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Full text: 56, 1936

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W. Koppen: Erforschung der freien Atmosphäre mit Hülfe von Drachen. 31 einigemiaassen frischem Winde, aus welcher Richtung er auch komme, der Aufstieg vom Haspel selbst aus erfolgen können. Ist der Wind so schwach, dass vor dem Aufstieg mehr als 80 m Leine ausgelassen werden müssen, so stehen dafür hei den häufigeren westlichen Winden noch mindestens 40 m zur Verfügung, so dass der Drache mindestens 120 m weit vom Haspel aufsteigen kann; mehr als 200 m Abstand zwischen diesen und den Drachen zu nehmen, ist selten gut durchführbar, da der Draht dann zu leicht unklar kommt. Muss man diesen Abstand aber zwischen 80 (resp. 120) und 200 m wählen und kann man dabei nicht auf das benachbarte Grundstück hinübergehen, so stehen einem zwei Wege zur stärkeren Ausnutzung des Platzes zur Verfügung: entweder man lässt die Drachen an einem ca. 200 m langen Vorläufer aus Schnur, Draht oder dünnem Kabel von einer fahrbaren Winde aufsteigen, die man an eine geeignete Stelle des Grundstücks bringt und darauf, wenn die Drachen stehen, zum Haspel fährt, wo man den Vorläufer an den Hauptdraht befestigt; oder man leitet den Draht vom Haspel über eine Rolle, die man in der Hand etwa an diejenige Stelle bi'ingt, wo im anderen Falle die fahrbare Winde aufgestellt wird; in dem Maasse, als der Drache zu ziehen beginnt, giebt der die Rolle haltende Mann dem Zuge nach und gelangt so zur Drehbude, die zum Schluss nach Lee gedreht wird, worauf der weitere Aufstieg direkt vom Haspel erfolgt. Die. Erfahrungen in Hamburg haben die Durchführbarkeit dieses Verfahrens bewiesen; wegen der Nachbarschaft des Isebek- Kanals war man nicht selten dazu genöthigt; in Berlin-Tegel wird gegenwärtig die fahrbare Winde und der Vorläufer bei allen Aufstiegen angewandt. Etwa 30 — 40 m von der Drehbude entfernt (eine grössere Entfernung erzeugt Zeitverlust), befinde sich ein fester Schuppen von etwa 4X8X5 m Rauminhalt, der als Aufbewahrungsort für die Drachen und als Werkstatt dient. Nicht durchaus nothwendig, aber sehr vortheilhaft für häufige Aufstiege ist es, wenn noch in einer Ecke des Grundstücks ein Häuschen für einen der ständigen Angestellten, mit einem Bureauzimmer und Schuppen dabei, sich befindet. Diesem Angestellten kann zugleich unbedenklich ein Theil des Grundstücks als Gemüseland übergeben werden, wenn nur bei Wahl und Vertlieilung der Kulturen auf die Drachenaufstiege Rücksicht genommen wird und genügend Wege radial zur Drehbude, zwischen den Beeten, gelassen werden. Als Viehweide lässt sich dagegen der Platz nicht benutzen. Als Personal für eine regelmässig funktionirende Drachenstation genügen, neben dem wissenschaftlichen Leiter, der in der Regel nur einen Theil seiner Zeit diesem Zweige wird widmen können, drei Personen, nämlich ein praktischer Leiter und zwei Arbeiter. Will man Aufstiege so oft als möglich und auch solche über 2000 m hinaus machen, so muss man einen Motor benutzen. Steht das Geld und das Personal zur Anschaffung und zum Betriebe eines Elektromotors nicht, wie in Trappes und in Berlin-Tegel, zur Verfügung,*) so wird man auch mit einem einfachen Benzin-Motor ziemlich viel erreichen können, wenn Motor- und Handbetrieb sich unterstützen und wo nöthig, ablösen können. Auch ein Windmotor würde unter Umständen für diesen Zweck geeignet sein; denn in der Regel steht, wenn man keine zu langen Auf stiege macht, Windkraft für das Einholen zur Verfügung und zwar um so mehr, je stärker die Drachen ziehen, also je grösser die zu leistende Arbeit ist. Die Kosten eines solchen einfachen, aber über das ganze Jahr sich erstreckenden Betriebes dürften sich in Hamburg wie folgt stellen, wenn vorausgesetzt wird, dass die geistige Oberleitung nicht aus diesem Fonds zu honoriren ist und für das Grundstück nichts zu zahlen ist: Jährliche Ausgaben 7500 JVC., nämlich persönliche 5500 dt., sachliche 2000 dt.; dazu einmalige Ausgaben an Gebäuden: Drehbude 400 dt., feste Bude 1100 dt., Wohnhaus mit Bureau 8500 dt., zusammen 10000 dt.; an maschineller Einrichtung: Haspel 800 dt., Motor 1000 dt, sonstige 200 dt., zusammen 2000 di.; an Drachenmaterial, Draht u. s. w. 900 di.; Registrir- Apparate 2300 dt.; Unvorhergesehenes 300 dt; im ganzen 15 500 dt., ohne das Haus nur 7000 dt., die unter Umständen auch auf 2 — 3 Jahre vertheilt werden können. Obiger Kostenanschlag ist auf Grund der hier gemachten Erfahrungen aufgestellt und auf einen regel rechten Betrieb durch das runde Jahr bemessen. Er stimmt bezüglich der laufenden Ausgaben mit dem jenigen überein, der auf dem Kongress russischer Meteorologen im Winter 1899/1900 für eine „normale” Drachenstation aufgestellt wurde; an einmaligen Ausgaben sieht der letztere, offenbar ohne Wohngebäude und Motor, nur ca. 3500 dl. vor, was eine etwas knappe instrumenteile Ausrüstung voraussetzt. Sollen die Versuche einen mehr gelegentlichen und Studien-Charakter tragen, so ist mit einer viel geringeren Summe *) Die Kabelwinde auf dem letzteren Institut hat (wahrscheinlich ohne die Dampfmaschine) 4000 dt. gekostet; siehe „Das Wetter 1 -', 1900, S. 174.
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