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B. Ostsee
Automatische Stationen
Am Leuchtturm "Kiel" werden seit November 1969 automatisch die
Wassertemperatur in verschiedenen Tiefenstufen und der Salzgehalt bzw.
die Leitfähigkeit in 8 m und 13 m gemessen und in das DHI übertragen.
Die Temperaturwerte aus Om, 1 m, 2 m, 4 m, 8 m und 13 m sowie die
Salzgehaltswerte aus 8 m und 13 m Tiefe sind auf den Seiten 63 bis 74
als Tagesmittelwerte ausgedruckt und auf den Seiten 75 bis 82
graphisch dargestellt. Die Datengenauigkeit der 1-m-, 2-m-, 4-m- und
8-m-Niveaus wurde durch regelmäßige Vergleichsmessungen überprüft. Der
zu erwartende absolute Fehler liegt für die Temperatur unter 0,1 K und
für den Salzgehalt unter 0,1. Eine Fehlerangabe für die Messungen des
13-m- Niveaus ist nicht möglich.
Im Gegensatz zu den graphischen Darstellungen der Oberflächentempe
raturmessung auf den Feuerschiffen zeigen einige Meßniveaus der
quasi-kontinuierlichen Registrierungen der automatischen Stationen
erhebliche Streuungen bzw. einzelne deutlich herausragende Signale.
Beide Erscheinungen sind auf den Einfluß meteorologischer Vorgänge auf
die Temperaturschichtung im Meer bzw. meteorologisch angeregte
Advektion zurückzuführen.
Die Kälteperiode von Anfang bis Mitte Januar, verbunden mit
stürmischen Winden aus nördlichen Richtungen, führte zu einer starken
Abkühlung der gesamten Wassersäule. Die bereits vorhandene winterliche
Homothermie wurde nur von begrenzten Abkühlungsphasen der oberflächen
nahen Schichten durch kurzzeitige Kälteeinbrüche unterbrochen (LT
"Kiel"). Mit Beginn der Frühjahrserwärmung setzte am 6./7. April die
thermische Schichtenbildung ein. Wegen der nur geringen Wassertiefe
erreichte der Jahresgang der Temperatur trotz der vorhandenen
stabilisierenden haiinen Schichtung den Boden. Insbesondere bei LT
"Kiel" zeigten während des Temperaturanstieges starke Fluktuationen in
den Registrierungen der 8-m- und 13-m-Niveaus eine deutliche
Variabilität der Sprungschichttiefe an, verursacht durch winderzeugte
Turbulenz und seitliche Zufuhr (Advektion). Der weitgehende Zusammen
bruch der Schichtung durch turbulente Durchmischung der Wassersäule
bis zum Boden Mitte Juni als Folge eines Weststurmes war nur von
kurzer Dauer. Der erste kurzzeitige Höhepunkt der Erwärmung wurde
unter Hochdruckeinfluß Anfang Juli erreicht, gefolgt von nur noch
kurzeitigen Erwärmungsphasen wegen der kühlen und wolkenreichen
Witterung und unterbrochen durch windbedingte Deckschichtvertiefung.
Der bei LT "Kiel" registrierte Kaltwassereinbruch (Auftrieb) Mitte
Juli war auf den zu dieser Zeit vorherrschenden starken Ostwind
zurückzuführen. Unter dem Einfluß von Weststürmen sowie der Abkühlung
mit einsetzender thermischer Vertikalkonvektion erfolgte im September
der Abbau der thermischen Schichtung bis zur völligen Auflösung Ende
September. Der weitere kontinuierliche Abkühlungsprozeß der gesamten
Wassersäule wurde erst Mitte Dezember durch den Einstrom milder
Meeresluft vorübergehend unterbrochen.
Im Gegensatz zu den Registrierungen der Temperatur repräsentieren die
Schwankungen im Salzgehalt im wesentlichen horizontale Verlagerungen
einzelner Wasserkörper.