Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1914—1918.
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macher E. Bröcking in seiner Eigenschaft als Uhrmacher der Deutschen Seewarte,
sowie auf eigenen Wunsch regelmäßig der Chronometermacher Q. Lidecke, bei
der 38., 40. und 41. Prüfung der Kommerzienrat E. Lange und an der 40. Be
sichtigung der Chronometermacher M. Meyer.
X. Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Abteilung.
Im Personal der Abteilung fanden durch den Krieg mehrfache Änderungen
statt. Im Herbst 1914 wurde Dr. Perlewitz nach Belgien abkommandiert und zum
Ersatz Dr. O. Burchard, bis dahin in Teneriffa wohnhaft, angenommen. Auch die
drei Betriebsgehilfen wurden wiederholt gewechselt, doch konnten 1918 die
früheren wieder eingestellt werden. Sie mußten vielfach statt auf der Drachen
station, zum Dienst im Gebäude der Seewarte herangezogen werden.
Die am 16. August 1913 abgebrannte Drachenstation wurde im Oktober 1914
wieder aufgebaut und Anfang November 1914 bezogen. Bis dahin mußte der
Betrieb notdürftig so, wie im Bericht für 1913 angegeben ist, aufrecht erhalten
werden; jedoch wurden vom April an die Aufstiege nicht mehr auf der Seewarte,
sondern wieder in Qroß-Borstel ausgeführt. Mit der Mobilmachung mußten die
Drachenaufstiege eingestellt werden; sie konnten auch später nur vorübergehend
wieder aufgenommen werden, weil die Nähe des Luftschiffhafens Fuhlsbüttel durch
den vielen Verkehr von Luftschiffen und Flugzeugen die Gefahren vermehrte und
1915 auch die Motorwinde nach auswärts abgegeben werden mußte. Dagegen
wurden seitdem täglich zweimal, wenn die Sichtigkeit der Luft es erlaubte,
Pilotaufstiege angestellt, deren Ergebnisse sofort der Seewarte und einigen
Eliegerstationen mitgeteilt wurden. Zu den Aufstiegen dienten bis zum März 1917
Oummiballone, seitdem Papierballonc der Firma Neumann in Dresden, von der
selben Art und unter Benutzung derselben Steigtabelle, wie sie vom Observatorium
Bremen schon früher angewandt wurden.
Durch das Entgegenkommen der Hochfreciucnz-Maschinen-A. ü. für draht
lose Telegraphie und durch die Kommandierung des Feinmechanikers C. Schneider
zur Seewarte wurde diese in die Lage versetzt, im April 1916 auf der Qroß-
Radiostation Eilvese in äußerst günstiger Lage Anemometer in sieben verschie
denen Höhen zwischen 0 und 125 m über dem Boden aufzustellen. Erste Ergeb
nisse dieser Windmcßstelle sind in den Annalen d. Hydr. 1916, S. 537—542 ver
öffentlicht worden.
Leider wurde es durch die Wiedereinberufung von C. Schneider in den
Heeresdienst nicht möglich, die durch die Schwierigkeit und Neuheit dieser Auf
stellung bedingten Störungen, die sich besonders vom Herbst 1916 an einstellten,
zu beseitigen, trotzdem durch das dankenswerte Entgegenkommen von Prof.
Grosse in Bremen vom Dezember 1916 an der Musketier dir. Hansen nach
Eilvese zur Bedienung des Apparats kommandiert wurde. Erst als im Winter
1917/18 die elektrischen Leitungen erneuert wurden und im März 1918 Schneider
wieder zur Seewarte übertrat, wurden diese Schwierigkeiten behoben und für die
Monate April bis Oktober 1918 gute Aufzeichnungen aus allen Höhen erhalten.
Mit der Demobilisation des Heeres mußten aber diese Arbeiten vorläufig einge
stellt, die Instrumente verpackt werden.