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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

Defant, A.: Neue Methode zur Ermittlung der Eigenschwingungen (Seiches) usw. 83 
Die Eigenschwingungen (Seiches) des Gardasees. Limnographenaufzeichnungen 
in Riva am Nordende und in Desenzano am Südende des Sees ergaben . als 
Periode der einknotigen freien Schwingung 429 bezw. 42°3 Minuten!)., In bezug 
auf die zweiknotige Schwingung liegt in.den zwei in der Anmerkung erwähnten 
Untersuchungen ein auffallender‘ Unterschied. Aus den Aufzeichnungen in Riva 
folgt ‚als Periode der nächstfolgenden Schwingung T = 286 Minuten und als 
Periode einer weiteren Schwingung 21°8 Minuten. ‘In den Aufzeichnungen von 
Desenzano fand man dagegen nur Andeutungen einer Periode von etwa 29 Minuten, 
während. Schwingungen von 22:6 Minuten Dauer außerordentlich gut ausgebildet 
waren. Schalten wir die Periode von 28°6 Minuten zunächst aus, so ist wohl die 
Schwingung von etwa 22 Minuten als die zweiknotige Periode des Gardasees 
anzusehen, Auch die Chrystalsche Theorie ergibt einen auffallenden Wider- 
spruch; wählt man als Normalkurve des Sees einen aus 3 Graden bestehenden 
Linienzug, so folgen als Perioden der ein-, zwei- und dreiknotigen Schwingung 
42:8, 280 und 20:1 Minuten; wählt man dagegen als Normalkurve zwei Parabel- 
stücke, so fehlt die mittlere Periode und man erhält als Perioden der ein- und 
zweiknotigen Schwingung 41°3 und 230 Minuten. Diese auffallende Diskrepanz 
scheint nun durch folgende, nach der obigen Methode ausgeführten Rechnungen 
eine befriedigende Lösung zu finden. ) 
Die Verbindungslinie Nordende des Sees (Mündung des Sarcaflusses) —Süd- 
ende (Desenzano) wurde in 30 gleiche Teile geteilt und senkrecht zu dieser Mittel- 
linie wurden Querschnitte gelegt. Die Entfernung zweier Querschnitte beträgt 
172 km. Die Oberfläche des Sees zwischen je zwei Querschnitten v,, sowie die 
Flächeninhalte der Querschnitte S(x), welche aus der vom hydrographischen 
Amte der Kgl. italienischen.Marine herausgegebenen Seekarte des Gardasees mit 
großer Genauigkeit ermittelt werden konnten, wurden planimetrisch ausgemessen 
und stehen in der folgenden Tabelle, 
Nach der früher dargelegten Methode wurde zunächst für T, = 42‘92m 
die Verteilung der Hubhöhen. und die durch den letzten Querschnitt hindurch- 
zuschiebende Wassermenge berechnet. Man ‘findet für den 30. Querschnitt 
Q = 2267. 10-3 km?; dies ist keine besonders große Wassermenge; es .wird dem- 
nach 4292m nicht weit von der wirklichen  Eigenperiode der einknotigen 
Schwingung liegen. Wählt man nun T, = 41:4, so ergibt sich für den letzten 
Querschnitt q = + 11:72 - 10-3 km? und schließlich für 'T — 398m die Größe 
q= —034 -10-3km*. Es wird also q = o für T, — 898m; dies ist die theoretische 
Periode der. einknotigen Seiche; die beobachtete beträgt 42:6», Die Überein- 
stimmung zwischen Theorie und Beobachtung ist befriedigend. 
Die beobachtete Periode ist etwa 7%, größer als die theoretische. Es 
liegt der Gedanke nahe, diesen Unterschied Reibungseinflüssen zuzuschreiben, die 
ja in der theoretischen Ermittlung unberücksichtigt blieben. Reibungseinflüsse 
tragen immer dazu bei, die Periode der freien Schwingungen zu verlängern; Der 
gefundene Unterschied ist aber wesentlich größer, als er aus dem Abklingen der 
Schwingungen, d. i. aus dem logarithmischen Dekrement der Amplituden, abgeleitet 
werden kann; ist T! die beobachtete Periode. mit Reibung, T die Periode der 
Schwingung bei Fehlen jeglicher Reibungseinflüsse, 2 das logarithmische De- 
krement, so besteht die Beziehung?) T1=TV141053724% In unserem Falle folgt 
A = 0522, während aus dem Abklingen der Schwingungsamplituden in Riva 2 im 
Mittel sich zu etwa 0:023 ergeben hat. Allerdings liegt Riva am tiefen Nordende 
des Sees, wo Reibungseinflüsse sehr gering sein dürften. Der dämpfende Teil dürfte 
der seichte südliche Teil des Sees sein; leider stehen mir von Desenzano keine 
Limnographenaufzeichnungen zur Verfügung, um für diese Station das logarith- 
mische Dekrement zu bestimmen. Einige Kurvenzüge in Vercellis Arbeit lassen 
erkennen, daß dieses hier wesentlich größer ist als in Riva. 
') A. Defant, Über die stehenden Seespiegelschwankungen in Riva am Gardasee. Sitzungs- 
bericht der Wiener Akad... 117, Bd. 1908 uud Fr. Vercelli, Le teorie idrodinamiche delle sesse, 
Memoric del reg. istitüto lombardo; vol. 21 1909. . 
2) Siehe A. Defant. Theoretische -Überlegungen über Seespiegelschwankungen in Seen und 
Meeresbuchten.. Diese Zeitschrift, Januar 3916.
	        
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