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Full text: 61: Stoffausbreitung in der Nordsee : Modellereignisse des Deutschen Hydrographischen Instituts und des instituts für Meereskunde der Universität Hamburg.

besser lassen sich kleinräumige Strukturen der Strömung berechnen. 
Großrechenanlagen sind mittlerweile so leistungsstark, daß damit 
dreidimensionale Modelle mit mehreren Schichten und einer horizon- 
talen Auflösung von einigen Kilometern gerechnet werden können. Sie 
erlauben somit die Simulation der großskaligen Zirkulation. 
Trotz des bis heute erreichten Stands in der numerischen Modellie- 
rung können Modelle je nach Fragestellung nur Telilaspekte der Wirk- 
lichkeit darstellen. So wurden in den hier vorgestellten Modellen 
z.B. keine für den Stofftransport, im Hinblick auf kurzperiodische 
Schwankungen und Vermischungsvorgänge, wichtige mesoskalige Wirbel 
aufgelöst. Auch ist die - im Prinzip mögliche - Modellierung der 
winderzeugten Oberflächenwellen, die sowohl die vertikale als auch 
die horizontale Vermischung beeinflussen, nicht enthalten, 
Schon aus den allgemeinen Kenntnissen über die Nordseezirkulation 
läßt sich ableiten, daß sich in der Nordsee eingebrachte Substanzen 
nicht gleichmäßig Über das gesamte Meeresgebiet verteilen. Es wäre 
eine unzulässige Vereinfachung anzunehmen, daß sich in die Nordsee 
eingebrachte Substanzen wie Milch in einer gut umgerührten Tasse 
Kaffee verhielten. Bilanzierungen, die die Menge von eingebrachten 
Substanzen zum Gesamtvolumen der Nordsee (43 x 1012 m3) ins Ver- 
hältnis setzen, führen zu Konzentrationen, die Srtlich viel zu nied- 
rig sein können und damit ohne Aussagekraft sind. 
Die Nordsee ist zur Zeit durch die Einleitung von vielen verschie- 
denen Arten von Schadstoffen gefährdet. Sichtbar sind die direkten 
Einleitungen auf See (Verklappung und Verbrennung, Einträge durch 
den allgemeinen Schiffsverkehr wie 81 und Schiffsmüll); von weit 
größerer Bedeutung sind die Einleitungen von Schadstoffen über die 
Flüsse und über die Atmosphäre. Neben den kommunalen Abwässern, die 
immer noch überwiegend über die Flüsse entsorgt werden, sind es vor 
allem industrielle Einleitungen und auch Rückstände der landwirt- 
schaftlichen Produktion (z.B. Nährstoffe, Insektizide), die über die 
Flüsse in die Nordsee gelangen. Der Eintrag über die Atmosphäre ist 
bisher schlecht quantifizierbar. 
Der Transport und die Ausbreitung von Schadstoffen im Meer wird in 
erster Linie durch die Strömung bestimmt. Physikalische, chemische 
und biologische Prozesse, denen der Stoff im umgebenden Wasser und 
mit dem Sediment unterworfen ist, haben ebenfalls entscheidenden 
Einfluß auf die Verteilung der Schadstoffe, Das Wissen über diese 
komplexen Prozesse ist derzeit bei weitem noch nicht ausreichend, um 
alle diese Faktoren in numerischen Modellen quantitativ zu berück- 
sichtigen. 
Die zeitliche Änderung der Schadstoffkonzentration an einem Ort 1äßt 
sich durch die Transportgleichung beschreiben. Sie ist die Grundlage 
für die Modellierung der Schadstoffausbreitung: 
zeitliche Änderung 
der Konzentration = Advektion + Diffusion + Reaktion 
am festen Ort 
(Chemisch} + Quellen 
(biologisch) Senken
	        
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