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Full text: 61: Stoffausbreitung in der Nordsee : Modellereignisse des Deutschen Hydrographischen Instituts und des instituts für Meereskunde der Universität Hamburg.

Welche Schwankungen der Schadstoffkonzentration in der Nordsee 
können durch die Veränderlichkeit der den Transport bestimmenden 
Strömungen entstehen? 
Konzentrationsschwankungen, die durch zeitlich variable Quellen 
verursacht werden (was sicherlich in der Realität eher dem Normal- 
zustand entspricht), werden in dieser Studie nicht betrachtet. 
Dieser Aspekt wird hier zunächst ausgeklammert, um ausschließlich 
den Einfluß der Veränderlichkeit der Strömungen zu quantifizieren; 
das bedeutet, daß hier nur ein Teilaspekt der Realität dargestellt 
werden kann. 
Zur Veranschaulichung zeitlicher und räumlicher Konzentrations- 
schwankungen von Substanzen in der Nordsee werden im folgenden 
Zeitserien der Konzentration für verschiedene Regionen der Nordsee 
dargestellt und interpretiert. 
Die Aufteilung der Nordsee in eine Reihe von Einzelregionen ge- 
schieht in Anlehnung an die vom ICES vorgeschlagene und weitgehend 
bekannte Box-Struktur (Anmerkung: Die Aufteilung eines dynamischen, 
zeitlich veränderlichen Regimes in raumfeste Boxen ist umstritten. 
Die ICES Box-Aufteilung der Nordsee wurde daher in erster Linie 
wegen ihrer internationalen Bekanntheit gewählt). Das zeitabhängige 
Strömungsfeld des IfMH-Modells, welches für den Zeitraum von 1969 
bis 1982 vorliegt, erlaubt die Bestimmung von Konzentrationsschwan- 
kungen in den einzelnen Boxen. Diese sind in Abbildung 11 für drei 
Boxen im Bereich des belgischen, niederländischen, deutschen und 
dänischen Küstenbereichs angegeben. Die dargestellten Schwankungen 
um den jeweiligen Mittelwert zeigen deutlich, daß die Fluktuationen 
des Strömungsfeldes zu erheblichen Abweichungen der Konzentration 
vom Mittel führen können. Wegen der starken Schwankungen der Konzen- 
tration ist die Aussagefähigkeit eines Mittelwertes begrenzt. Obwohl 
die mittlere Belastung (Konzentration eines oder mehrerer Stoffe) 
eines Meeresgebietes Bedeutung für Langzeiteffekte bei Lebewesen 
hat, ist für Ökologische Fragestellungen die Angabe der maximalen 
Konzentration von ungleich größerer Bedeutung. Die Schadstoffkonzen- 
tration der Nordsee ist - nach diesen Modellergebnissen - eher durch 
Abweichungen von einem (arithmetischen) Mittel zu charakterisieren 
als durch diesen Mittelwert. Die berechneten Schwankungen können um 
mehr als 100 % vom Mittel abweichen. 
Trotz der starken Unregelmäßigkeiten der in Abb.llb-d gezeigten 
Schwankungen treten einige Strukturen deutlich hervor. Dies ist 
insbesondere der Wechsel der Konzentration mit den Jahreszeiten, der 
- wie bereits erwähnt - in dieser Studie nicht durch variierende 
Quellen oder durch veränderliche biologische Produktivität hervor- 
gerufen wird. In der gesamten südlichen Nordsee und in der Deutschen 
Bucht tritt im allgemeinen während der Wintermonate die geringste 
Konzentration auf; im Sommer werden die Maximalwerte erreicht. 
Dieser Befund erklärt sich aus der Intensivierung der Zirkulation im 
Winter infolge der winterlichen Starkwindlagen und der vermehrten 
Sturmhäufigkeit. Dies führt zu einer Verkürzung der Umsatzzeiten und 
zu einer verstärkten großräumigen Vermischung.
	        
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