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Full text: 62: Die Auswirkungen des Kernkraftwerkunfalles von Tschernobyl auf Nord- und Ostsee

see zu befriedigenden Ergebnissen. Danach waren die 
Proben schon soweit verdünnt und zerfallen, daß die 
konzentrierter Form (nach Einengung durch Abdampfen) 
konnten. 
Nuklide in den 
Proben nur {in 
gemessen werden 
4.2.3. Cäsium-Isotope 
Die genaueste Aussage über die Verteilung des Radiovaktivitäts- 
eintrages aus dem Fallout ist nur über die radiochemische, nuklid- 
spezifische Bestimmung möglich. Als Leitisotope hierfür eigneten 
sich ideal die Cäsiumisotope 137 und 134, die in einem Aktivi- 
rätsverhältnis von ca. 2 : 1 freigesetzt wurden, Die gammaspek- 
troskopischen Untersuchungen der Meerwasserproben zeigten, daß die 
Nuklidzusammensetzung des Tschernobyl-Eintrages sich - innerhalb der 
Meßgenauigkeit - im Meerwasser nicht durch physikalische oder 
chemische Prozesse veränderte. Lediglich der radioaktive Zerfall 
bewirkte mit der Zeit eine Verschiebung der Nuklidzusammensetzung 
(Abb. 8 bis 13). 
Für den Zeitraum bis Mitte des Jahres sollte es daher erlaubt sein, 
aus den radiochemischen Ergebnissen der Cäsiumbestimmung auf die 
übrigen gammaemittierenden Nuklide schließen zu können. 
Die Unterscheidung zwischen dem "Tschernobyl-Eintrag"” und der vorher 
bereits in Nord- und Ostsee vorhandenen Kontamination aus Sellafield 
und in geringerem Maße aus La Hague ist durch den Anteil des kurzle- 
bigeren Cs 134 (Halbwertszeit 754,2 Tage) möglich. Der Aktivitäts- 
anteil von Cs 134 am gesamten Radiocäsium war in der Nordsee bisher 
aus diesen Quellen in der Größenordnung um 10 % zu finden. In Abb. 
17 sind aus den Isolinien des Cäsium-134-Aktivitätsanteils der 
"Tschernobyl-Eintrag” in die Nordsee zu identifizieren. 
4.2.04 Strontium 930 
Als weiteres wichtiges, radiochemisch zu überwachendes Nuklid wurde 
in größerem Umfang Strontium 90 bestimmt. Bei der routinemäßig im 
Labor angewandten Methode wird Sr 90 über sein Tochterprodukt Y 90 
(Halbwertszeit 64,8 Stunden) im radiochemischen Gleichgewicht nach- 
gewiesen. Yttrium wird hierbei aus der Wasserprobe extrahiert und 
nach weiterer radiochemischer Aufarbeitung letztendlich als Yttrium- 
oxid zur ß-Messung gebracht. Die Extraktion der Wasserproben nach 
dem Eintrag aus Tschernobyl führte jedoch dazu, daß eine Reihe von 
kurzlebigen Nukliden (z.B. Y 91, Ce 141, Ce 144, La 140, Nd 147) 
ebenfalls in die organische Phase extrahiert wurden und damit die 
Bestimmung von Sr 90 verfälschten. Ein mathematisches Verfahren, bei 
dem die Zerfallskurve in ihre Anteile zerlegt wird, führte nicht 
immer zu einem befriedigenden Ergebnis der Sr-90-Aktivitätsbestim- 
mung, da Sr 90 im Vergleich zu den störenden Isotopen nur zu einem 
geringen Aktivitätsanteil vorhanden war. Es mußte daher ein chemi-
	        
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