3
Physikalische Ozeanographie (G. A. Becker)
Der Cütezustand des Gesamtsystems Nordsee hängt in hohem
Maße von den physikalischen Gegebenheiten ab.
Varianzspektren der meeresphysikalischen Größen - Temperatur
und Salzgehalt - zeigen, daß die herausragenden Signale im
Periodenbereich von den Gezeiten bis hinauf zu einem Jahr zu
finden sind. Schwankungen im längerperiodischen Bereich kon-
zentrieren sich bei etwa zwei, fünf und zehn Jahren. Lang-
anhaltende Trends (oberhalb von 30 Jahren) haben nur schwache
Signale, sie werden durch die kürzerperiodischen klimatischen
Schwankungen überdeckt, Unter der Voraussetzung, daß das an
den Atlantik gekoppelte physikalische System Nordsee in
erster Näherung im längerperiodischen Bereich stationär ist,
kann bei der Beschreibung des aktuellen Gütezustands der
Nordsee auf die vorhandenen ausführlichen Bearbeitungen und
Darstellungen verwiesen werden,
Als Diskussionsgrundlage für die Internationale Nordsee-
schutzkonferenz eignen sich die im Sondergutachten "Umwelt-
probleme der Nordsee" gegebenen Beschreibungen der "Hydro-
graphie" und "Meteorologie" der Nordsee sowie der Report der
ICES "Study Group on Flushing Times of the North Sea", Ins-
besondere die letztere Arbeit, die von einer internationalen
Expertengruppe zusammengetragen wurde, gibt neben einer all-
gemeinen, auch eine regional aufgegliederte Beschreibung der
Hydrographie der Nordsee, Wesentliches Ergebnis ist eine Ab-
schätzung über die Wassererneuerung der in sieben Areale
(Boxen) unterteilten Nordsee,
Wegen der Bedeutung dieses Reports und der Abschätzung für
die Behandlung von Verschmutzungsproblemen wird im Anhang
die Zusammenfassung des ICES-Reports gegeben, Obwohl die Er-
gebnisse erste zuverlässige Zahlen für die Nordsee in den
IHB-Grenzen geben, weist der Report auf die Notwendigkeit
weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen hin. Die in dem
Bericht angegebenen Zeiten für die Wassererneuerung (Um-
satz-Zeiten) beziehen sich auf langjährige mittlere Verhält-