besser lassen sich kleinräumige Strukturen der Strömung berechnen.
Großrechenanlagen sind mittlerweile so leistungsstark, daß damit
dreidimensionale Modelle mit mehreren Schichten und einer horizon-
talen Auflösung von einigen Kilometern gerechnet werden können. Sie
erlauben somit die Simulation der großskaligen Zirkulation.
Trotz des bis heute erreichten Stands in der numerischen Modellie-
rung können Modelle je nach Fragestellung nur Telilaspekte der Wirk-
lichkeit darstellen. So wurden in den hier vorgestellten Modellen
z.B. keine für den Stofftransport, im Hinblick auf kurzperiodische
Schwankungen und Vermischungsvorgänge, wichtige mesoskalige Wirbel
aufgelöst. Auch ist die - im Prinzip mögliche - Modellierung der
winderzeugten Oberflächenwellen, die sowohl die vertikale als auch
die horizontale Vermischung beeinflussen, nicht enthalten,
Schon aus den allgemeinen Kenntnissen über die Nordseezirkulation
läßt sich ableiten, daß sich in der Nordsee eingebrachte Substanzen
nicht gleichmäßig Über das gesamte Meeresgebiet verteilen. Es wäre
eine unzulässige Vereinfachung anzunehmen, daß sich in die Nordsee
eingebrachte Substanzen wie Milch in einer gut umgerührten Tasse
Kaffee verhielten. Bilanzierungen, die die Menge von eingebrachten
Substanzen zum Gesamtvolumen der Nordsee (43 x 1012 m3) ins Ver-
hältnis setzen, führen zu Konzentrationen, die Srtlich viel zu nied-
rig sein können und damit ohne Aussagekraft sind.
Die Nordsee ist zur Zeit durch die Einleitung von vielen verschie-
denen Arten von Schadstoffen gefährdet. Sichtbar sind die direkten
Einleitungen auf See (Verklappung und Verbrennung, Einträge durch
den allgemeinen Schiffsverkehr wie 81 und Schiffsmüll); von weit
größerer Bedeutung sind die Einleitungen von Schadstoffen über die
Flüsse und über die Atmosphäre. Neben den kommunalen Abwässern, die
immer noch überwiegend über die Flüsse entsorgt werden, sind es vor
allem industrielle Einleitungen und auch Rückstände der landwirt-
schaftlichen Produktion (z.B. Nährstoffe, Insektizide), die über die
Flüsse in die Nordsee gelangen. Der Eintrag über die Atmosphäre ist
bisher schlecht quantifizierbar.
Der Transport und die Ausbreitung von Schadstoffen im Meer wird in
erster Linie durch die Strömung bestimmt. Physikalische, chemische
und biologische Prozesse, denen der Stoff im umgebenden Wasser und
mit dem Sediment unterworfen ist, haben ebenfalls entscheidenden
Einfluß auf die Verteilung der Schadstoffe, Das Wissen über diese
komplexen Prozesse ist derzeit bei weitem noch nicht ausreichend, um
alle diese Faktoren in numerischen Modellen quantitativ zu berück-
sichtigen.
Die zeitliche Änderung der Schadstoffkonzentration an einem Ort 1äßt
sich durch die Transportgleichung beschreiben. Sie ist die Grundlage
für die Modellierung der Schadstoffausbreitung:
zeitliche Änderung
der Konzentration = Advektion + Diffusion + Reaktion
am festen Ort
(Chemisch} + Quellen
(biologisch) Senken