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Full text: 55: Gütezustand der Nordsee

produktion und viel organischem Material im Sediment 
(Kap. 2.4.5.1 und 5.8). Der anthropogene Eintrag von leicht 
abbaubaren Stoffen und von Pflanzennährstoffen hat hier 
außer in lokalen Einzelfällen noch keine negativen Folgen 
für den Sauerstoffhaushalt und die Organismenbesiedlung 
gebracht. Problematisch ist aber der Eintrag von Organo- 
chlorverbindungen (vor allem PCB, Kap. 5.5) und von 
Schwermetallen (Kap. 5,4), die teils direkt, teils mit 
Strömungen aus dem küstennahen Meer ins Wattenmeer gelan- 
gen. Diese Schadstoffe, die aus der anthropogenen Belastung 
der Flüsse stammen, werden mit Schwebeteilchen transpor- 
tiert, an die sie adsorbiert sind. Der Schadstoffeintrag 
führt zur Anreicherung in Muscheln (Kap. 5.5) und anderen 
Organismen, Bei Fischen wird ein ursächlicher Zusammenhang 
zwischen dem gehäuften Auftreten von Fischkrankheiten (Kap. 
5,8) und der Schadstoffbelastung angenommen. Es besteht der 
Verdacht, daß polychlorierte Biphenyle zum Rückgang der Be- 
stände des Seehundes im Wattenmeer (Kap. 5.8) beitragen. 
1430. Die größte Gefahr für das Wattenmeer geht von der 
Großschiffahrt aus, Trotz aller bisher getroffenen Siche- 
rungsmaßnahmen kann sich täglich ein Unfall eines Öltankers 
oder Chemikalientransporters ereignen., Ein solcher Unfall 
würde in diesem Ökosystem schwerste Schäden verursachen; 
die stärksten und am längsten währenden Schadwirkungen 
sind für die ökologisch besonders bedeutsamen Stillwasser-— 
gebiete {(Schlickgebiete) und Salzwiesen zu befürchten 
(Kap. 6.2). Ähnliche Folgen könnten ein Betriebsunfall bei 
der Exploration oder Förderung von Erdöl in der Nordsee 
haben, wenn das Leck nicht rechtzeitig geschlossen werden 
kann und bei entsprechenden Windverhältnissen der Ölteppich 
auf das Wattenmeer zutreibt. 
1431. Auch durch Deichbaumaßnahmen (insbesondere Eindeichun- 
gen) sind Teile des Wattenmeeres, vor allem die Salzwiesen, 
in ihrer ökologischen Struktur gefährdet (Kap, 8.1). Aus
	        
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