abbildung 3-10).
2.2.4 2010
Das Jahr 2010 zeichnete sich global durch eine Fülle signifikanter Klimaanomalien aus 1 , die
u. a. mit einer sehr langlebigen La Nina Episode und beständig negativen Zuständen der
Nordatlantischen bzw. Arktischen Oszillation in Zusammenhang standen. Die Nordsee unter
lag dabei einer extrem abgeschwächten und unbeständigen Zonalzirkulation. Belege hierfür
finden sich in der sehr geringen Richtungsstabilität (14%) des Nordseewindes (Tabelle 2-21;
www.ncdc.noaa.gov/sotc/service/global/significant-extremes/201013.gif